Nichts-sagender Glaube
Es wird Zeit, den Blog wiederzubeleben. Eigentlich hatte ich schon lange vor wieder zu bloggen; aber ich wollte vorher den Blog neu designen. Da das aber jetzt aber so schnell nichts zu werden scheint; fange ich einfach dennoch wieder an mich internet-technisch zu Wort zu zu melden.
Und ich beginne;-wie sollte es anders sein- mit einer kurzen Serie. Es geht um ein Thema, welches spätestens mit Pete Rollins – How (not) to speak of God aktuell geworden ist, nämlich ein gewisser mystischer Zugang zu Gott als dem, der alle Begriffe übersteigt, alsdem ganz Anderen über den wir nicht so recht sprechen können. Kurz den Gedanker der apophatischen Theologie und Spiritualität.
Ich will zeigen, warum ein gewissen Maß an apophatischer Theologie, an Nichts-sagenden glauben, gut und wichtig ist und warum man dennoch darüber hinauswachsen muss. Ressourcen für dieses Hinauswachsen findet man unter anderem in der östlich-orthodoxen Theologie und Spiritualität, welche seit Jahrhunderten Apophatische Theologie mit Dogmatischer Theologie (man wird sehen, was genau das heißt) zusammen denkt, lebt und erfährt.
Also auf geht’s.
[Atheism for lent - Marx 2]
Weiter geht mit meine Auseinandersetzung mit den “masters of suspicion”. Im letzten Post zeigte ich auf, wie allergisch Marx auf das Staatschristentum reagierte. “Der Gott der Christen ist ihre Nation” (was in der hegelianischen Atmosphäre seiner Zeit durchaus ein denkbarer Gedanke war). Er kritsierte die Verbindung zwischen Protestantismus und repressiv-autoriäten preußischem Staat. Und hier würde jetzt der normale Freikirchler mit einer Formel kommen, die ihm eingeprügelt wurde: “Ja genau DAS ist die Realitätder Staatskirche. Da geht es um Macht und Einfluss und nicht um echten Glauben. Das ist “RELIGION” (ein Haßwort bei Freikirchlern), das sind starre Strukturen, das ist Pharisäertum. Wir geisterfüllten Freikirchler würden das nicht tun. Bei uns geht es um Jesus, um Spiritualität, um Spontanität, um Liebe und nicht um Macht. Wir üben Barmherzigkeit und sind für die Leute da.”
Ok ein valider Punkt. Aber gucken wir uns ein historisches Beispiel an, das für viele immer noch als DAS Beispiel für genuines Geistwirken gilt: die Entstehung der Pfingstbewegung. Bei der Azusa-Street-Erweckung, die viele als ein authentisches Wirken des Heiligen Geistes und als Geburtsstunde der mitlerweile dynamischten Bewegung des Christentums ansehen, gab es dieses Moment, wo in dieser Ekstase und in dieser Unmittelbarkeit ein Riß in der sozialen Ordnung entstand. Denn zunächst war die gesetzlich geregelte Rassentrennung aufgehoben. Doch wie lange hielt das? Einige Wochen. Dann kam jemand auf die Idee: nein nein wir müssen uns an die gesellschfatlichen Konventionen halten damit alles hier ordentlich abläuft.
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[Atheism for lent - Marx]
Monday March 02nd 2009, 16:48
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Gottkram
Ich möchte in der nächsten Zeit ein paar große Kritiker des Glaubens kurz betrachten um zu sehen, was sie uns zu sagen haben. Keiner dieser großen “masters of suspicion” ist in irgendeiner Weise unproblematisch oder unumstritten: Nietzsche als eine sehr reaktionäre Persönlichkeit hat hochproblematische Ideen geäußert und auch Schlagworte geliefert, die später von den nazis zweckentfremdet wurden (Übermensch, Wille zur Macht), Freud und mit ihm das Projekt der Psychoanalyse ist spätestens durch das aufkommen einer sich naturwissenschaftlich und empirisch gebenden Psychologie stark in Verruf gekommen und wäre nicht die Wirtschaftskrise so würden heut die meisten über Marx nur lächeln.
Aber Marx hat uns einen kritischen Blick beigebracht für die Ungerechtigkeiten, die eine Gesellschaft produziert, für die Ambivalenz unserer Martkswirtschaft, für die Verbindung zwischen Wissen und Macht und für Mechanismen, sich nicht mit dieser Ungerechtigkeit beschäftigen zu müssen. Ich muss etwas anmerken bevor ich weiter versuche in die Details der Denker zu gehen: ich habe Merold Westphals Buch vor ca. 4-5 Monaten gelesen und habe gerade keinen Zugriff auf das Buch. Also werde ich bei der Zusammenfassung der Denker ziemlich vage und ungenau bleiben müssen.
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Glauben als ‘double vision’
*oh wie bitter. Ich hab den halben Text fertig getippt, als der dann durch ein time-out verloren ging. Weiß irgendjemand ein Browser plugin, welches eingegebene Texte für den Fall eines Absturzes zwischenspeichert?*
Ich habe mich lange gefragt, wie das Verhältnis vom Glaube zu dem, was man “Realität, echtes Leben, die Welt da draußen” nennt, ist. Meine Geschichte fängt an mit dem Kontakt zur sogenannten Glaubensbewegung, die im evangelikal-charismatischen Umfeld ihre Lehren verbreitet. Diese zitiert gerne Hebräer 11:1: “Es ist aber im Glauben eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichttzweifeln an dem, was man nicht sieht”. Nun wird der Glaube der empirischen Realität entgegengesetzt. Der Glaube bezieht sich auf Tatsachen, die die nicht-sichtbare Welt übersteigen. In einem Move, der Kierkegaard “Sprung” nicht unnähnlich ist, soll man sich entscheiden nicht seiner Erfahrung und nicht seiner rationalen Beobachtung der Welt zu vertrauen, sondern der Bibel und ihren Tatsachen. So bin ich “in Christus” bereits ein neuer Mensch auch wenn ich wenig davon spüre. Das Resultat dieses Sprungs ist oft ein schwindeleregendes Hinauswachsen über sich selbst. Eine (Selbst-)transzendenz. Dieses theologisch-existentielle Konstrukt wurde später mit anderen Inhalten verbunden. So zum Beispiel mit der charismatischen Sehnsucht nach Wundern und Erweckung und mit den amerikanischen Werten von Erfolg und Wohlergehen. So wurde das alles ein bisschen “weird”. Ganz schnell verliert man so auch die Bodenhaftung, wertet die empirische Realität ab, flieht vor dem harten Alltagsgeschäft, das wir Leben nennen, in andere Sphären. Man droht sich völlig im ekstatischen Drogenglück der Gnosis zu verlieren.
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Theodizee und die umspülte Schöpfung
Monday February 09th 2009, 03:22
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Gottkram
Die Schöpfung ist eine Hallig: eine kleine flache Insel mitten in einem stürmischen Meer des Chaos. Sie ist ständig bedroht, umflutet. Ständig zähren die Wellen an ihr und rauben ihr Landmasse (2. Hauptsatz der Thermodynamik; der Rockstar unter den Hauptsätzen der Thermodynamik) und manchmal bricht ein Sturmflut über sie herrein; völlig zufällig, von keinem Willen gesteuert und von niemanden vorherzusehen.
Ist das das Bild? Kann es sein, dass Chaos und Zufall die Hintergrundfolie sind, vor der Gottes schöpferisches Wirken stattfindet? Im Antiken Denken ist “das Meer” kein Ort der Erholung. Es ruft keine Erinnerungen an große, idylische Strände wach. Vielmehr ist es Symbol für das Unbehagen in der Natur. Es steht für das Unkontrolierbare, für die Anwesenheit einer latenten Bedrohung, es bleibt rätselhaft.
“Die Erde war wüst und leer und der Geist brütete über dem Wasser”.
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Berufung und die Heiligung des Alltäglichen
Monday October 06th 2008, 18:49
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Gottkram
Charles Taylor beschreibt in seinem Buch “Quellen des Selbsts” die Genese der westlichen Zivilisation. Ein Punkt dabei ist, dass das gewöhnliche Leben an Bedeutung gewinnt.
Was ist das gewöhnliche Leben? Aristoteles unterscheidet zwischen “zen” und “euzen“, zwischen dem gewöhnlichen und dem guten Leben. Das gewöhnliche Leben umfasst Produktion und Reproduktion. Arbeiten- für den Lebensunterhalt sorgen- und Fortpflanzung- das eheliche Zusammenleben. Das war für die Griechen ein notwendiges Übel; wir sind halt Wesen, die arbeiten müssen, aber das kann nicht alles sein.Auch Tiere und Sklaven kümmern sich um das Leben, aber um richtig Mensch zu sein muss man mehr als dies tun. Das gute Leben bestand in höheren Tätigkeiten. Was genau diese Tätigkeiten waren, darüber war man uneins. Für Aristoteles war dies die theoria und die praxis, das philosophische Betrachten der Welt, das Diskutieren darüber, was gut und richtig ist und das politisch aktive Leben als Bürger einer polis.
Im Mittelalter herrschte eine Vorstellung von einer stark hierarchisierten Gesellschaft vor: jeder kannte seinen Platz. Es gab in der Regel nur eine Möglichkeit, seinen Platz zu Verlassen, es gab eine Option der upward mobility: die Berufung ins Mönchtum hinein. Für die Reformatoren stellte sich das Mönchstum und die katholische Kirche zu ihrer Zeit so dar, dass die Mönche eine Klasse von besonders berufenen, besonders hingebungsvollen Christen war, die dem Rest der Christenheit (jene also, die sich aus praktischen Gründen nur um ihr normales Leben kümmern konnten) durch ihr gehorsames Leben und ihre Gebete Erlösung erwarben. Diese besondere Kaste von Christen musste von den Reformatoren abgelehnt werden. Sie verabschiedeten sich vom Mönchstum als solchem und begannen eine neue Theologie zu formen, die das Alltägliche, das gewöhnliche Leben, mit Bedeutung füllen sollte. So entstand die Vokabel des Berufs.
Die alltägliche Arbeit und das eheliche Zusammenleben gewann plötzlich an Bedeutung. Der Mensch sollte nicht nur aus purer Notwendigkeit seiner Arbeit nachgehen und sich um die Familie kümmern, er sollte dies zur Ehre Gottes tun. Später kam dann auch noch das Gefül hinzu, das der Mensch in diesen Tätigkeiten Erfüllung erlebt oder erleben soll. Dennoch war auch die Gesellschaft nach der Reformation im Wesentlichen recht statisch und hierarchisiert. Man hatte seinen Platz inne und ging oftmals der Tätigkeit nach, die sein Vater schon ausübte. Der Unterschied war die Einstellung, mit der man von der Welt Gebrauch macht und sich ihr mit seiner Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Es ging nicht mehr um’s was, sondern um’s wie. Ein puritanischer Prediger formuliert das recht pointiert:
“Der einfachste Dienst, den wir in einem ehrlichen Beruf verrichten, sei’s auch nur Pflügen oder Graben, wird, wenn er gehorsam und eingedenk der Gebote Gottes getan war, mit reichlicher Belohnung gekrönt, während die ihrer Art nach besten Arbeiten (das Predigen, das Beten, das Darbringen evangelikaler Opfer) von Flüchen beladen sind, wenn sie ohne Achtung vor Gottes Gebot und Ehre ausgeführt werden. Gott liebet Adverbien.”
Auf diese Weise wurden in protestantischen Ländern ungeheure Energien frei, die -man kennt ja Webers These- zur Genese des Kapitalismus`beigetragen haben. Doch mit der industriellen Revolution kam langsam eine weitere Veränderung: nach und nach konnten die Menschen wählen, welchen Beruf sie nachgehen wollten (die Wahl des Ehepartners fand besonders in den unteren Gesellschaftsschichten schon vorher statt).
In dieser neuen Situation lautete von der evangelikalen Bewegung die zentrale Botschaft: “Jesus liebt dich und hat einen Plan für dich”. Diesen Plan galt es nun herauszufinden. Da ja spätestens mit der romantischen Bewegung der Gedanke in breite Gesellschaftsschichten getragen wurde, das das gewöhnliche Leben nicht nur eine Möglichkeit der Heiligung, sondern auch der Erfüllung ist, wurde hier besonders bei evangelikalen Jugendlichen die Angst und der Druck sehr erhöht, den Plan Gottes, seine persönliche Berufung herauszufinden. Denn umso wichtiger die einzelnen Entscheidungen über den lebensweg werden, umso größer wird der Druck, diese besonders sorgfältig zu treffen und die Angst, einen falschen Weg zu wählen. Doch diese manchmal krampfhafte Suche nach einer persönlichen Berufung brachte auch ein Gutes: sie verhalf jungen Menschen dazu, sich zu fokussieren, ihr Leben mit einem Gefühl der Bedeutsamkeit zu leben und über die Unmittelbarkeit der eigenen Bedürfnisse hinauszuwachsen. Es führte manche dazu, in fremde Länder zu gehen und gegen Armut zu kämpfen. Meistens jedoch landeten die, die sich besonders um dieses Thema bemühten auf irgendeiner Bibelschule. Das mag auch daran liegen, dass die evangelikale Bewegung nicht mehr die Ressourcen zur Verfügung stellte, das gewöhnliche Leben wertzuschätzen.
Doch heute ist die Welt wieder dabei sich zu ändern. Das Stichwort lautet Flexibilität. Der Arbeitsmarkt verlangt, dass man in der Lage ist, Brücken abzureißen, ständig offen für Neues und Immerneues zu sein. Der Job fürs Leben gehört für viele zur Vergangenheit. Die Institution Ehe wird verdrängt vom Konstrukt “Beziehung”, die mit mehr und mehr Erwartungen überlagert wird, je brüchiger und fragiler die Lebenswirklichkeit wird.
Macht es Sinn, in diesem Kontext noch von Berufung zu reden (diese scheint ja eine relativ stabile und berechenbare Welt vorrauszusetzen)? Führt der kleine Ausblick über die Geschichte dieses Begriffes vielleicht dazu, die biblischen Texte zum Thema Berufung neu zu sehen? Wie kann man heute zu einem fokussierten, engagierten, auf Andere bedachten Lebensstil “zur Ehre Gottes” gelangen? Wie kann man das gewöhnliche Leben wieder schätzen lernen? Oder ist es vielleicht ein Fehler, das gewöhliche Leben so mit Erwartungen zu überfrachten?
siehe: Charles Taylor, Die Quellen des Selbsts, 1994, S.373-413.
Der Tod von Jesus und Sokrates
Draußen ist es kalt und ungemütlich. Den Gedanken eines langen Sommers muss man wohl trotz Klimaerwärmung aufgeben. Stattdessen sitze ich in meinem Zimmer, höre the Weakerthans und lese vergnügt Charles Taylor (“Die Quellen des Selbst”).
In einer vielsagenden, unglaublich inspirierenden Passage schreibt Taylor darüber, wie die Reformation dazu beigetragen hat, das gewöhnliche Leben als solches wertzuschätzen. Er betrachtet dabei die Lehre von der Aufopferung Christi und den daran anknüpfenden Märtyrerkult und stellt fest, warum der christliche Märtyrer, Jesus selbst vorran, eigentlich eine starke lebensbejahende Komponente enthält.
Er vergleicht dabei die Erzählung vom (quasi Märtyrer-)Tod des Sokrates mit der Erzählung von der Passion Christi (Charley Taylor, Quellen des Selbst, 1994, S.386-389). Sokrates ist gelassen und humorvoll bei seiner Hinrichtung. Jesus hingegen ist unruhig , erleidet im Garten Gethsemane schwere Qualen und ruft verzweifelt “mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”. Sokrates bittet kurz vor seiner Hinrichtung seinen Freund Kriton, dass er Asklepios den schuldigen Hahn opfert. Asklepios war der Gott der Heilkunst, den man nachdem sein Zustand sich verbessert, ein Tier opferte. Sokrates deutet also durch diese Bitte an, dass nach dem Tod sein Zustand besser wird. Er war der Meinung durch seinen Tod verlor er nichts Wesentliches, sondern gewinnt nur dazu. Letzlich verachtet er das Leben in seiner jetzigen Form. Er steht über den Dingen, dem Leben distanziert gegenüber.
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Tillich, schwarze Steine und die DNA
Mitten in Mekka befindet sich das muslimische Zentralheiligtum, die Kaaba; ein großer schwarzer Kubus im Innenhof der großen Moschee. An der Ostseite ist auf Augenhöhe ein schwarzer Stein angebracht. Dieser Stein wird verehrt, weil der Legende nach Abraham ihn direkt vom Erzengel Gabriel erhielt und er deshalb ein Artefakt einer fremden Welt ist. Wissenschaftler vermuten, dass dies in gewisser Weise stimmt. Möglicherweise ist dieser Stein ein Meteorit. Ich hoffe ich lehne mich nicht allzuweit aus den Fenster, wenn ich behaupte, dass diese Haltung für den Islam bezeichnend ist: Man verehrt einen Splitter einer fremden Welt.
Man unterwirft sich einer fremden Autorität (Islam bedeutet ja Ergebung/Unterwefung), einer völlig erhabenen Gottheit und seinen Geboten. Dabei ist es unbedeutend, ob man die Gebote dieser Gottheit nachvollziehen kann oder nicht; man muss sogar wegen der Andersartigkeit und Erhabenheit dieser Gottheit damit rechnen, dass man sie als einfacher Mensch nicht nachvollziehen kann. Auch die Heilige Schrift des Islams ist wie ein Dokument von einer anderen Welt. Sie wird in der Orginalsprache gelesen unabhängig davon, ob man diese gut versteht oder nicht.
Paul Tillich (und nicht nur er) nennt diese Art der Theologie und Ethik heteronom. Man unterwirft sich einem fremden, unverständlichen Anderen (das kann ein Gott oder eine andere Autorität sein) und muss dieser bedingungslos folgen. Auch im Christentum gibt es Elemente, die stark heteronom sind; beispielsweise den Calvinismus. Doch während der Aufklärung, eigentlich schon durch die Reformation, wurde diese Sichtweise des Menschen, der sich fremdbestimmen lässt, immer mehr verdrängt durch ein neues Ideal vom Menschen als selbstbestimmtes, freies Wesen, dass sich im Einklang mit der universellen Vernunft selbst Gesetze gibt, sich durch sich selbst definiert und einer vernünftigen Religon nachfolgt.
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Ehre sei Gott in der…Tiefe
Thursday July 17th 2008, 15:38
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Gottkram
Eines der erste Begriffe, die Tillich quasi dekonstruiert (damals war das Wort noch nicht in Mode), ist der Begriff Gott. Er problematisiert, was mit dem Begriff Gott so oft verbunden ist: ein Wesen, dass in einer anderen Sphäre schwebt. Ein Wesen, über das man in Superlativen spricht. Ein Gott, der in der höchsten Schicht der Wirklichkeit lebt, der ein “unbesiegbarer Tyrann” ist, der alles nach seinem festen Plan regiert.Die ganze Sicht drückt sich in dem Wort “übernatürlich” aus.Gott ist ein übernatürlicher Herrscher, er ist das höchste Seiende Wesen. Wenn man sich Gott so denkt, wird entweder der Mensch zum Spielball eines allwissenden Wesens oder Gott zum Objekt menschliches Denkens, das bewiesen werden muss. Genau dies ist der Eckstein von charismatischer Theologie: Gott ist da oben und er muss sich erweisen; dies führt dann zu jenem Interventionismus, der so dringend auf das Wunder als Erweis des übernatürlichen Gottes angewiesen ist. Ob es nun das einzelne Heilungswunder oder die große Erweckung ist: ohne dies kann der Charismatiker nicht leben. Neopfingstliche Theologie wird getrieben davon, dass Ausbleiben von Heilung und Erweckung zu erklären bzw. sogenannte Schlüssel (“biblische Prinzipien”) zu finden um diese herbeizuführen. Denn würden Machterweise des übernatürlichen Gottes ausbleiben, müsste der Chariksmatiker seinen Glauben verlieren oder ihn fanatisieren; also beim Ausbleiben der Gefühle einfach etwas lauter beten, etwas stärker singen, die Augen fest zusammenkneifen und sich ganz einer emotionalen Trotzreaktion, der “Glauben” genannten Autosuggestion hingeben.
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Der vergessene Tillich
So die letzten Klausuren geschrieben. Wie kann man sich die Wartezeit, bis die nächste 24 Folge vollständig geladen ist besser vertreiben als mit nem bisschen bloggen? Alles was sie hier lesen ist übrigens in Echtzeit geschrieben ;-D So here we go:

Patrick sagte mir “Es geht heutzutage nur noch um Barth. Barth hier, Barth da. Barthkonferenzen. Barthblogs. Dabei werden andere Theologen total vernachlässigt.” Ich glaub, auch in der Emerging Szene kann es passieren, dass man vielleicht sich zu stark auf ein paar wenige Namen, sagen wir Moltmann und Wright konzentriert. Doch ähnlich wie Patrick von “God in a Shrinking Universe” merke ich langsam, dass Paul Tillich uns heute viel zu sagen hat.
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