Welker zu Obama
Wednesday November 05th 2008, 15:55
Filed under:
Politik
Prof. Dr. Welker ist einer meiner Lieblingsdozenten; ein grand seigneur der Systematischen Theologie, Philosophisch fit und kompetent selbst abstrakte Theoriesprachen anschaulich zu erklären. Zur Zeit höre ich ihn über die Deutsche Philosophie und Theologie des 19. Jahrhunderts. Heute morgen konnte er sich doch eine Bemerkung nicht verkneifen: “Ich sage sowas normalerweise nie öffentlich, aber ich glaube wirklich, dass wir Obama in die Fürbitte nehmen sollten. Die Demokratische Partei ist schwer zu regieren; nach dem ersten Enthusiasmus wird er schnell an Rückhalt verlieren. Und vor allem: er lebt im Land eines John F. Kennedy’s, Martin Luther Kings und exzessiven Schusswaffengebrauchs”. Selten, dass man sowas an Deutschen Unis hört…
In diesen Tagen…
Wednesday February 06th 2008, 12:54
Filed under:
Politik
…kann man gar nicht genug auf den usa-erklärt-blog hinweisen, der uns Kontinentalen verständlich erklärt, was dort drüben so abläuft.
Die Hartz-4 Schule
Viele meckern ob der Gebührenerhöhung der öffentlich-rechtlichen Sendanstalten, aber gerade diese Sender können sich die unwirtschaftlichsten und interessantesten Sendungen leisten. Gerade kommt auf Phönix “Die Hartz-4 Schule”.
Das zynische Lächeln des Realisten: der Direktor einer wattenscheider Sonder ähh Förderschule merkte irgendwann, dass in der Regel keiner seiner Schüler einen Ausbildungplatz kriegt. Also sagte er sich: bereiten wir die Jugendlichen auf ein Leben ohne Arbeit dafür aber mit Hartz-4 vor. Ist das zynisch? Vielleicht. Ist es realistisch? Sicher.
Da kommt der 1-Euro Jobber vorbei und erzählt den Jugendlichen, dass sie bei der Wohnungssuche nie sagen sollten, dass sie Hartz-4 Empfänger sind, da werden in Mathe Discount-Prospekte durchgeguckt um einen billigen Einkauf zu planen und lernen, wie man mit viel Freizeit und wenig Geld umgeht.
Lebensgeschichten, wo sich einen die Zehennägel umbiegen:
eine Achtklässlerin, bekam in den Sommerferien ein Kind, eine Schülerin kümmert sich um ihre Mutter, die Lungenkrebs im Endstadion hat und ein Mädchen wandert in den Jugendarrest.
Der Direktor wurde gefragt: “Ist es nicht brutal, den Kindern so die Hoffnung zu rauben?”.
Die Antwort: “Welche Hoffnung?”.
Das Gefühl alles zu haben
Kurz vor meinem Umzug ist ja mein PC durchgeraucht und ich muss mich jetzt hier in HD erstmal mit einem -nett gesagt- Klappterkasten begnügen. Gestern üb erlegte ich dann, ob ich mir den Aldi Laptop kaufe. Ich hab dann lang rumüberlegt, ob mir der reicht (weil: so Grafiksachen könnte man natürlich darauf vergessen) oder ob ich mir für den gleichen Preis ein Desktop PC hole, mit dem ich vielleicht sogar hin und wieder mal zocken könnte. Aber dann hab ich beschlossen, dass ich alles lasse. Ok, mit meiner 8 MB Grafikkarte kann ich Youtube Filme nur als Diashow angucken, aber irgendwie: ich hab meine Computerkarriere mit nem C64 begonnen; ich bin’s gewohnt zu warten. Irgendwie überkam mich das Gefühl, dass ich doch alles Wesentliche hier schon hab.
Irgendwie ungewohntes Gefühl: man wird in einem beständigen Zustand der Unzufriedenheit gehalten, zufriedene Menschen sind Konjunkturkiller. Wer besitzt, soll seinen Besitz nicht geniessen, sondern darüber nachdenken, was er noch besitzen könnt (sollte ich nicht schließlich viel lieber n Mac kaufen?). Übrigens: genau deshalb weigere ich mich, komerzielle Werbung als Kunst anzusehen, Werbung kann Lebensgefühl vermitteln aber viel zu oft ist es eins der Unzufriedenheit.
Es ist wie gesagt ungewohnt: man sitzt mit einem Kaffe, der nicht aus einer Senseo Maschiene kommt in einer Wohnung, wo nicht mal das Fenster richtig zugeht, vor einem PC bei dem man beobachten kann wie zwischen der Tastatureingabe und der Auzsführung auf dem Bildschirm eine Sekunde vergeht und ist irgendwie zufrieden mit allem.
Wenn alle das kennen würden, könnte Apple dicht machen.
“Machen sie Platz für die Neuzeit!”
Ich fragte mich, ob ihr die Ironie der Situation bewusst war. Eine Geschichtsdozentin mit französischen Akzent versuchte ihrer Stimme Gehör zu verschaffen während sich 200 bis 300 Leute vor der Aula der sogenannten Neuen Uni in Heidelberg drängten. Ich selbst bin um 5 aufgestanden; manche waren seit 6 Uhr schon dort. Es ging um die Vergabe von Proseminaren für Geschichte.
2 Stunden stand man also an; und es hätte nicht weiter verwundert, wenn gleich Hans Dietrich Genscher gekommen wäre und erklärt hätte, dass wir nun in die BRD ausreisen dürten. Die Dozentin erklärte gegen kurz vor neun den Ablauf: “zuerst die Studenten der neueren Geschichte, später die des Mittelalters” (die man sinnigerweise zum gleichen Termin “abfertigte”) “alle, die für Mittelalter anstehen, zurück! Machen sie Platz für die Neuzeit.” Da musste ich grinsen. Inmitten eines völlig anachronistischen Ellenbogen-dominierten Vergabeverfahrens das Wort “Neuzeit” zu gebrauchen ist schon mutig.
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DDR und Emanzipation
Aufgrtund von Tobys Post über Väter, die arbeiten, musste ich an ein Lied denken, das meine (6Jahre ältere) Schwester manchmal vor sich her summt, wenn sie ihre “Retro Slash Nostalgie Phasen” hat.
Es heißt, wenn “Mutti früh zur Arbeit geht” und ruft ältere Geschwister zur Eigenverantwortung aufgrund von zwei berufstätigen Elternteilen auf.
Ich muss daran denken, dass das Konzept “Hausfrau” mir aus meiner Umgebung in Thüringen eher fremd war. Sicher, es gab Mütter, die zu Hause blieben; allerdings nannte man das bei uns nicht “Hausfrau”, sondern “arbeitslos”- was man eher wie “ohr-wayz-loohs” aussprach. Man mag das ja mit “Hitlers Autobahnen” vergleichen, aber Emanzipation hatte die DDR. Naja, eine Staatschefin hatten sie nicht, aber dafür hatte die First Lady, Margot Honecker teilweise mal lila Haare und das ist doch auch schon was.
Naja jedenfalls: hier der Text und hier ne pasende Mp3.
Kommunität in Adelshofen
Ich komme gerade wieder von meiner alten FSJ Stelle, dem Lebenszentrum Adelshofen. Das ist eine christliche Kommunität bei Heilbronn. Ich war seit Mittwoch bis heute dort und hab es echt bereut, heute schon wieder gehen zu müssen. Ich glaube mir liegt prinzipiell so ein Leben in Gemeinschaft (auch wenn nicht gerade zölibatär). Es waren einfach sehr geile Tage; (Manni berichtete)- vormittags in Ruhe im Garten Griechisch gelernt, später dann: Pokern, Futurama gucken, was trinken gehen oder Scheisse bauen. Und man ist ständig umgeben von Leuten; ständig nette Gespräche und am Ende ist es mehr als die Summe der Begegnungen (man gewöhnt sich wenn man dort lebt recht schnell an das hohe Niveau der Gemeinschaft, aber wenn man ein halbes Jahr weg ist kann man das wieder anders wertschätzen). Und dann heute wieder zurück ins Privatleben. Und Privatleben ist ein komisches post-Industrielle-Revolution Produkt, von dem man heute merkt, dass es wenig taugt.
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Arbeit- “Vollbeschäftigung?”
Ich möchte kurz meine Reihe unterbrechen, die narrativ-theologisch das Thema Arbeit beleuchtet und einen anderen Vorschlag in die Diskussion einwerfen.
Aber vorher noch etwas anderes: ich glaube, wir sind nach dem 20. Jahrhundert und was da alles passiert ziemlich abgestumpft für Utopien. Man findet sich mit den Verhältnissen ab, arrangiert sich, und will nichts davon wissen, dass Dinge auch besser werden könnten. Das ist nur verständlich; aber man sollte Utopien nicht als ideologische, gewalthervorbringende Verblendungen sehen, sondern als Anstoß zum Paradigmenwechsel. Als kreativer Ausbruch aus bisherigen Denkmustern. Es gillt nicht, sie umzusetzen, sondern mit ihrer Hilfe umzudenken.
Also gut. Da gibt es eine Utopie über Arbeit von der Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung. Sie wurde neulich bei Maischberger- war es glaube- diskutiert; aber ich hatte von ihr auch schon in der Schule gehört.
Und das geht so:
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Paul Tillich und die Studiengebühren
Heute war nun endgültig die Studiengebühr fällig. Es ist wohl abzusehen, dass die Projekte, die die Studiengebühr boykottieren wollten, fehlgeschlagen sind. Ich selber habe mir ernsthaft überlegt mitzumachen. Der Plan war Folgender: wenn ungefähr ein Drittel der Studenten die Gebühren nicht zahlen, kann es sich die Hochschule nicht leisten, diese zu exmatrikulieren. Die Gebühren wurden deshalb von den Teilnehmern auf ein Treuhandkonto überwiesen und wenn nicht alle zusammenkommen, wird das Geld doch noch überwiesen.
Es ist klar, dass ich mit meinem Hintergrund- mein Vater ist Schlosser, dessen Gehalt seit Oktober ausgeblieben ist- nur gegen Studiengebühren sein kann, genauso wie all die Arztsöhne und Mittelklasseleute da draußen nur iritiert mit der Schulter zucken und sich fragen, was der ganze Aufstand soll, in Amerika zahlt man ja schließlich soundsoviel Millionen blabla.
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Arbeit II stories
Wir haben gesehen, dass in unserer Gesellschaft verschiedene Geschichte erzählt werden über Arbeit und, dass diese nicht unproblematisch sind.
Da gibt es zum einen die Geschichte über Arbeit als Selbstverleugnung, als Arbeit als freudloser, steiniger Weg zum Glück, dass dem geduldigen, demütigen, Pflichtmenschen zuteil werden wird. (“you gotta do, what you gotta do”)
Dann die Geschichte von Arbeit als Hinderung zum Glück. Arbeit als Konvention, die Selbstenfaltung verhindert und dass man deshalb aus ihr ausbrechen muss.
Es gibt Geschichten, die Arbeit und Leben fast dualistisch trennen (-> “work-life balance”) und welche, die das gesamte Leben in die Arbeitswelt verlagern.
Es ist interessant, wie die Bibel eine umfassende Geschichte erzählt, in der wir uns befinden. Diese Geschichte ist das große “Ja, aber” zu den anderen Geschichten. Sie ermöglicht die Kommunikation mit anderen Ansätzen, aber sie kritisiert diese auch.
Ich denke, dass man verschiedene Fragen, wie zum Beispiel die Frage: “Was bedeutet Arbeit? Welchen Platz sollte sie haben?” an diese Geschichte herantragen kann. Nicht etwa, weil die Lebenswelt der Antike, in der diese Geschichte zuerst erzählt wurde (und auch dort immer wieder in verschiedene Situationen übersetzt wurde) so ähnlich ist wie die des 21. Jahrhunderts sondern, weil diese Geschichte die großen Fragen beantworten möchte wie “In was für einer Welt leben wir?” “Wer sind wir?” “Warum erleben wir Leid?”. In diesen Fragen sind ansatzweise die kleinen Fragen schon integriert. Für Theologen: ich versuche also nicht eindimensional heranzugehen und zu fragen: was sagt die Bibel über Arbeit und dann unverbunden einige Bibelstellen rauszusuchen, sondern ich versuch mich am roten Faden der Geschichte zu orientieren und diesen als Schablone auf einzelne Fragen zu legen. Das ist aufwendig aber wird der Bibel gerechter als ein rauspicken von wahllosen Bibelstellen.