Gary L. Thomas - neun Wege Gott zu lieben - Die wunderbare Vielfalt des geistlichen Lebens
Verlag: R. Brockhaus
Releasedate: Dezember 2005
Genre: christliches Sachbuch
ISBN: 3417206596
Themen: christliche Spiritualität, Individualität, Beziehung mit Gott; neue evangelikale Spiritualität, Toleranz
Bewertung:
Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass eine "one size fits all" Spiritualität bestehend aus Stille Zeit (meint Bibelstudium und Gebet morgens vor der Arbeit), Gottesdienstbesuchen und Singen von Liedern nicht für jeden passt.
Gary L. Thomas beschreibt neun geistliche Typen, wie jeder auf seine eigene Art Gott anbeten kann.
Gary L. Thomas beschreibt neun geistliche Typen, wie jeder auf seine eigene Art Gott anbeten kann.
Spiritualität ist ein Wort, das wir nicht oft verwenden als Evangelikale Christen. Es hört sich zu sehr nach Esoterik an. Wir reden von der Beziehung mit Gott. Doch wie sieht diese Beziehung mit Gott aus? Im Wesentlichen haben wir eine Hand voll Rezepte, um unsere Beziehung mit Gott zu leben. Sünde zu vermeiden oder zu bekennen, Stille Zeit (meint Bibelstudium und Gebet, morgens vor der Arbeit), Gottesdienstbesuch und das Singen von Liedern. Doch es setzt sich die Erkenntnis durch, dass diese „one size fits all“ Spiritualität für immer weniger Menschen in unseren Gemeinden funktioniert. Deshalb gibt es eine neue Bewegung von Autoren, die versuchen, die evangelikale Spiritualität aufzupeppen. Darunter fallen Richard Forster, Dallas Willard und eben Gary L. Thomas.
Sein Ansatz ist, verschiedene Stile zu beschreiben, wie man Gott begegnet.
Die neun Stile im Einzelnen:
Der Natur Typ liebt das Draußensein, er begegnet Gott bei einem Spaziergang oder in einer schönen Blume. Man könnte auch sagen, dass diese Typen für diese schrecklichen Naturbild-Psalm-Poster verantwortlich sind, aber das ist eine andere Geschichte.
Der sinnliche Typ begegnet Gott durch Schönheit. Er braucht Sinneseindrücke. Zum Beispiel eine Symphonie, ein Gemälde, der Geruch von Weihrauch, der Geschmack des Weines beim Abendmahl.
Der asketische Typ kann dagegen so etwas überhaupt nicht gebrauchen. Er möchte nicht wahrnehmen, sondern seine Wahrnehmung so weit wie möglich herunterfahren, die Augen schließen und in der Schlichtheit Gott begegnen. Er liebt es, Opfer zu bringen und alleine zu sein.
Der traditionalistische Typ liebt einen festen Rahmen. Er liebt Symbole und Rituale um in die Anbetung einzusteigen.
Der aktivistische Typ liebt Gott durch politisches Engagement und Konfrontation von anderen Menschen.
Der fürsorgliche Typ begegnet Gott in anderen Menschen. Er liebt es, sich um andere zu kümmern, ihnen zu dienen und ihnen zu helfen.
Der enthusiastische (ich würde sagen: charismatische Typ) liebt das Überraschtwerden von Gott, er braucht Ungewissheit, Wunder und das Unerklärliche. Er feiert Gott und kommt gerne aus sich heraus.
Der kontemplative Typ versteht die Beziehung mit Gott vor allem als eine Liebesbeziehung. Er verspürt tiefen Frieden, indem er Gott einfach betrachtet und sich seiner Nähe aussetzt.
Der intellektuelle Typ will Gott verstehen. Er ist elektrisiert wenn er neue Wahrheiten in der Bibel entdeckt. Er mag es, sich mit anderen Meinungen auseinander zu setzen.
Nach der kurzen Einleitung wird jeder dieser Typen erklärt. Zuerst wird ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung gebracht, dann Beispiele aus der Bibel, dann wird dargestellt, welche Stärken und Schwächen der Typ hat. Am Ende jedes Kapitels gibt es einen Test, der einem helfen soll, dass dominierende geistliche Temperament herauszufinden.
Über die Einteilung der Temperamente kann man streiten. Zum Beispiel scheint mir der naturverbundene Typ große Überschneidungen mit dem sinnlichen Typ zu haben. Andererseits muss ein Mensch, der gerne Musik hört, noch lange nicht Weihrauch gut finden und andersherum.
Man hätte die Temperamente auch besser ordnen können. Zum Beispiel in dem man in verschiedene Kategorien einteilt. Die Wahrnehmung scheint mir ein wichtiger Faktor zu sein: geht es eher darum, seine Wahrnehmung herunterzufahren (asketischer Typ) oder gerade darum, wachsam zu werden (sinnlicher Typ). Ein anderer möglicher Gegensatz wäre Bewusstsein und Ausdruck. Geht es eher darum, dass einem Dinge tief bewusst werden (kontemplativer und intellektueller Typ) oder darum, seine Liebe zu Gott auszudrücken, ohne große intellektuelle Tiefe (enthusiastische Typ).
Mich hätte auch interessiert, wie das geistliche Temperament mit dem natürlichen Temperament zusammen hängt. Es wird zwar behauptet, dass keinerlei Verbindung zwischen beidem besteht, doch kann ich das so nicht glauben. Es ist natürlich komplexer als einfach zu sagen: Ordnungsliebende Menschen sind immer Traditionalisten, aber völlig falsch wird diese Behauptung auch nicht sein.
Außerdem hätte ich mir noch gewünscht, dass mehr auf die einzelnen Traditionen eingegangen wird. Welche Typen sind in welchen Gemeinden vertreten? Zu welcher Zeit sind gewisse Typen zuerst aufgetreten? Aber auch: Welche Typen kommen am ehesten miteinander in Konflikt?
Ein letzter Kritikpunkt (ich bringe die Kritik zuerst, damit ich mit den positiven Punkten aufhören kann) ist, dass hier nur eine individuelle Spiritualität beschrieben wird. Es wird nicht viel darüber gesagt, wie man diese verschiedenen Stile in Gemeinschaft leben kann und sehr wichtig: wie diese Stile nebeneinander in einer Gemeinde funktionieren können.
Nichtsdestoweniger ist das Buch ein äußerst wichtiges Buch. Es führt die Christen aus der Monotonie in die Vielfalt. Es wird in Zukunft immer wichtiger sein, anzuerkennen, dass es verschiedene Stile gibt. Wahrscheinlich ist es nicht unbedingt so, dass man einen dominanten Typ hat. Das (geistliche) Leben ist oft komplexer; es gibt verschiedene Phasen und Umbrüche, wo sich Dinge verschieben und Dinge, die sich eigentlich widersprechen, laufen bei einigen Menschen perfekt nebeneinander.
Doch das Buch kann dabei helfen, aus Glaubenskrisen herauszukommen. Gary L. Thomas schreibt im Vorwort, das vielleicht der Weg aus manchen Krisen sein kann, seinen „geistlichen Speiseplan“ umzustellen. Das Buch fordert heraus, mit Interesse anderen Stilen zu begegnen und selbst, wenn man relativ zufrieden mit seinem geistlichen Leben ist, neue Dinge auszuprobieren.
Sehr wichtig ist auch, dass das Buch eine biblische Toleranz („Ertragt einander in Liebe“) fördert. Man mag sich mit diesem Buch im Hinterkopf, gar nicht ausmalen, wie viele theologische Streitigkeiten, Gemeindespaltungen und Abgrenzungen in Wirklichkeit darauf zurückzuführen sind, dass Leute mit unterschiedlichem geistlichen Stilen aneinander geraten sind.
Es trägt dazu bei, dass man auch die Fähigkeit kriegt, auf Menschen aus anderen Traditionen zuzugehen, von ihnen zu lernen, ohne sich genötigt zu fühlen, sich gleich völlig zu ändern.
Mir gefällt der Ansatz des Buches sehr, vor allem auch, dass die Gefahren und Schwachstellen jedes Typs dargestellt werden und gezeigt wird, dass man einander braucht.
Ein gutes und wichtiges Buch, das vielleicht noch mehr auf die Auswirkungen in Gemeinschaft hätte eingehen sollen.
Sein Ansatz ist, verschiedene Stile zu beschreiben, wie man Gott begegnet.
Die neun Stile im Einzelnen:
Der Natur Typ liebt das Draußensein, er begegnet Gott bei einem Spaziergang oder in einer schönen Blume. Man könnte auch sagen, dass diese Typen für diese schrecklichen Naturbild-Psalm-Poster verantwortlich sind, aber das ist eine andere Geschichte.
Der sinnliche Typ begegnet Gott durch Schönheit. Er braucht Sinneseindrücke. Zum Beispiel eine Symphonie, ein Gemälde, der Geruch von Weihrauch, der Geschmack des Weines beim Abendmahl.
Der asketische Typ kann dagegen so etwas überhaupt nicht gebrauchen. Er möchte nicht wahrnehmen, sondern seine Wahrnehmung so weit wie möglich herunterfahren, die Augen schließen und in der Schlichtheit Gott begegnen. Er liebt es, Opfer zu bringen und alleine zu sein.
Der traditionalistische Typ liebt einen festen Rahmen. Er liebt Symbole und Rituale um in die Anbetung einzusteigen.
Der aktivistische Typ liebt Gott durch politisches Engagement und Konfrontation von anderen Menschen.
Der fürsorgliche Typ begegnet Gott in anderen Menschen. Er liebt es, sich um andere zu kümmern, ihnen zu dienen und ihnen zu helfen.
Der enthusiastische (ich würde sagen: charismatische Typ) liebt das Überraschtwerden von Gott, er braucht Ungewissheit, Wunder und das Unerklärliche. Er feiert Gott und kommt gerne aus sich heraus.
Der kontemplative Typ versteht die Beziehung mit Gott vor allem als eine Liebesbeziehung. Er verspürt tiefen Frieden, indem er Gott einfach betrachtet und sich seiner Nähe aussetzt.
Der intellektuelle Typ will Gott verstehen. Er ist elektrisiert wenn er neue Wahrheiten in der Bibel entdeckt. Er mag es, sich mit anderen Meinungen auseinander zu setzen.
Nach der kurzen Einleitung wird jeder dieser Typen erklärt. Zuerst wird ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung gebracht, dann Beispiele aus der Bibel, dann wird dargestellt, welche Stärken und Schwächen der Typ hat. Am Ende jedes Kapitels gibt es einen Test, der einem helfen soll, dass dominierende geistliche Temperament herauszufinden.
Über die Einteilung der Temperamente kann man streiten. Zum Beispiel scheint mir der naturverbundene Typ große Überschneidungen mit dem sinnlichen Typ zu haben. Andererseits muss ein Mensch, der gerne Musik hört, noch lange nicht Weihrauch gut finden und andersherum.
Man hätte die Temperamente auch besser ordnen können. Zum Beispiel in dem man in verschiedene Kategorien einteilt. Die Wahrnehmung scheint mir ein wichtiger Faktor zu sein: geht es eher darum, seine Wahrnehmung herunterzufahren (asketischer Typ) oder gerade darum, wachsam zu werden (sinnlicher Typ). Ein anderer möglicher Gegensatz wäre Bewusstsein und Ausdruck. Geht es eher darum, dass einem Dinge tief bewusst werden (kontemplativer und intellektueller Typ) oder darum, seine Liebe zu Gott auszudrücken, ohne große intellektuelle Tiefe (enthusiastische Typ).
Mich hätte auch interessiert, wie das geistliche Temperament mit dem natürlichen Temperament zusammen hängt. Es wird zwar behauptet, dass keinerlei Verbindung zwischen beidem besteht, doch kann ich das so nicht glauben. Es ist natürlich komplexer als einfach zu sagen: Ordnungsliebende Menschen sind immer Traditionalisten, aber völlig falsch wird diese Behauptung auch nicht sein.
Außerdem hätte ich mir noch gewünscht, dass mehr auf die einzelnen Traditionen eingegangen wird. Welche Typen sind in welchen Gemeinden vertreten? Zu welcher Zeit sind gewisse Typen zuerst aufgetreten? Aber auch: Welche Typen kommen am ehesten miteinander in Konflikt?
Ein letzter Kritikpunkt (ich bringe die Kritik zuerst, damit ich mit den positiven Punkten aufhören kann) ist, dass hier nur eine individuelle Spiritualität beschrieben wird. Es wird nicht viel darüber gesagt, wie man diese verschiedenen Stile in Gemeinschaft leben kann und sehr wichtig: wie diese Stile nebeneinander in einer Gemeinde funktionieren können.
Nichtsdestoweniger ist das Buch ein äußerst wichtiges Buch. Es führt die Christen aus der Monotonie in die Vielfalt. Es wird in Zukunft immer wichtiger sein, anzuerkennen, dass es verschiedene Stile gibt. Wahrscheinlich ist es nicht unbedingt so, dass man einen dominanten Typ hat. Das (geistliche) Leben ist oft komplexer; es gibt verschiedene Phasen und Umbrüche, wo sich Dinge verschieben und Dinge, die sich eigentlich widersprechen, laufen bei einigen Menschen perfekt nebeneinander.
Doch das Buch kann dabei helfen, aus Glaubenskrisen herauszukommen. Gary L. Thomas schreibt im Vorwort, das vielleicht der Weg aus manchen Krisen sein kann, seinen „geistlichen Speiseplan“ umzustellen. Das Buch fordert heraus, mit Interesse anderen Stilen zu begegnen und selbst, wenn man relativ zufrieden mit seinem geistlichen Leben ist, neue Dinge auszuprobieren.
Sehr wichtig ist auch, dass das Buch eine biblische Toleranz („Ertragt einander in Liebe“) fördert. Man mag sich mit diesem Buch im Hinterkopf, gar nicht ausmalen, wie viele theologische Streitigkeiten, Gemeindespaltungen und Abgrenzungen in Wirklichkeit darauf zurückzuführen sind, dass Leute mit unterschiedlichem geistlichen Stilen aneinander geraten sind.
Es trägt dazu bei, dass man auch die Fähigkeit kriegt, auf Menschen aus anderen Traditionen zuzugehen, von ihnen zu lernen, ohne sich genötigt zu fühlen, sich gleich völlig zu ändern.
Mir gefällt der Ansatz des Buches sehr, vor allem auch, dass die Gefahren und Schwachstellen jedes Typs dargestellt werden und gezeigt wird, dass man einander braucht.
Ein gutes und wichtiges Buch, das vielleicht noch mehr auf die Auswirkungen in Gemeinschaft hätte eingehen sollen.
von Arne Bachmann
Bisher hat es niemand gewagt