Wann ist der Song ein Song? Die Pathosfalle
Monday November 12th 2007, 01:31
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind

Es ist wichtig zu wissen, dass wir popkulturell nicht mehr in den 60ern bzw. den 80ern sind, sondern das wir durch das Säurebad des Zynismusses durchgegangen sind und jetzt uns nur sehr vorsichtig an Betroffenheit und Hoffnung herantasten können.

Sätze wie “We are a world” und “All you need is love” gehen einfach nicht mehr. Die Leute sind abgeklärt geworden und verspüren das Bedürfnis alles ironisch zu brechen. Plumper Pathos ist ein Produkt von Hollywood: Filme werden andauernd orchestral unterlegt um ja auch die richtigen Emotionen wachzurütteln. Man fühlt sich dabei oft emotional vergewaltigt und stellt sich die Frage, ob hier nicht ein Mangel an Plot und Bedeutsamkeit durch Bombast und Manipulation wettgemacht werden soll.

Plumper Pathos ist uneuropäisch und peinlich.
YouTube Preview Image

Das ist übrigens auch mein Issue mit sowohl der Contemporary Worship Szene als auch mit Brian McLaren.

(more…)



Wann ist der Song ein Song? Unschärfe und Bildhaftigkeit
Tuesday November 06th 2007, 02:17
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind, das Leben und so

Bei Liedern ist es wie mit Essen; es gibt Fast Food, das einem so vorgesetzt wird; Tiefkühlkost, die man aufwärmen muss, um sie zu genießen und eine
vollwertige Mahlzeit, an der man ein bisschen zu kauen hat.

Ok, was habe ich eben gemacht? Ich habe das wichtigste Prinzip guter Songs versucht zu demonstrieren: Bildhaftigkeit. Niemand will hören: “Mir geht es schlecht” oder “Ich liebe dich” oder “Das Leben ist toll”. Brian McLaren bringt öfters das Beispiel einer berühmten Tänzerin, die von einem unbedarften Zuschauer gefragt wurde: “What does your dance mean?” Und sie antwortet:

“If I could have said it, I wouldn’t have to dance it”.

Wenn die Botschaft eines Liedes so einfach ist- wenn es EINE Botschaft gibt- dann ist doch die Frage, ob man überhaupt ein Lied braucht.

Es gehört ja zu den schwersten Dingen, heute noch ein unpeinliches Liebeslied zu schreiben.
Das ist Kettcar mit zwei Liedern gelungen: Balu und Nacht. Balu versucht diese romantisch-überhöhten Vorstellungen von Beziehungen ein bisschen ironisch zu brechen und zu verdeutlichen: Liebe hat nichts mit völliger Harmonie zu tun. Und da fällt dann dieser super Satz:

“Manche sagen es wär einfach, ich sage es ist heikel.
Denn du bist New York City und ich bin Wanne-Eickel”.

Der Klischeesatz wäre:
“Wir sind doch so verschieden und ich kann nicht glauben, dass ich dich abgekriegt habe”.
Aber stattdessen wird ein Bild genommen; wird der Blick nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet auf der Suche nach etwas, dass das Innere ausdrückt. In dem Fall: der ziemlich lustig anmutende Vergleich von zwei Städten. Ein Bild ist also immer das Zusammenbringen von zwei an Bereichen, die an sich nichts miteinander zu tun haben. Es ist wie eine Kollage: Dinge aus der Lebenswelt werden aus ihrem Zusammenhang herausgerissen und in einen neuen Kontext gebracht. In diesem Fall: Städte, mit all dem, was man mit ihnen verbindet auf der einen und die Unterschiedlichkeit zweier Menschen auf der anderen Seite. Ein Bild bringt eine gewisse Unschärfe in ein Lied. Wie bei einem Foto, wo es auch nicht nur wichtig ist auf was man zoomt- was man groß macht oder verkleinert-, sondern auch wie man mit Schärfe und Unschärfe umgeht.

(more…)



Wann ist der Song ein Song? Der Songwriter
Tuesday November 06th 2007, 01:00
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind, das Leben und so

Marlin hat die Frage aufgeworfen, was eigentlich einen Song zu einen guten Song macht. Da ich schon ein paar Songs sehr intensiv gehört habe und mit einzelnen Liedern sehr viel verbinde, will ich ein bisschen darüber bloggen.

Ich muss sagen, gute Songs sind überlebenswichtig. Nichts geht über den Kick, wenn man feststellt, dass das eigene Lebensgefühl auch anderen bekannt ist. Es schafft Identifikation. Es verstärkt das was da ist und manchmal tritt sogar durch ein Song etwas neues in dein Leben. Ohne Witz: gute Lieder sind immer noch ein wichtiger Bestandteil meines geistlichen Lebens. Ich muss dazu sagen: im Wesentlichen Lieder, die nicht von Christen geschrieben sind.

(more…)



[Lieder] This beautiful mess – up the barricades
Sunday August 26th 2007, 22:26
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind

Ich bin ja immer auf der Suche nach “Lobpreismusik”, die man so meinen kann; die man ohne Strinrunzeln mitsingen kann. Die Band “This beautiful mess”; das ruhigere Sideprojekt der skandinavischen Hardcoreband “The spirit that guides us” kommt dem so nahe wie bisher keine Band. Allein der Name drückt ja diese Verbindung von “geerdeter Spiritualität” aus: die Schönheit, die inmitten des Chaos durchblitzt. Es gibt da einige Lieder von ihnen, die sehr geil sind. Ich hab jetzt einfach mal eins genommen, wo man leicht ein Youtube Video zu findet; es ist ein Gebet:
“Give me the urgency to be right here and right now taking full responsibility. Put me in my place! Show me my mistakes for the sake of grace! Give me relevancy let me feed the hungry, I want to be necessary. Say it to my face, chrush my wayside shrines light my way today! I’ll be up the barricades. My life is at stake here; I would rather burn down than fade away. Give me your ideals and truth over theory, I need a conviction. Give it to me straight throw me to my face and let me pray your ears off! Put me to the line of fire. I don’t want to waste my time. I want to make my life worthwhile.”

YouTube Preview Image

Songs: Kante-Zombi oder: der neue Mensch
Wednesday July 11th 2007, 21:48
Filed under: Emerging Church, Lieder, die mir wichtig sind, das Leben und so

Ich will eine neue Kategorie auf den Blog einführen, nämlich Songbetrachtungen (vielleicht allgemeiner: Kunstbetrachtungen). Diese Kategorie wird sehr regelmässig erscheinen aber in einem Rhytmus, der mathematisch so kompliziert ist, dass ihr ihn nicht verstehen werdet und es so aussehen könnte, als würde ich nur posten, wenn ich Bock hätte. Deshalb hier das erste Lied von der Hamburger Band Kante, dass ich schon lange mit mir rumtrage und dass mit viel bedeutet. Außerdem passt es hervorrangend zu Stanley Grenz. Und das geht so:

YouTube Preview Image

Zombi

Wir sehen die Welt mit anderen Augen
seitdem wir draußen sind
sehen wir Dinge ohne Namen
mit schleierhaftem Sinn
wir sind Leute in den Strassen
wir sehen unmöglich aus
unsere Art sich zu bewegen
gleicht einem Fallen oder Schweben
so als wäre uns der Boden
unter den Füssen weggezogen

(more…)



“die Front, die sich Leben nennt”
Friday September 08th 2006, 19:19
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind, das Leben und so

Naja wenn wir eh grad bei Songzitaten sind. “Was man verdient ist nicht was man bekommt, willkommen an der Front!” Sang ebenfalls Jürgen Vogel mit der Hansen Band. Schon vor einiger Zeit traf mich dieses Ziitat sehr. Manchmal rutscht man so in Selbstmitleid ab. Und dann kommen so wirre Gedanken wie: “Seit Jahren habe ich ständig investiert. Hab versucht von mir wegzugucken und anderen zu helfen. Kann ich dann nicht einmal kriegen, was ich will?”

Und da kommt so ein Zitat und sagt: “Willkommen, im Leben! So ist das nunmal und du kannst froh sein, wenn es nicht gerade so weiter geht.” Stimmt, ich habe kein Anrecht auf ein Leben, wie ich es mir vorgestellt habe und mich wird es nicht mehr oder weniger treffen als alle andern Leute da draußen. Und Selbstmitleid ist ja in echt ein neidisches gucken auf all die andern da draußen, den es vermeintlich viel besser geht. Ist natürlich Quatsch.
Vorn paar Tagen kam die letzte Absage: Heidelberg wird wohl auch nichts. Das Bittere: ich war Listenplatz 206 und sie nehmen bis zum Listenplatz 203.  Naja weiß nicht, wie die Chancen stehen, dass 3 Leute in Heidelberg abspringen. Deshalb übe ich mich in defensiven Pessimismus und geh mal davon aus, dass es alles nichts wird und ich die Zeit bis zum Somemrsemester hier in Ettlingen verbringen …muss. Ich hatte mich auf ein neues Leben eingestellt; neue Umgebung, neue Leute, neue Herausforderungen und jetzt wieder mal das retardierende Moment. Und ich bin schon 21… Naja.

Weitermachen, Zuversicht spielen und ein Schritt nachm andern machen.