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	<title>Failing Forward &#187; Gottkram</title>
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	<description>Der Blog von Arne</description>
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		<title>Nichts-sagender Glaube</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 12:54:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Emerging Church]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wird Zeit, den Blog wiederzubeleben. Eigentlich hatte ich schon lange vor wieder zu bloggen; aber ich wollte vorher den Blog neu designen. Da das aber jetzt aber so schnell nichts zu werden scheint; fange ich einfach dennoch wieder an mich internet-technisch zu Wort zu zu melden.
Und ich beginne;-wie sollte es anders sein- mit einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wird Zeit, den Blog wiederzubeleben. Eigentlich hatte ich schon lange vor wieder zu bloggen; aber ich wollte vorher den Blog neu designen. Da das aber jetzt aber so schnell nichts zu werden scheint; fange ich einfach dennoch wieder an mich internet-technisch zu Wort zu zu melden.</p>
<p>Und ich beginne;-wie sollte es anders sein- mit einer kurzen Serie. Es geht um ein Thema, welches sp&#228;testens mit Pete Rollins &#8211; How (not) to speak of God aktuell geworden ist, n&#228;mlich ein gewisser mystischer Zugang zu Gott als dem, der alle Begriffe &#252;bersteigt, alsdem ganz Anderen &#252;ber den wir nicht so recht sprechen k&#246;nnen. Kurz den Gedanker der apophatischen Theologie und Spiritualit&#228;t.</p>
<p>Ich will zeigen, warum ein gewissen Ma&#223; an apophatischer Theologie, an Nichts-sagenden glauben, gut und wichtig ist und warum man dennoch dar&#252;ber hinauswachsen muss. Ressourcen f&#252;r dieses Hinauswachsen findet man unter anderem in der &#246;stlich-orthodoxen Theologie und Spiritualit&#228;t, welche seit Jahrhunderten Apophatische Theologie mit Dogmatischer Theologie (man wird sehen, was genau das hei&#223;t) zusammen denkt, lebt und erf&#228;hrt.</p>
<p>Also auf geht&#8217;s.<br />
<iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=failiforwa-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;md=1M6ABJKN5YT3337HVA02&#038;asins=0281057982" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0"></iframe></p>
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		<title>[Atheism for lent - Marx 2]</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Mar 2009 17:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Weiter geht mit meine Auseinandersetzung mit den &#8220;masters of suspicion&#8221;. Im letzten Post zeigte ich auf, wie allergisch Marx auf das Staatschristentum reagierte. &#8220;Der Gott der Christen ist ihre Nation&#8221; (was in der hegelianischen Atmosph&#228;re seiner Zeit durchaus ein denkbarer Gedanke war). Er kritsierte die Verbindung zwischen Protestantismus und repressiv-autori&#228;ten preu&#223;ischem Staat. Und hier w&#252;rde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weiter geht mit meine Auseinandersetzung mit den &#8220;masters of suspicion&#8221;. Im letzten Post zeigte ich auf, wie allergisch Marx auf das Staatschristentum reagierte. &#8220;Der Gott der Christen ist ihre Nation&#8221; (was in der hegelianischen Atmosph&#228;re seiner Zeit durchaus ein denkbarer Gedanke war). Er kritsierte die Verbindung zwischen Protestantismus und repressiv-autori&#228;ten preu&#223;ischem Staat. Und hier w&#252;rde jetzt der normale Freikirchler mit einer Formel kommen, die ihm eingepr&#252;gelt wurde: &#8220;Ja genau DAS ist die Realit&#228;tder Staatskirche. Da geht es um Macht und Einfluss und nicht um echten Glauben. Das ist &#8220;RELIGION&#8221; (ein Ha&#223;wort bei Freikirchlern), das sind starre Strukturen, das ist Pharis&#228;ertum. Wir geisterf&#252;llten Freikirchler w&#252;rden das nicht tun. Bei uns geht es um Jesus, um Spiritualit&#228;t, um Spontanit&#228;t, um Liebe und nicht um Macht. Wir &#252;ben Barmherzigkeit und sind f&#252;r die Leute da.&#8221;</p>
<p>Ok ein valider Punkt. Aber gucken wir uns ein historisches Beispiel an, das f&#252;r viele immer noch als DAS Beispiel f&#252;r genuines Geistwirken gilt: die Entstehung der Pfingstbewegung. Bei der Azusa-Street-Erweckung, die viele als ein authentisches Wirken des Heiligen Geistes und als Geburtsstunde der mitlerweile dynamischten Bewegung des Christentums ansehen, gab es dieses Moment, wo in dieser Ekstase und in dieser Unmittelbarkeit ein Ri&#223; in der sozialen Ordnung entstand. Denn zun&#228;chst war die gesetzlich geregelte Rassentrennung aufgehoben. Doch wie lange hielt das? Einige Wochen. Dann kam jemand auf die Idee: nein nein wir m&#252;ssen uns an die gesellschfatlichen Konventionen halten damit alles hier ordentlich abl&#228;uft.</p>
<p><span id="more-251"></span></p>
<p>Man sieht hier, dass offensichtlich im ekstatischen, unmittelbaren Erleben etwas ist, dass den Status Quo herausfordert. Dies war schon in Joel so,in dem das Geisteswirken so ebschrieben wird, dass es gesellschaftliche Schranken &#252;berwindet. Da ist offensichtlich etwas in der j&#252;disch-christlichen Tradition, das Ungerechtigkeit herausfordert, namentlich die Prohetische Tradition. Ein kritisches Potenzial, eine M&#246;glichkeit, sich innerlich zu distanzieren von der Gesellschaft ohne aus ihr hinauzugehen. Nur irgendwie scheint dieses Potenzial ausgehbelt zu werden. Wie?</p>
<p>Merold Westphal nennt 3 Strategien:</p>
<p>1. offenkundige Verm&#228;hlung: Kirche und Welt werden quasi zusammengedacht. Dies passierte in Deutschland zum Beispiel vor dem ersten Weltkrieg: die liberale Theologie f&#252;hrte zu einem Evangelium, welches nur die Kultur spiegelte ohne jegliches krtische Potenzial. Dies f&#252;hrte dazu, dass die gro&#223;en liberalen Theologen eine Erkl&#228;rung unterschrieben (&#8220;an das Deutsche Kulturvolk!&#8221;) welche den ersten Weltkrieg als Willen Gottes erkl&#228;rte. Bob Dillan sagt: &#8220;when God is on our side, we gonna start the next war!&#8221;. Das gleiche passierte auf dem konservativen Spektrum in der USA von den Puritanern, die mit ihrer Lehre von der manifest destiny die USA als neues Israel und die Ureinwohner als neue Kanaan&#228;er , die zu vertreiben sind, bezeichneten.<br />
2. Die zweite Strategie ist hei&#223;t: &#8220;vage Allgemeinheit&#8221;. &#8220;Gerechtigkeit find ich gut. Bin ich 110%ig daf&#252;r&#8221; wie Stromberg sagen w&#252;rde. Nur man bleibt in Modus des Konjunktivs (&#8220;man k&#246;nnte mal&#8221;). Dabei bleibt das gesellschaftliche Wirken oft hyper-abstrakt. Namentlich: man baut gro&#223;fl&#228;chige Institutionen (Diakonie), diese m&#252;ssen aber um zu funktionieren wiederrum die Logik des Marktes annehmen. Also wird das gef&#228;rhliche Wirken des Geistes gez&#228;hmt, indem man entweder redet ohne zu handeln oder in hochabstrakter Form handelt und so Gefahr l&#228;uft sich in der Realpolitik zu verirren.</p>
<p>3. dualistische Hermeneutik: Man liest die Bibel in einer Weise, dass die Unterscheidung zwischen Welt und Kirche, zwischen Gott und Welt etc. un&#252;berbr&#252;ckbar werden. So zieht man sich in seine apokalyptische Gemeinscahft zur&#252;ck und k&#252;mmert sich im Wesentlichen um die geistlichen Bed&#252;rfnisse der Anderen. Oder aber man wirkt karitativ und diakonisch ohne jedoch die Frage nach der Gerechtigkeit zu stellen (man will ja die Politik au&#223;en vor lassen). So bleibt das Evangelium zwar kraftvoll aber nicht nach au&#223;en; es tendiert dazu zum neuen Konsumgut zu werden.</p>
<p>Marx macht uns darauf aufmerksam, dass es kein unpolitisches Evangelium gibt. Wir beten den Gott an, der aus &#196;gypten herausf&#252;hrt und die Unterdr&#252;ckten befreit. Kann es sein, dass wenn wir nicht beginnen uns aktiv f&#252;r emanzipatorische Anliegen einzusetzen, dass wir nur zum Spiegel der Unterdr&#252;ckung werden? Wenn Religion nicht f&#252;r das Ausgegrenzte einsteht, wird es selbst zum Motor und zur Legitimierung der Ausgrenzung bzw. zu einer billigen Flucht der ausgegrenzten vor dieser Ausgrenzung; zum Opium f&#252;rs Volk.</p>
<p>Bob Marley hatte vielleicht recht: half the story has never been told.</p>
<p><a href="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/2009/03/09/atheism-for-lent-marx-2/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>Get up, stand up: stand up for your rights!<br />
Get up, stand up: stand up for your rights!<br />
Get up, stand up: stand up for your rights!<br />
Get up, stand up: dont give up the fight!</p>
<p>Preacherman, dont tell me,<br />
Heaven is under the earth.<br />
I know you dont know<br />
What life is really worth.<br />
Its not all that glitters is gold;<br />
alf the story has never been told:<br />
So now you see the light, eh!<br />
Stand up for your rights. come on!</p>
<p>Get up, stand up: stand up for your rights!<br />
Get up, stand up: dont give up the fight!<br />
Get up, stand up: stand up for your rights!<br />
Get up, stand up: dont give up the fight!</p>
<p>Most people think,<br />
Great God will come from the skies,<br />
Take away everything<br />
And make everybody feel high.<br />
But if you know what life is worth,<br />
You will look for yours on earth:<br />
And now you see the light,<br />
You stand up for your rights. jah!</p>
<p>Get up, stand up!  (jah, jah!)<br />
Stand up for your rights!  (oh-hoo!)<br />
Get up, stand up!  (get up, stand up!)<br />
Dont give up the fight!	 (life is your right!)<br />
Get up, stand up!  (so we cant give up the fight!)<br />
Stand up for your rights!  (lord, lord!)<br />
Get up, stand up!  (keep on struggling on!)<br />
Dont give up the fight!   (yeah!)</p>
<p>We sick an tired of-a your ism-skism game -<br />
Dyin n goin to heaven in-a jesus name, lord.<br />
We know when we understand:<br />
Almighty God is a living man.<br />
You can fool some people sometimes,<br />
But you cant fool all the people all the time.<br />
So now we see the light (what you gonna do? ),<br />
We gonna stand up for our rights! (yeah, yeah, yeah!)</p>
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		<title>[Atheism for lent - Marx]</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 14:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich m&#246;chte in der n&#228;chsten Zeit ein paar gro&#223;e Kritiker des Glaubens kurz betrachten um zu sehen, was sie uns zu sagen haben. Keiner dieser gro&#223;en &#8220;masters of suspicion&#8221; ist in irgendeiner Weise unproblematisch oder unumstritten: Nietzsche als eine sehr reaktion&#228;re Pers&#246;nlichkeit hat hochproblematische Ideen ge&#228;u&#223;ert und auch Schlagworte geliefert, die sp&#228;ter von den nazis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich m&#246;chte in der n&#228;chsten Zeit ein paar gro&#223;e Kritiker des Glaubens kurz betrachten um zu sehen, was sie uns zu sagen haben. Keiner dieser gro&#223;en &#8220;masters of suspicion&#8221; ist in irgendeiner Weise unproblematisch oder unumstritten: Nietzsche als eine sehr reaktion&#228;re Pers&#246;nlichkeit hat hochproblematische Ideen ge&#228;u&#223;ert und auch Schlagworte geliefert, die sp&#228;ter von den nazis zweckentfremdet wurden (&#220;bermensch, Wille zur Macht), Freud und mit ihm das Projekt der Psychoanalyse ist sp&#228;testens durch das aufkommen einer sich naturwissenschaftlich und empirisch gebenden Psychologie stark in Verruf gekommen und w&#228;re nicht die Wirtschaftskrise so w&#252;rden heut die meisten &#252;ber Marx nur l&#228;cheln.</p>
<p>Aber Marx hat uns einen kritischen Blick beigebracht f&#252;r die Ungerechtigkeiten, die eine Gesellschaft produziert, f&#252;r die Ambivalenz unserer Martkswirtschaft, f&#252;r die Verbindung zwischen Wissen und Macht und f&#252;r Mechanismen, sich nicht mit dieser Ungerechtigkeit besch&#228;ftigen zu m&#252;ssen. Ich muss etwas anmerken bevor ich weiter versuche in die Details der Denker zu gehen: ich habe Merold Westphals Buch vor ca. 4-5 Monaten gelesen und habe gerade keinen Zugriff auf das Buch. Also werde ich bei der Zusammenfassung der Denker ziemlich vage und ungenau bleiben m&#252;ssen.</p>
<p><span id="more-250"></span></p>
<p>Marx entstammt der philosophischen Tradition des deutschen Idealismus. Mit einer gro&#223;en Emphase wurde in Deutschland mit Blick auf die franz&#246;sische Revolution behauptet: &#8220;was dort mit Waffen geschieht, machen wir hier mit Worten&#8221;. Es ging um das freie, vern&#252;nftige Subjekt, um die Nation, um den Fortschritt der Geschichte, um die gro&#223;en Ideen. Und Marx war einer der ersten die die Aufmerksamkeit auf das lenkte, was von diesem ganzen Fortschritt &#252;bersehen wurde, was ausgegrenzt und ausgebeutet werden musste, um diesen Fortschritt zu erzielen: namentlich die gro&#223;e Masse der veramten st&#228;dtischen Arbeiterschaft. Nun ist die Frage, ob und wie vielleicht Religion etwas zu dieser massenhaften Verarmung zu sagen hat. Geht es im Christentum nicht um Gerechtigkeit und N&#228;chstenliebe? Was sagen die Christen?Kurz gesagt: die Christen sind im Wesentlichen auf Seiten des Status Quo. Durch Hegel hat die geistliche Elite gelernt, das neuentstandenen deutsche Kaiserreich als einen weiteren Schritt hin zum Reich Gottes zu sehen, in der Bibel wird davon geredet, dass die Ordnung von Gott eingerichtet ist (R&#246;m.13), also gilt es, die g&#246;ttlich-legitimierte Hierarchie anzuerkennen. Suppenk&#252;chen, ja; Ver&#228;nderungen an der sozialen Struktur nein! An diesem Punkt hat das deutsche Christentum die Mehrheit der Arbeiterschaft verloren und man k&#246;nnte vorsichtig die Frage stellen, ob die derzeitige Situation des Christentums in Deutschland nicht etwas damit zu tun hat, dass die christliche Nomenklatura (seit Luther) in Deutschland sich f&#252;r Ordnung und Ruhe und gegen Gerechtigkeit entschieden hat.</p>
<p>Marx kam dann auf die Idee: vielleicht ist es nicht so, wie wir immer geglaubt haben, dass die Ideen n&#228;mlich die Wirklichkeit formen; vielleicht sind unsere Philosophien, unsere Gesetze, unsere Kunst und eben auch unsere Religion immer nur ein Abbild der herrschenden Mi&#223;st&#228;nde.</p>
<p>Marx f&#252;hrte sp&#228;ter von Paris aus eine Auseinandersetzung mit den preu&#223;ischen Staatszeitungen. In einer bezog ein theologisch gebildeter Staatsbediensteter Stellung gegen jegliche erzwungenen Reformen. Soziale Ver&#228;nderungen m&#252;ssten sich nat&#252;rlich entwickeln und auch die soziale Dimension des Christentums br&#228;uchte Zeit um sich zu entwickeln. Marx antwortete mit einer bei&#223;enden Kritik:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die sogenannten sozialen Prinzipien des Christentums hatten jetzt 1800 Jahre um sich zu entfalten und brauchen keine weitere Entfaltung durch preu&#223;ische Konsistoraldirektoren. Die sozialen Prinzipien des Christentums rechtertigten die Sklaverei der Antike, glorifizierten die Leibeigenschaft im Mittelalter und verstehen sich genauso gut darauf, wenn notwendig, die Unterdr&#252;ckung des Proletariats zu rechtfertigen, auch wenn sie ein mitleidiges Gesicht dar&#252;ber machen. Die sozialen Prinzipien des Christentums predigen die Notwendigkeit einer herrschenden und einer unterdr&#252;ckten Klasse, mit nicht viel mehr als einem frommen Wunsch, dass die erstere barmherzig sei.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ist nicht Marx&#8217; Punkt gut getroffen? Hat sich das Christentum nicht immer mit dem jeweils herrschenden Unrecht arrangiert? Ist nicht die Kirchengeschichte ein zu gro&#223;es Argument gegen das Christentum? Was gibt uns den Mut, die Bibel, in der heilige Kriege, die Unterdr&#252;ckung der Frau und die Sklaverei aktiv oder passiv rechtfertigt, als eine moralische Authorit&#228;t zu akzeptieren? Was l&#228;sst uns glauben, dass wir eine priveligierte Generation von Gl&#228;ubigen sind, die nicht in 1900 Jahre alte Muster zur&#252;ckfallen, die nicht zur Ungerechtigkeit schweigen, die nicht kompatibel mit jeglichen Ideologien sind, &#252;ber die man nicht einst schreiben wird: &#8220;sie sind wieder nur Agenten des Ignoranz, des Unrechts, des Status Quo  gewesen?&#8221;.</p>
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		<title>Glauben als &#8216;double vision&#8217;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2009 12:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[*oh wie bitter. Ich hab den halben Text fertig getippt, als der dann durch ein time-out verloren ging. Wei&#223; irgendjemand ein Browser plugin, welches eingegebene Texte f&#252;r den Fall eines Absturzes zwischenspeichert?*
Ich habe mich lange gefragt, wie das Verh&#228;ltnis vom Glaube zu dem, was man &#8220;Realit&#228;t, echtes Leben, die Welt da drau&#223;en&#8221; nennt, ist. Meine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>*oh wie bitter. Ich hab den halben Text fertig getippt, als der dann durch ein time-out verloren ging. Wei&#223; irgendjemand ein Browser plugin, welches eingegebene Texte f&#252;r den Fall eines Absturzes zwischenspeichert?*</p>
<p>Ich habe mich lange gefragt, wie das Verh&#228;ltnis vom Glaube zu dem, was man &#8220;Realit&#228;t, echtes Leben, die Welt da drau&#223;en&#8221; nennt, ist. Meine Geschichte f&#228;ngt an mit dem Kontakt zur sogenannten Glaubensbewegung, die im evangelikal-charismatischen Umfeld ihre Lehren verbreitet. Diese zitiert gerne Hebr&#228;er 11:1: &#8220;Es ist aber im Glauben eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichttzweifeln an dem, was man nicht sieht&#8221;. Nun wird der Glaube der empirischen Realit&#228;t entgegengesetzt. Der Glaube bezieht sich auf Tatsachen, die die nicht-sichtbare Welt &#252;bersteigen. In einem Move, der Kierkegaard &#8220;Sprung&#8221; nicht unn&#228;hnlich ist, soll man sich entscheiden nicht seiner Erfahrung und nicht seiner rationalen Beobachtung der Welt zu vertrauen, sondern der Bibel und ihren Tatsachen. So bin ich &#8220;in Christus&#8221; bereits ein neuer Mensch auch wenn ich wenig davon sp&#252;re. Das Resultat dieses Sprungs ist oft ein schwindeleregendes Hinauswachsen &#252;ber sich selbst. Eine (Selbst-)transzendenz. Dieses theologisch-existentielle Konstrukt wurde sp&#228;ter mit anderen Inhalten verbunden. So zum Beispiel mit der charismatischen Sehnsucht nach Wundern und Erweckung und mit den amerikanischen Werten von Erfolg und Wohlergehen. So wurde das alles ein bisschen &#8220;weird&#8221;. Ganz schnell verliert man so auch die Bodenhaftung, wertet die empirische Realit&#228;t ab, flieht vor dem harten Alltagsgesch&#228;ft, das wir Leben nennen, in andere Sph&#228;ren. Man droht sich v&#246;llig im ekstatischen Drogengl&#252;ck der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gnosis">Gnosis</a> zu verlieren.</p>
<p><span id="more-244"></span> Doch bevor dies passieren konnte, f&#252;hrte mich Gott auf einen anderen Weg. Er forderte mich herraus, mehr in Kontakt zu kommen, mit der Realit&#228;t. Ich lernte, Gott in der allt&#228;glichen Welt zu entdecken, lernte &#8211; nicht zuletzt durch die Besch&#228;ftigung mit der Emerging Conversation &#8211; dass Zweifel ein Teil des Glaubens sind und diesem nicht entgegenstehen. Ich lernte, offen zu sein, f&#252;r andere Deutungen der Welt, der Bibel und des Lebens. Eine neue Vokabel bereicherte meinen Wortschatz: Inkarnation. Ich lernte, mitten unter den Menschen zu leben, ihre Lebenserfahrung zu teilen, ihnen zuzuh&#246;ren, von meinen Erfahrungen zu reden. Ich lernte die Komplexe, Ambivalente und oft auch Absurde Seite des Lebens kennen und lernte, diese nicht zu verdr&#228;ngen. Nur drohte dieses Leben ein bisschen kraftlos, ein bisschen inhaltsleer zu werden, da ich meine Erfahrungen nicht mehr mit den Vokabeln des Glaubens in Verbindung bringen konnte. Der Glaube drohte zu versumpfen in dem &#8220;real existierenden Leben&#8221;. Die Erfahrung des Hinauswachsens, der (Selbst-)Transzendenz fehlte.</p>
<p>Wie kann man nun einen Glauben leben, der weder versumpft im Alltagsgesch&#228;ft noch abhebt und <img height="206" width="151" align="right" alt="doublevision.jpg" id="image245" title="doublevision.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2009/02/doublevision.jpg" />vor der Realit&#228;t fl&#252;chtet?</p>
<p>Vielleicht ist die Metapher der &#8220;double vision&#8221; ein Anfang. Es ist f&#252;r mich klar, dass Glaube etwas mit einer ver&#228;nderten Wahrnehmung zu tun hat. Vielleicht ist ja Glaube eine verdoppelte Sicht der Welt. Die allt&#228;gliche Erfahrung ist der Stoff, aus dem der Glaube erw&#228;chst. Doch -um mal kurz philosophisch zu werden &#8211; das ist doch die Wahrheit des Konstruktivismus: Realit&#228;t wird durch Sprache konstruiert. Die Vokabeln, die du wie ein Raster &#252;ber die Welt legst, entscheiden dar&#252;ber, wie du die Welt erf&#228;hrst. Vielleicht ist und bleibt es der Job des Glaubens, die Vokbabeln Gottes zu lernen?</p>
<p>Ich w&#252;rde sagen: es gibt diese zwei Bereiche. Einmal das, was wir vielleicht Lebenserfahrung nennen und dann das, was wir in der Bibel finden und zun&#228;chst nichts mit unserer unmittelbahren Erfahrung zu tun zu haben scheint doch was uns den Blick &#246;ffnen kann f&#252;r eine neue Art von Erfahrung.</p>
<p>Ich denke, ich muss lernen, mit zwei sich &#252;berlgernden Blicken die Welt zu sehen. Die Augen des Glaubens, die &#8220;sehen, was noch nicht ist, als w&#228;re es schon&#8221; und die Augen der Erfahrung, die sich trauen, die Welt zu sehen, wie sie ist.</p>
<p>Ich denke, dieses Mittel, dass die Glaubensbewegung mit dem d&#228;nischen Philosophen Kierkegaard gemein zu haben scheint, n&#228;mlich der Sprung &#252;ber das Empirische hinaus, bleibt irgendwie aktuell. Wir m&#252;ssen Entscheidungen treffen, Vertrauen fassen und unsere Sicht der Realit&#228;t durch die Texte des Glaubens herrausfordern lassen. Und andererseits d&#252;rfen wir nicht abdriften. Aus Glaube darf nicht Autosuggestion werden. Das Allt&#228;gliche, das Absurde des Lebens bleibt, Fragen bleiben, Fragilit&#228;t bleibt. Doch nur in dieser Spannung, nur im Brennpunkt dieser beiden Linsen, kann das Reich Gottes in uns und in der Welt entstehen.</p>
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		<item>
		<title>Theodizee und die umsp&#252;lte Sch&#246;pfung</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 01:22:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sch&#246;pfung ist eine Hallig: eine kleine flache Insel mitten in einem st&#252;rmischen Meer des Chaos. Sie ist st&#228;ndig bedroht, umflutet. St&#228;ndig z&#228;hren die Wellen an ihr und rauben ihr Landmasse (2. Hauptsatz der Thermodynamik; der Rockstar unter den Haupts&#228;tzen der Thermodynamik) und manchmal bricht ein Sturmflut &#252;ber sie herrein; v&#246;llig zuf&#228;llig, von keinem Willen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img height="221" width="295" align="left" title="land-unter.jpg" id="image243" alt="land-unter.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2009/02/land-unter.jpg" />Die Sch&#246;pfung ist eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hallig">Hallig</a>: eine kleine flache Insel mitten in einem st&#252;rmischen Meer des Chaos. Sie ist st&#228;ndig bedroht, umflutet. St&#228;ndig z&#228;hren die Wellen an ihr und rauben ihr Landmasse (2. Hauptsatz der Thermodynamik; der Rockstar unter den Haupts&#228;tzen der Thermodynamik) und manchmal bricht ein Sturmflut &#252;ber sie herrein; v&#246;llig zuf&#228;llig, von keinem Willen gesteuert und von niemanden vorherzusehen.</p>
<p>Ist das das Bild? Kann es sein, dass Chaos und Zufall die Hintergrundfolie sind, vor der Gottes sch&#246;pferisches Wirken stattfindet? Im Antiken Denken ist &#8220;das Meer&#8221; kein Ort der Erholung. Es ruft keine Erinnerungen an gro&#223;e, idylische Str&#228;nde wach. Vielmehr ist es Symbol f&#252;r das Unbehagen in der Natur. Es steht f&#252;r das Unkontrolierbare, f&#252;r die Anwesenheit einer latenten Bedrohung, es bleibt r&#228;tselhaft.</p>
<p>&#8220;Die Erde war w&#252;st und leer und der Geist br&#252;tete &#252;ber dem Wasser&#8221;.</p>
<p><span id="more-242"></span> &#220;ber welchen Wasser denn bittesch&#246;n vor der Sch&#246;pfung? Augenscheinlich waren Chaos und Zufall immer anwesend. Und Gottes Sch&#246;pfung bedeutet auch nicht, dass jetzt die Ordnung das Chaos v&#246;llig ersetzt; das es jetzt quasi Naturgesetze gibt und damit hat sich die Sache. Nein Gottes Geist l&#228;sst einen Ort entstehen, der aus dem Chaos heraussticht. Nicht viel gr&#246;&#223;er als eine kleine Hallig und genauso bedroht.</p>
<p>&#8220;Macht euch die Erde Untertan!&#8221;</p>
<p>Das hei&#223;t: baut Deiche, befestigt den Stand. Es gibt immer wieder Einbr&#252;che: Sturmfluten und Tsunamis und eigentlich ist das Chaos die Normalit&#228;t und die Ordnung Ausnahme, K&#228;lte ist Nornalit&#228;t und W&#228;rme Ausnahme. Von dieser Annahme ausgehend braucht man Gott nicht mehr f&#252;r gr&#246;&#223;ere und kleinere Tsunamis verantwortlich machen. Man braucht keine Hermeneutik des unergr&#252;ndlichen Willen Gottes mehr zu starten, die nur allzuschnell zu Formeln wie &#8220;Aids ist ne Strafe f&#252;r Homosexualit&#228;t, der 2004er Tsunami ne Strafe f&#252;r G&#246;tzendienst&#8221; f&#252;hrt. Man kommt auch aus den Aporien heraus, die Dualismen hervorrufen (Gott ist f&#252;r die Sonnenstrahlen und der Teufel f&#252;r den Regen zust&#228;ndig). Es g&#228;be dann Dinge, die einfach grundlos passieren. Diese st&#228;nden m&#246;glicherweise, wie Barth es sagt, unter Gottes &#8220;Nein!&#8221;</p>
<p>Oder was macht es f&#252;r einen Sinn, auf eine Zeit zu hoffen, in der &#8220;das Meer nicht mehr ist&#8221; (Offb. 21)?</p>
<p>Dies ist sicherlich nicht der letzte und beste Gedanke &#252;ber das Verh&#228;ltnis Gott-Sch&#246;pfung. Es schlie&#223;t sich ein wenig an Paul Tillichs Ausf&#252;hrungen an, die aus einer existential-ontologischen Lesart von Nietzsches Willen zur Macht Macht als die st&#228;ndige dynamische Selbstbehauptung des Seins gegen&#252;ber dem ihm umgebenden Nichtsein beschreibt. Diese Metapher kann sicherlich nicht die gesamte biblischen Beschreibungen erfassen, aber sie f&#252;hrt &#252;ber andere Metaphern, die Gott als Weltenlenker oder Uhrmacher sehen. Und weiterhin nimmt es uns die Illusion der Kontrolle. Das Leben ist nur im begrenzten Ma&#223;e planbar, die Welt ist nur bis zu einem bestimmten Punkt hin sicher. Leben hei&#223;t, in Gefahr zu sein, umsp&#252;lt zu sein.</p>
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		<title>Berufung und die Heiligung des Allt&#228;glichen</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 16:49:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Charles Taylor beschreibt in seinem Buch &#8220;Quellen des Selbsts&#8221; die Genese der westlichen Zivilisation. Ein Punkt dabei ist, dass das gew&#246;hnliche Leben an Bedeutung gewinnt.
Was ist das gew&#246;hnliche Leben? Aristoteles unterscheidet zwischen &#8220;zen&#8221; und &#8220;euzen&#8220;, zwischen dem gew&#246;hnlichen und dem guten Leben.  Das gew&#246;hnliche Leben umfasst Produktion und Reproduktion. Arbeiten- f&#252;r den Lebensunterhalt sorgen- und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Charles Taylor beschreibt in seinem Buch &#8220;Quellen des Selbsts&#8221; die Genese der westlichen Zivilisation. Ein Punkt dabei ist, dass das gew&#246;hnliche Leben an Bedeutung gewinnt.</p>
<p>Was ist das gew&#246;hnliche Leben? Aristoteles unterscheidet zwischen &#8220;<em>zen</em>&#8221; und &#8220;<em>euzen</em>&#8220;, zwischen dem gew&#246;hnlichen und dem guten Leben.  Das gew&#246;hnliche Leben umfasst Produktion und Reproduktion. Arbeiten- f&#252;r den Lebensunterhalt sorgen- und Fortpflanzung- das eheliche Zusammenleben. Das war f&#252;r die Griechen ein notwendiges &#220;bel; wir sind halt Wesen, die arbeiten m&#252;ssen, aber das kann nicht alles sein.Auch Tiere und Sklaven k&#252;mmern sich um das Leben, aber um richtig Mensch zu sein muss man mehr als dies tun. Das gute Leben bestand in h&#246;heren T&#228;tigkeiten. Was genau diese T&#228;tigkeiten waren, dar&#252;ber war man uneins. F&#252;r Aristoteles war dies die <em>theoria </em>und die <em>praxis</em>, das philosophische Betrachten der Welt, das Diskutieren dar&#252;ber, was gut und richtig ist und das politisch aktive Leben als B&#252;rger einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Polis"><em>polis</em></a>.</p>
<p>Im Mittelalter herrschte eine Vorstellung von einer stark hierarchisierten Gesellschaft vor: jeder kannte seinen Platz. Es gab in der Regel nur eine M&#246;glichkeit, seinen Platz zu Verlassen, es gab eine Option der <em>upward mobility:</em> die Berufung ins M&#246;nchtum hinein. F&#252;r die Reformatoren stellte sich das M&#246;nchstum und die katholische Kirche zu ihrer Zeit so dar, dass die M&#246;nche eine Klasse von besonders berufenen, besonders hingebungsvollen Christen war, die dem Rest der Christenheit (jene also, die sich aus praktischen Gr&#252;nden nur um ihr normales Leben k&#252;mmern konnten) durch ihr gehorsames Leben und ihre Gebete Erl&#246;sung erwarben. Diese besondere Kaste von Christen musste von den Reformatoren abgelehnt werden. Sie verabschiedeten sich vom M&#246;nchstum als solchem und begannen eine neue Theologie zu formen, die das Allt&#228;gliche, das gew&#246;hnliche Leben, mit Bedeutung f&#252;llen sollte. So entstand die Vokabel des Berufs.</p>
<p>Die allt&#228;gliche Arbeit und das eheliche Zusammenleben gewann pl&#246;tzlich an Bedeutung. Der Mensch sollte nicht nur aus purer Notwendigkeit seiner Arbeit nachgehen und sich um die Familie k&#252;mmern, er sollte dies zur Ehre Gottes tun. Sp&#228;ter kam dann auch noch das Gef&#252;l hinzu, das der Mensch in diesen T&#228;tigkeiten Erf&#252;llung erlebt oder erleben soll. Dennoch war auch die Gesellschaft nach der Reformation im Wesentlichen recht statisch und hierarchisiert. Man hatte seinen Platz inne und ging oftmals der T&#228;tigkeit nach, die sein Vater schon aus&#252;bte. Der Unterschied war die Einstellung, mit der man von der Welt Gebrauch macht und sich ihr mit seiner Arbeitskraft zur Verf&#252;gung stellt. Es ging nicht mehr um&#8217;s was, sondern um&#8217;s wie. Ein puritanischer Prediger formuliert das recht pointiert:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der einfachste Dienst, den wir in einem ehrlichen Beruf verrichten, sei&#8217;s auch nur Pfl&#252;gen oder Graben, wird, wenn er gehorsam und eingedenk der Gebote Gottes getan war, mit reichlicher Belohnung gekr&#246;nt, w&#228;hrend die ihrer Art nach besten Arbeiten (das Predigen, das Beten, das Darbringen evangelikaler Opfer) von Fl&#252;chen beladen sind, wenn sie ohne Achtung vor Gottes Gebot und Ehre ausgef&#252;hrt werden. Gott liebet Adverbien.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auf diese Weise wurden in protestantischen L&#228;ndern ungeheure Energien frei, die -man kennt ja Webers These- zur Genese des Kapitalismus`beigetragen haben. Doch mit der industriellen Revolution kam langsam eine weitere Ver&#228;nderung: nach und nach konnten die Menschen w&#228;hlen, welchen Beruf sie nachgehen wollten (die Wahl des Ehepartners fand besonders in den unteren Gesellschaftsschichten schon vorher statt).</p>
<p>In dieser neuen Situation lautete von der evangelikalen Bewegung die zentrale Botschaft: &#8220;Jesus liebt dich und hat einen Plan f&#252;r dich&#8221;. Diesen Plan galt es nun herauszufinden. Da ja sp&#228;testens mit der romantischen Bewegung der Gedanke in breite Gesellschaftsschichten getragen wurde, das das gew&#246;hnliche Leben nicht nur eine M&#246;glichkeit der Heiligung, sondern auch der Erf&#252;llung ist, wurde hier besonders bei evangelikalen Jugendlichen die Angst und der Druck sehr erh&#246;ht, den Plan Gottes, seine pers&#246;nliche Berufung herauszufinden. Denn umso wichtiger die einzelnen Entscheidungen &#252;ber den lebensweg werden, umso gr&#246;&#223;er wird der Druck, diese besonders sorgf&#228;ltig zu treffen und die Angst, einen falschen Weg zu w&#228;hlen. Doch diese manchmal krampfhafte Suche nach einer pers&#246;nlichen Berufung brachte auch ein Gutes: sie verhalf jungen Menschen dazu, sich zu fokussieren, ihr Leben mit einem Gef&#252;hl der Bedeutsamkeit zu leben und &#252;ber die Unmittelbarkeit der eigenen Bed&#252;rfnisse hinauszuwachsen. Es f&#252;hrte manche dazu, in fremde L&#228;nder zu gehen und gegen Armut zu k&#228;mpfen. Meistens jedoch landeten die, die sich besonders um dieses Thema bem&#252;hten auf irgendeiner Bibelschule. Das mag auch daran liegen, dass die evangelikale Bewegung nicht mehr die Ressourcen zur Verf&#252;gung stellte, das gew&#246;hnliche Leben wertzusch&#228;tzen.</p>
<p>Doch heute ist die Welt wieder dabei sich zu &#228;ndern. Das Stichwort lautet Flexibilit&#228;t. Der Arbeitsmarkt verlangt, dass man in der Lage ist, Br&#252;cken abzurei&#223;en, st&#228;ndig offen f&#252;r Neues und Immerneues zu sein. Der Job f&#252;rs Leben geh&#246;rt f&#252;r viele zur Vergangenheit. Die Institution Ehe wird verdr&#228;ngt vom Konstrukt &#8220;Beziehung&#8221;, die mit mehr und mehr Erwartungen &#252;berlagert wird, je br&#252;chiger und fragiler die Lebenswirklichkeit wird.<br />
Macht es Sinn, in diesem Kontext noch von Berufung zu reden (diese scheint ja eine relativ stabile und berechenbare Welt vorrauszusetzen)? F&#252;hrt der kleine Ausblick &#252;ber die Geschichte dieses Begriffes vielleicht dazu, die biblischen Texte zum Thema Berufung neu zu sehen? Wie kann man heute zu einem fokussierten, engagierten, auf Andere bedachten Lebensstil &#8220;zur Ehre Gottes&#8221; gelangen? Wie kann man das gew&#246;hnliche Leben wieder sch&#228;tzen lernen? Oder ist es vielleicht ein Fehler, das gew&#246;hliche Leben so mit Erwartungen zu &#252;berfrachten?<br />
siehe: Charles Taylor, Die Quellen des Selbsts, 1994, S.373-413.</p>
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		<title>Der Tod von Jesus und Sokrates</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Sep 2008 14:35:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gottkram]]></category>
		<category><![CDATA[das Leben und so]]></category>

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		<description><![CDATA[Drau&#223;en ist es kalt und ungem&#252;tlich. Den Gedanken eines langen Sommers muss man wohl trotz Klimaerw&#228;rmung aufgeben. Stattdessen sitze ich in meinem Zimmer, h&#246;re the Weakerthans und lese vergn&#252;gt Charles Taylor (&#8220;Die Quellen des Selbst&#8221;). 
In einer vielsagenden, unglaublich inspirierenden Passage schreibt Taylor dar&#252;ber, wie die Reformation dazu beigetragen hat, das gew&#246;hnliche Leben als solches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Drau&#223;en ist es kalt und ungem&#252;tlich. Den Gedanken eines langen Sommers muss man wohl trotz Klimaerw&#228;rmung aufgeben. Stattdessen sitze ich in meinem Zimmer, h&#246;re the Weakerthans und lese vergn&#252;gt Charles Taylor (&#8220;Die Quellen des Selbst&#8221;). </em></p>
<p>In einer vielsagenden, unglaublich inspirierenden Passage schreibt Taylor dar&#252;ber, wie die Reformation dazu beigetragen hat, das gew&#246;hnliche Leben als solches wertzusch&#228;tzen. Er betrachtet dabei die Lehre von der Aufopferung Christi und den daran ankn&#252;pfenden M&#228;rtyrerkult und stellt fest, warum der christliche M&#228;rtyrer, Jesus selbst vorran, eigentlich eine starke lebensbejahende Komponente enth&#228;lt.</p>
<p>Er vergleicht dabei die Erz&#228;hlung vom (quasi M&#228;rtyrer-)Tod des Sokrates mit der Erz&#228;hlung von der Passion Christi (Charley Taylor, Quellen des Selbst, 1994, S.386-389). Sokrates ist gelassen und humorvoll bei seiner Hinrichtung. Jesus hingegen ist unruhig , erleidet im Garten Gethsemane schwere Qualen und ruft verzweifelt &#8220;mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?&#8221;. Sokrates bittet kurz vor seiner Hinrichtung seinen Freund Kriton, dass er Asklepios den schuldigen Hahn opfert. Asklepios war der Gott der Heilkunst, den man nachdem sein Zustand sich verbessert, ein Tier opferte. Sokrates deutet also durch diese Bitte an, dass nach dem Tod sein Zustand besser wird. Er war der Meinung durch seinen Tod verlor er nichts Wesentliches, sondern gewinnt nur dazu. Letzlich verachtet er das Leben in seiner jetzigen Form. Er steht &#252;ber den Dingen, dem Leben distanziert gegen&#252;ber.</p>
<p><span id="more-220"></span></p>
<p>Jesus hingegen verr&#228;t gerade durch seinen Widerwillen ans Kreuz zu gehen, eine tiefe Liebe zum Leben. Er bejaht das Leben und sieht es nicht als minderwertig an. Aufopferung ist keine Tugend an sich, sondern eine Folge davon, dass diese Welt aus den Fugen geraten ist und Leute ben&#246;tigt, die das gute Leben, was ihnen zur Verf&#252;gung steht, einsetzen und m&#246;glicherweise verlieren um noch mehr Gutes f&#252;r noch mehr Menschen in der Welt zu bewirken. Der Stoiker sah in der Aufopferung einen Selbstzweck: die g&#246;ttliche Vorsehung f&#252;hrte ihn an Punkte, an denen er manchmal das Leben, welches an sich kein Gut darstellte, f&#252;r ein hohes Gut aufgab. Deshalb w&#228;hlten Stoiker, wenn sie ihre Ehre und Autonimie gef&#228;hrdet sahen oft den Weg in den Selbstmord.</p>
<p>Weil im Christentum dagegen das Leben an sich wertvoll ist und nur aufgrund von &#228;u&#223;eren Umst&#228;nden dazu f&#252;hren kann, an sich Gute Dinge aufzuopfern, war der christliche M&#228;rtyrer immer geleitet von einer eschatologischen Schau der Dinge. Eines Tages, so die Auffasssung, w&#252;rde der M&#228;rtyrer Ausgleich erfahren. Er w&#252;rde Anteil haben an der Auferstehung der Toten; er ersehnte keinen jenseitigen, k&#246;rperlosen Gl&#252;ckszustand, sondern eine Art Reinkarnation: wenn Jesus wiederkommt, w&#252;rde er einen neuen Leib bekommen und so an diesem Leben und all dem Guten wieder Anteil bekommen.</p>
<p><em>Diese &#220;berlegungen ver&#228;ndern f&#252;r mich einiges. Zum einen kriegt Jesus, wie er in den Evangelien dargestellt ist, mal wieder einen Sympathiebonus, zum anderen ver&#228;ndert es meine Sicht vom Leben und erh&#246;ht meine Bereitschaft, Opfer zu bringen. Das Leben ist lebenswert und zu bejahen und dies alles wird von dem Gedanken der Aufopferung nicht in Frage gestellt sondern unterstrichen. </em></p>
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		<title>Tillich, schwarze Steine und die DNA</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Sep 2008 13:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Mitten in Mekka befindet sich das muslimische Zentralheiligtum, die Kaaba; ein gro&#223;er schwarzer Kubus im Innenhof der gro&#223;en Moschee. An der Ostseite ist auf Augenh&#246;he ein schwarzer Stein angebracht. Dieser Stein wird verehrt, weil der Legende nach Abraham ihn direkt vom Erzengel Gabriel erhielt und er deshalb ein Artefakt einer fremden Welt ist. Wissenschaftler vermuten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitten in Mekka befindet sich das muslimische Zentralheiligtum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaaba">die Kaaba</a>; ein gro&#223;er schwarzer Kubus im Innenhof der gro&#223;en Moschee. An der Ostseite ist auf Augenh&#246;he ein schwarzer Stein angebracht. <a href="http://www.eslam.de/begriffe/s/schwarzer_stein.htm">Dieser Stein</a> wird verehrt, weil der Legende nach Abraham ihn direkt vom Erzengel Gabriel erhielt und er deshalb ein Artefakt einer fremden Welt ist. Wissenschaftler vermuten, dass dies in gewisser Weise stimmt. M&#246;glicherweise ist dieser Stein ein Meteorit. Ich hoffe ich lehne mich nicht allzuweit aus den Fenster, wenn ich behaupte, dass diese Haltung f&#252;r den Islam bezeichnend ist: Man verehrt einen Splitter einer fremden Welt.<img align="left" title="meteorit_250_250.jpg" id="image218" alt="meteorit_250_250.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/09/meteorit_250_250.jpg" /> Man unterwirft sich einer fremden Autorit&#228;t (Islam bedeutet ja Ergebung/Unterwefung), einer v&#246;llig erhabenen Gottheit und seinen Geboten. Dabei ist es unbedeutend, ob man die Gebote dieser Gottheit nachvollziehen kann oder nicht; man muss sogar wegen der Andersartigkeit und Erhabenheit dieser Gottheit damit rechnen, dass man sie als einfacher Mensch nicht nachvollziehen kann. Auch die Heilige Schrift des Islams ist wie ein Dokument von einer anderen Welt. Sie wird in der Orginalsprache gelesen unabh&#228;ngig davon, ob man diese gut versteht oder nicht.<br />
Paul Tillich (und nicht nur er) nennt diese Art der Theologie und Ethik heteronom. Man unterwirft sich einem fremden, unverst&#228;ndlichen Anderen (das kann ein Gott oder eine andere Autorit&#228;t sein) und muss dieser bedingungslos folgen. Auch im Christentum gibt es Elemente, die stark heteronom sind; beispielsweise den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus">Calvinismus</a>. Doch w&#228;hrend der Aufkl&#228;rung, eigentlich schon durch die Reformation, wurde diese Sichtweise des Menschen, der sich fremdbestimmen l&#228;sst, immer mehr verdr&#228;ngt durch ein neues Ideal vom Menschen als selbstbestimmtes, freies Wesen, dass sich im Einklang mit der universellen Vernunft selbst Gesetze gibt, sich durch sich selbst definiert und einer vern&#252;nftigen Religon nachfolgt.</p>
<p><span id="more-217"></span>Doch auch diese Autonomie ist a) ma&#223;los und b)unglaubhaft geworden. Zum einen ist die Autonomie, nachdem sie anfangs bei Kant einen sehr moralischen Sound der Selbstbeherrschung hatte, umgeschlagen in die Beliebigkeit von verschiedenen gleich-g&#252;ltigen Lebensstilpr&#228;ferenzen. Zum anderen ist der Glaube an eine universelle Vernunft, die jeden Autonomen Menschen gleichsam einer &#8220;unsichtbaren Hand&#8221; zu den selben vern&#252;nftigen Schl&#252;ssen f&#252;hrt genauso unglaubhaft geworden wie der Gedanke an einen v&#246;llig freien Willen.</p>
<p>In dieser Situation schreibt Tillich an eine Leserschaft, die in ihrer Autonomie unsicher geworden ist und die Tillich zur&#252;ckfallen sieht in eine Heteronomie, was ihn sehr schmerzt. Die Religion ist oft eine Gr&#246;&#223;e, die Menschen zur&#252;ck in die Heteronomie f&#252;hren will, in eine bedingungslose Unterwerfung unter ein fremdes Joch. Abgemildert wird dies durch die Erkenntnis, dass diese fremde Instanz es gut mit uns meint, und- wie unsere Eltern seinerzeit- &#8220;nur unser Bestes will&#8221;.</p>
<p>Tillich sieht einen anderen Ausweg, den er Theonomie nennt. Nein, der Mensch ist nicht v&#246;llig frei, er kann nicht ohne R&#252;ckbindung an den Urgrund des Lebens, abseits von der Beziehung mit seinen Sch&#246;pfer, frei w&#228;hlen was er will, ohne sich weiter von sich zu entfernen. Und nein, auch die Unterwerfung unter eine fremde Macht (die ja meistens vermittelt wird durch Glaubensgemeinschaften oder Heilige B&#252;cher) ist kein gangbarer Weg. Bedingungslose Unterwerfung, Kadavergehorsam, v&#246;llige Ergebenheit, dies sind Begriffe, die gerade uns Deutschen Schweirigkeiten machen m&#252;ssten. Deshalb muss der Mensch nicht dem Gott, der von au&#223;en in die Welt eindringt suchen, sondern den, der mitten in der Existenz steht; der ihm n&#228;her ist, als er selbst. Nicht von au&#223;en, sondern von der Tiefe des Lebens kommt ein Gesetz, welches uns nicht unterwirft sondern uns erf&#252;llt.</p>
<p>D<img height="121" width="163" align="left" title="dna.jpg" id="image219" alt="dna.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/09/dna.jpg" />as Bild daf&#252;r ist f&#252;r mich (zugegeben es ist ein etwas holpriges Bild) die menschliche DNA. Gottes Gebot, sein Wort und Wesen, und die zum Christentum geh&#246;renden Heiligen Schriften gleichen nicht Artefakten aus einer fremden Welt, sondern sind Karten f&#252;r die Tiefendimension dieser Welt. Was, wenn die Gebote nicht nur Worte in einer fremden Sprache sind, sondern der Schl&#252;ssel zum Aufbau unserer Selbst. Wenn wir nicht darin ein fremdes Gesetz finden, sondern begreifen lernen, was es hei&#223;t, wirklich Mensch zu sein? Wenn wir einen Weg finden heraus aus der Selbstentfremdung, die wir S&#252;nde nennen? Was wenn wir keinen Gott haben, der uns als unverst&#228;ndliche Autorit&#228;t  gegen&#252;bsteht, sondern einen, der in der Tiefe der Existenz zu finden ist?</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Ehre sei Gott in der&#8230;Tiefe</title>
		<link>http://www.bunchofnerds.de/failingforward/2008/07/17/ehre-sei-gott-in-dertiefe/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jul 2008 13:38:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines der erste Begriffe, die Tillich quasi dekonstruiert (damals war das Wort noch nicht in Mode), ist der Begriff Gott. Er problematisiert, was mit dem Begriff Gott so oft verbunden ist: ein Wesen, dass in einer anderen Sph&#228;re schwebt. Ein Wesen, &#252;ber das man in Superlativen spricht. Ein Gott, der in der h&#246;chsten Schicht der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der erste Begriffe, die Tillich quasi dekonstruiert (damals war das Wort noch nicht in Mode), ist der Begriff Gott. Er problematisiert, was mit dem Begriff Gott so oft verbunden ist: ein Wesen, dass in einer anderen Sph&#228;re schwebt. Ein Wesen, &#252;ber das man in Superlativen spricht. Ein Gott, der in der h&#246;chsten Schicht der Wirklichkeit lebt, der ein &#8220;unbesiegbarer Tyrann&#8221; ist, der alles nach seinem festen Plan regiert.Die ganze Sicht dr&#252;ckt sich in dem Wort &#8220;&#252;bernat&#252;rlich&#8221; aus.Gott ist ein &#252;bernat&#252;rlicher Herrscher, er ist das h&#246;chste Seiende Wesen. Wenn man sich Gott so denkt, wird entweder der Mensch zum Spielball eines allwissenden Wesens oder Gott zum Objekt menschliches Denkens, das bewiesen werden muss. Genau dies ist der Eckstein von charismatischer Theologie: Gott ist da oben und er muss sich erweisen; dies f&#252;hrt dann zu jenem Interventionismus, der so dringend auf das Wunder als Erweis des &#252;bernat&#252;rlichen Gottes angewiesen ist. Ob es nun das einzelne Heilungswunder oder die gro&#223;e Erweckung ist: ohne dies kann der Charismatiker nicht leben. Neopfingstliche Theologie wird getrieben davon, dass Ausbleiben von Heilung und Erweckung zu erkl&#228;ren bzw. sogenannte Schl&#252;ssel (&#8220;biblische Prinzipien&#8221;) zu finden um diese herbeizuf&#252;hren. Denn w&#252;rden Machterweise des &#252;bernat&#252;rlichen Gottes ausbleiben, m&#252;sste der Chariksmatiker seinen Glauben verlieren oder ihn fanatisieren; also beim Ausbleiben der Gef&#252;hle einfach etwas lauter beten, etwas st&#228;rker singen, die Augen fest zusammenkneifen und sich ganz einer emotionalen Trotzreaktion, der &#8220;Glauben&#8221; genannten Autosuggestion hingeben.</p>
<p><span id="more-214"></span></p>
<p>Ein ebensogro&#223;er Fehler wie der Supranaturalismus, der Gott also auf der h&#246;chste Schichte der Wirklichkeit verortet, w&#228;re f&#252;r Tillich der Naturalismus, der Gott und Wirklichkeit identifiziert. Gott ist nicht die Welt.Gott &#252;bersteigt die Welt und alles Leben.</p>
<p>So ist Tillich auf der Suche nach einer Sicht von Gott, die diese beiden extreme Pole vermeindet. Er sp&#252;rt, dass der Begriff Gott so fest mit der Supranaturalistischen Sicht verbunden ist, dass es in seinem Kontext sehr schwierig wird &#252;berhaupt diesen Begriff zu benutzen. Und so versucht er einen philosophisch-existentiellen Zugang zu Gott zu legen (er behauptet gegen Pascal, dass der Gott der Philosophen der gleiche ist wie der von Abraham, Isaak und Jabok) und er kommt zu einen Begriff von Gott als Sein-Selbst. Gott kann f&#252;r ihn nicht ein Wesen unter anderen sein. Weil damit Gott an einer Gr&#246;&#223;e, dem Sein, anteil h&#228;tte, das folglich gr&#246;&#223;er ist als er selbst. Gott muss das Sein-Selbst sein und dieses gleichzeitig unendlich &#252;bersteigen. Es geht Tillich aber nicht um irgendein formal-logisches Argument. Alles, was er eigentlich sagen will, ist, dass man Gott nicht au&#223;erhalb und &#252;berhalb der Welt suchen soll, sondern in der Tiefe der Existenz, in der Tiefe der Wirklichkeit, in der Tiefe seines Lebens. Gott ist das Leben. &#220;berall, wo wir dem Leben in seiner Tiefe begegnen, da ist Gott nahe; in der Ekstase zum Beispiel im Gef&#252;hl des Verstandenwerdens, in der Kunst, in tiefen Gespr&#228;chen, in der Intimit&#228;t; aber auch in der Angst und Verzweiflung, in der Tiefe pers&#246;nlicher Krisen, in denen wir &#8220;der Macht des Nicht-Seins&#8221; in die Augen schauen und in uns pl&#246;tzlich eine Hoffnung und einen Glaube, den &#8220;Mut zum Sein&#8221; versp&#252;ren. Er zitiert Luther: &#8220;Gott ist zugleich in einem jeglichen K&#246;rnlein ganz und gar und dennoch in allen und &#252;ber allen und au&#223;er allen Kreaturen&#8221;.<br />
<img height="151" width="349" id="image215" alt="drahtgittermodell.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/07/drahtgittermodell.jpg" /><br />
Ich blogge das jetzt nicht, weil mir Tillichs Konzeption so sehr einleuchten w&#252;rde. Im Gegenteil zu Anfang dachte ich: das ist doch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pantheismus">Pantheismus</a> oder zumindestens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Monismus">Monismus</a>. Und &#252;berhaupt ist Tillichs Konzeption weit entfernt von der Sprache der Bibel &#252;ber Gott, wie er freim&#252;tig zugibt. Mich erinnert diese Konzeption Gottes an die Drahtgittermodelle, die beim Design verwendet werden. Tillich versucht die Welt mit seiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie">ontolgischen</a> Betrachtung in ihren Grundz&#252;gen zu erfassen und meint, in ihren Grundfesten Gott selbst entdeckt zu haben. F&#252;r mich, der philosophisch-abstrakte Sprache noch nicht gewohnt ist (&#252;berhaupt: wenn man ein solches Konzept entwirft, w&#228;re f&#252;r mich die Sprache der Poesie die einzigst angemessene), wirkt das alles sehr farblos, abstrakt und gesichtslos. Und ich denke, Tillich entfernt sich hier bewusst vom Theismus; von &#252;berhaupt jeder Ansschauung, die Gott als Person begreift.</p>
<p>Gerade deshalb wundert es mich, dass ich in seiner Konzeption (Tillich ist sich &#252;brigens durchaus bewusst, wie unml&#246;glich es in jedem Falle ist, Gott zu beschreiben; aber ich will darauf jetzt nicht eingehen) etwas beruhigenden finde. Etwas daran zieht mich an. Tillich traut sich hier auf etwas hinzuweisen, n&#228;mlich darauf, welche Last ein pers&#246;nlicher Gott sein kann. Auch wenn ich f&#252;r mich den Ausweg in einen philosophisch-existenziellen-abstrakten Gott so nicht mitgehen kann, so bleibt f&#252;r mich nach all dem die Frage, ob man nicht tats&#228;chlich fragen m&#252;sste, inwieweit Gott dem Leben innewohnt. Ob man nicht vielleicht eine Spiritualit&#228;t f&#228;nde, die nicht mit zusammengekniffenen Augen der Welt entr&#252;ckt und dem Leben flieht, sondern mit offenen Augen die Welt wertsch&#228;tzt und das Leben wagt; die also den Gott wahrnimmt &#8220;in dem wir weben und leben und sind.&#8221; Und welche Metaphern f&#252;r diesen Gott angebracht sind (und ob wir nicht m&#246;glicherweise sogar diese Metaphern in der Bibel schon angedeutet finden).</p>
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		<title>Der vergessene Tillich</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 16:02:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Emerging Church]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[So die letzten Klausuren geschrieben. Wie kann man sich die Wartezeit, bis die n&#228;chste 24 Folge vollst&#228;ndig geladen ist besser vertreiben als mit nem bisschen bloggen? Alles was sie hier lesen ist &#252;brigens in Echtzeit geschrieben ;-D So here we go:

Patrick sagte mir &#8220;Es geht heutzutage nur noch um Barth. Barth hier, Barth da. Barthkonferenzen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="font-style: italic">So die letzten Klausuren geschrieben. Wie kann man sich die Wartezeit, bis die n&#228;chste <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/24_(Fernsehserie)">24 Folge</a> vollst&#228;ndig geladen ist besser vertreiben als mit nem bisschen bloggen? Alles was sie hier lesen ist &#252;brigens in Echtzeit geschrieben ;-D So here we go:</p>
<p><img align="left" title="paul_johannes_tillichs_gravestone_in_the_paul_tillich_park_new_harmony_indiana.jpg" style="width: 161px; height: 203px" id="image212" alt="paul_johannes_tillichs_gravestone_in_the_paul_tillich_park_new_harmony_indiana.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/07/paul_johannes_tillichs_gravestone_in_the_paul_tillich_park_new_harmony_indiana.jpg" /></p>
<p>Patrick sagte mir &#8220;Es geht heutzutage nur noch um Barth. Barth hier, Barth da. Barthkonferenzen. Barthblogs. Dabei werden andere Theologen total vernachl&#228;ssigt.&#8221; Ich glaub, auch in der Emerging Szene kann es passieren, dass man vielleicht sich zu stark auf ein paar wenige Namen, sagen wir Moltmann und Wright konzentriert. Doch &#228;hnlich wie Patrick von &#8220;<a href="http://shrinkinguni.blogspot.com/">God in a Shrinking Universe</a>&#8221; merke ich langsam, dass Paul Tillich uns heute viel zu sagen hat.</p>
<p><span id="more-213"></span></p>
<p>Ich hatte im ersten Semester gleich ein Seminar &#252;ber Tillich. Das war vielleicht nicht gut; denn wir lasen nichts aus der Systematischen Theologie, sondern aus Liebe, Macht, Gerechtigkeit; seinen am st&#228;rksten philosophischen Werk. Und man muss sagen: es gibt viele Gr&#252;nde, nichts mit Tillich anfangen zu k&#246;nnen: er ist ein h&#246;chst abstrakter Denker, der viele Anleihen (das m&#252;sst ich sp&#228;ter mal spezifizieren) aus der Philosophie nimmt. Ein Hauptst&#252;tzpfeiler seiner Theologie ist die Ontologie, die Lehre vom Sein. Ein Bereich der Philosophie, der a)schwer nachzuvollziehen und b)aus der Mode gekommen ist. Au&#223;erdem ist sein Werk das Werk eines recht klassischen Denkers. Man muss lange suchen um auf Passagen zu treffen, die die rechte Gehirnh&#228;lfte ansprechen. Man muss sich durch sein Werk arbeiten, zuweilen qu&#228;len. Da gibt es wenige clevere Wortspiele; wenige farbenreiche Metaphern und wenig praktische Beispiele.Und dann ist da diese Strenge; eine Strenge, dich ich manchmal auch bei C.S. Lewis fand und die scheinbar sehr von sich &#252;berzeugt ist und stellenweise unerbittlich andere Positionen bek&#228;mpfen kann.<br />
Und dennoch, wo man mit der Art und Weise seines Werkes auch oft Probleme haben k&#246;nnte, Tillichs &#8220;Herz&#8221; ist daf&#252;r umso nachvollziehbarer f&#252;r mich. Neulich bin ich &#252;ber ein Buch gesto&#223;en, dass Tillich noch mehr in seinen Kontext setzt und ihn nochmal etwas runterbricht und mehr und mehr merke ich, wie Tillich f&#252;r mich zu einem der Denke wird, wo ich mich stellenweise zuhause f&#252;hle; wo ich Orte finden, in denen ich nicht nur verstehe, sondern auch mich und meinen Weg verstanden wei&#223;.</p>
<p>Tillich erlebte den ersten Weltkrieg mit und dieses Ereignis ver&#228;nderte ihn. In den Schlachtfeldern von Verdun kehrte er dem Idealismus den R&#252;cken. F&#252;r viele Denker war nicht erst Ausschwitz sondern schon der erste Weltkrieg die gro&#223;e Wende. Tillich wurde zu einem existenziellem Denker, der die Tiefe des Lebens erforschen wollte und dort mitten in der Angst, der Unsicherheit, dem Nicht-Sein, Hoffnung und Mut fand.</p>
<p>Tillich war motiviert von einer bohrenden Unzufriedenheit mit einer Kirche, die nicht gelernt hat, in neuen Zungen zu reden; die immer noch die alten Begriffe benutzt, die im 16. Jahrhundert in den Umlauf gekommen sind. Tillich ist auf der Suche nach einer neuen Sprache, die die Menschen seiner Zeit, den sp&#228;tmodernen Menschen, der in seiner Autonomie unsicher geworden ist (Zahrnt), wieder trifft und sie wieder zur&#252;ck zu der Tiefe des Lebens f&#252;hrt, in der auch Gott zu finden ist. Tillich war einer der ersten kontextuellen Theologen, die mit Blick auf seine Mitmenschen, ja mit einer empathischen Betroffenheit, nach Worten gesucht haben, die die Menschen wieder treffen k&#246;nnen.</p>
<p>Vielleicht w&#252;rde ich, wenn es die Zeit zul&#228;sst mit euch die kommende Zeit hier ein paar Konzepte von Tillich angucken. Ich muss dabei einwenden: ich habe nicht die Zeit, mich ganz in die Sache zu vertiefen, deshalb fu&#223;en meine Posts eher Sekund&#228;rliteratur. Gerade bei einem Denker wie Tillich kann es durchaus sein, dass ich den Gehalt von Tillichs Konzepten nicht gerecht werde. Deshalb will ich euch ermutigen, hier zu kommentieren, wenn euch dazu Unregelm&#228;&#223;igkeiten auffallen oder ihr Fragen habt aber nat&#252;rlich auch, wenn euch dazu andere Gedanken kommen.</p>
<p><span style="font-style: italic">Hm und die 24 Folge ist immer noch nicht zuende geladen. *grummel*</span></p>
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