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	<title>Failing Forward &#187; Arne erklärt die Welt</title>
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	<description>Der Blog von Arne</description>
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		<title>Was hei&#223;t denn hier &#8220;Beziehung&#8221;?</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jul 2009 15:48:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[beobachtet]]></category>
		<category><![CDATA[das Leben und so]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Hintergrund l&#228;uft Element of Crime mit Sven Regeners schwerer Whiskeystimme, den Mexikanerhut-Trompeten und den Altherrentexten zwischen trotzigem Schwermut und verspielt balladesken Liebeshymnen, die es auch nur so beinahe schaffen, nicht peinlich zu sein. Optimale Untermalung f&#252;r das Thema, welches mir f&#252;r heut Abend aufgetragen wurde. In unserem Gemeinde Emergenz-Cluster nehmen wir gerade die ersten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Hintergrund l&#228;uft Element of Crime mit Sven Regeners schwerer Whiskeystimme, den Mexikanerhut-Trompeten und den Altherrentexten zwischen trotzigem Schwermut und verspielt balladesken Liebeshymnen, die es auch nur so beinahe schaffen, nicht peinlich zu sein. Optimale Untermalung f&#252;r das Thema, welches mir f&#252;r heut Abend aufgetragen wurde. In unserem Gemeinde Emergenz-Cluster nehmen wir gerade die ersten vier Kapitel von Tom Wrights &#8220;simply christian&#8221; durch. Er meint dabei 4 Sehns&#252;chte des Menschen in unserer Zeit zu finden, die wie 4 Echoes einer l&#228;ngst verlorenen Stimme sind, die in uns nachhallt. Der Stimme Gottes.</p>
<p>Und eine dieser Echoes ist, nachdem jetzt schon die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Spiritualit&#228;t durchdekliniert wurden, die Sehnsucht nach Beziehungen. Wright meint dabei zu beobachten, dass in unserre Kultur das Reden &#252;ber Beziehungen und Gemeinschaft sprunghaft angestiegen ist. Gerade das Reden &#252;ber ein Thema, weist ja oft auf ein bestimmtes Defizit einer Kultur in diesem Bereich hin. Hier k&#246;nnte man jetzt bequem die kommunitaristische Liberalismuskritik eines Charles Taylors eintragen, aber um das jetzt aufzurollen, bin ich eindeutig zu faul. Heut abend gibt es schon genug Theoriecocktail (von Taylor &#252;ber Stanley Grenz bis Bonhoeffer).<br />
Aber. Ich bin auf ein Buch, einen Klassiker der Sozialpsychologie gesto&#223;en, den ich schon immer mal quer lesen wollte. N&#228;mlich den Beck-Gernsheim: <a href="http://www.amazon.de/Das-ganz-normale-Chaos-Liebe/dp/351838225X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1247411245&#038;sr=8-1">Das ganz normale Chaos der Liebe</a>. In diesem Buch versucht das Authorenpaar(!) die Liebes- und Paarbeziehungen in modernen, individualisierten Gesellschaften zu untersuchen. Und in dem fulminanten ersten Kapitel wird gleich mal ein glei&#223;endes Licht auf die Liebe und ihre Probleme, Aporien, &#220;berh&#246;hung und Verdrehungen geworfen. Eine der Thesen lautet: mit dem Wegfall der Transzendenz (klassisch gedacht als Gott) folgt eine Erh&#246;hung jener Unmittelbarkeit, die wir als Liebe zu bezeichnen gelernt haben. Mit dieser &#220;berh&#246;hung geht dann aber gleich die Entt&#228;uschung, die Heuschreckenexistenz einher.Ich zitiere:</p>
<p>&#8220;Der ganz allt&#228;gliche Krieg der Geschlechter, laut und leise, innerhalb, vor, nach,neben der Ehe ist vielleicht der eindringlichste Ma&#223;sstab f&#252;r den Hunger nach Liebe, mit dem die Menschen heute &#252;bereinander herfallen: paradise now! ist die Devise der Irdischen, deren Himmel und H&#246;lle entweder nirgendwo oder auf der Erde liegen. &#8230; Die Menschen heiraten um der Liebe willen und lassen sich um der Liebe willen scheiden. Die Partnerschaft wird ausstauschbar praktiziert, nihct um die die Last der Liebe endlich abzustreifen, sondern weil das Gesetz der erf&#252;llten Liebe dies verlangt. Der sp&#228;te Turmbau zu Babel, aus Scheidungsurteilen errichtet, ist ein Denkmal der entt&#228;uschten, &#252;berh&#246;hten Liebe. &#8230; Der irdische Glaube der religionslosen, scheinbar rationalen Gegenwartsmenschen ist das Du, die Suche nach der Liebe im anderen. Oft nicht eingestandenerma&#223;en, da dadurch jeder sich an etwas ausliefert, das den Prinzipien des kalkulierten Lebens wiederspricht. &#8230; Die Sucht nach Liebe ist DER Fundamentalismus der Moderne. Liebe ist religion nach der Religion, der Fundamentalismus nach der &#220;berwindung desselben. Der Gott der Privatheit ist die Liebe. Wir leben im Zeitalter des real existierenden Schlagertextes. Die Romantik hat gesiegt, die Therapeuten kassieren.&#8221;<br />
Starke Worte, auch wenn man den gleichen Zustand sicher auch weniger im Duktus des Abgesangs und einer prophetischen Gerichtsrede und mit mehr Gesp&#252;r f&#252;r die suche nach dem Unbekannten Gott halten k&#246;nnte. Nur die Szenerie ist richtig. Wir sind &#8211; wie jede Generation, die &#8220;unter der Sonne&#8221; (Prediger) und &#8220;auf verfluchten Ackerboden&#8221; (Genesis) lebt &#8211; in Aporien gerate. Und diese Situation der Zweideutigkeit n&#246;tigen uns zuder Frage: &#8220;Wie sollen wir heute lieben? Wie K&#214;NNEN wir heute lieben?&#8221;</p>
<p>Mittlerweile bin ich bei der Band Slut angekommen.</p>
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		<title>Welker zum Problem der Christologie</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 21:19:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch ein sinngem&#228;&#223;es Wellker-Zitat.
Dies ist das Paradox der Christologie. Umso ernster wir die Menschlichkeit Jesu nehmen, desto ferner r&#252;ckt er in die Vergangenheit, je erstner wir jedoch die Gegenwart Christi betonen, desto fremder wird Jesus uns.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch ein sinngem&#228;&#223;es Wellker-Zitat.</p>
<p>Dies ist das Paradox der Christologie. Umso ernster wir die Menschlichkeit Jesu nehmen, desto ferner r&#252;ckt er in die Vergangenheit, je erstner wir jedoch die Gegenwart Christi betonen, desto fremder wird Jesus uns.</p>
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		<title>[Atheism for lent - richtig zuh&#246;ren]</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 18:10:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei der Vorbereitung auf meinen Workshop setzte ich mich mit einem Freund, der sehr kritisch dem Christentum gegen&#252;bersteht, hin und erkl&#228;rte ihn, was ich vorhatte. Ich sagte ihm, dass ich sehr gerne von ihm einen Text bekommen m&#246;chte, in dem er seine Kritik am Christentum ausdr&#252;cken kann. Die Antwort, die ich bekam, war sehr zwiesp&#228;ltig. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Vorbereitung auf meinen Workshop setzte ich mich mit einem Freund, der sehr kritisch dem Christentum gegen&#252;bersteht, hin und erkl&#228;rte ihn, was ich vorhatte. Ich sagte ihm, dass ich sehr gerne von ihm einen Text bekommen m&#246;chte, in dem er seine Kritik am Christentum ausdr&#252;cken kann. Die Antwort, die ich bekam, war sehr zwiesp&#228;ltig. Zum einen freute er sich dar&#252;ber, dass er den Raum kriegen sollte, seine Sicht der Dinge zu schildern, zum anderen war er sehr kritisch: &#8220;Was soll das bringen? Ist das eine Art Ideologieschulung, wo man lernen soll mit Ungl&#228;ubigen zu argumentieren?&#8221;. Mein Freund stellte da eine sehr wichtige und f&#252;r mich bisher unbeantwortete Frage: ist es m&#246;glich, dass Gl&#228;ubige Kritik anh&#246;ren ohne sofort in den Modus der Selbstverteidigung zu verfallen, in dem sie Gegenargumente suchen? Kann auf diesem Gebiet soetwas wie Verst&#228;ndnis entstehen?</p>
<p>Merold Westphal macht dabei eine wichtige Unterscheidung die eventuell helfen k&#246;nnte, zu entscheiden, wann man von Kritik etwas lernen kann und wann es angebracht ist, zu argumentieren. Ich denke, gibt immer noch das Bed&#252;rfnis nach C.S. Lewis m&#228;&#223;iger Apologetik, also den Versuch, die logische Koh&#228;renz des Glaubens gegen Angriffe von au&#223;en darzustellen. Gerade erleben wir ja eine neue Welle von Kritik von Naturwissenschaftler (die aber in ihrer Kritik das Gebiet der Naturwissenschaft &#252;berschreiten) und jedes Jahr zu Weihnachten kommt auch der Spiegel und der Stern mit ihren sogenannten Experten hervor, die ihre &#8220;bahnbrechenden&#8221; Entdekcungen der naiven &#214;ffentlichkeit hinschmei&#223;en. Auch gibt es auf dem Stra&#223;enlevel ein furchtbares Halbwissen &#252;ber das Christentum, dass ersteinmal nach fundamentalen Informationen verlangt. Es gibt also eine Art von Kritik am Christentum, die nach einer gewissen Apologetik verlangt, n&#228;mlich den <strong>Skeptizismus.</strong> Der Skeptizismus fragt: &#8220;Ist das Christentum wahr? Ist es logisch stimmig? Wie gut kann es unsere Welt erkl&#228;ren?&#8221;. Hier treten oftmals naturwissenschaftlich geschulte Leute auf, die fragen: &#8220;Wozu Christentum wenn wir doch die Wissenschaften haben? Wir haben euren Glauben widerlegt.&#8221; Hier muss man sich nicht alles gefallen lassen, sondern darf auch mal argumentieren. Dies ist eine Kritik auf Basis einer bestimmten Vorstellung von (westlicher!) Rationalit&#228;t. Westphal versucht diese Anschaung runterzubrechen auf die Formel: &#8220;Alles was unser Netz nicht f&#228;ngt, ist kein Fisch.&#8221; oder eben: &#8220;alles, was unseren Kategorien entgeht, ist nicht existent.&#8221;</p>
<p>Aber um diese Art der Kritik geht es in dieser Serie erstmal nicht. Es geht um eine andere Art, die Westphal <strong>Verdacht</strong> nennt. Der Verdacht fragt nicht in erster Linie nach der Wahrheit sondern nach der G&#252;te des Christentums, er fragt nicht zuerst nach der Essenz, sondern nach der Funktion. Der Verdacht fragt: &#8220;Was f&#252;r Menschen produziert das Christentum? Welche Leben leben sie? Was passiert mit Menschen durch den Kontakt zum Christentum?&#8221;. Gerade wenn Teenager sich dem Christentum zuwenden, wirkt das f&#252;r das Umfeld oft befremdlich: sie reden pl&#246;tzlich von einer neuen Heimat, sie kappen sehr leichtefertig alte Verbindungen, sie entfremden sich vom Umfeld. Das ist f&#252;r manche Leute ein Erlebnis, das eine emotionale Distanz zum Christentum aufbaut, die dann daf&#252;r sorgt, noch genauer und kritischer zu beobachten, was im Christentum passiert. Die 3 Denker wiederrum, die Westphal besonders anguckt, haben teilweise eine Affinit&#228;t zum Christentum gehabt (besonders Nietzsche) und haben gemerkt, dass sie mit ihrer Art Fragen keinen Platz gefunden haben im etablierten Christentum. Diese direkten und indirekten Entt&#228;uschungen vom Christentum sorgen oftmals f&#252;r eine besondere Art von Kritik, die viel sch&#228;rfer aus der Beobachtung des Glaubens heraus resultiert. Von dieser Kritik k&#246;nnen wir lernen.</p>
<p>Meistens jedoch vermischen sich beide Formen der Kritik in Statements von Personen. Vielleicht ist eine erste, wenn auch an der Oberfl&#228;che bleibende, Antwort zu der Frage, ob es &#252;berhaupt soetwas wie echtes Zuh&#246;ren bei diesem Bereich gibt, die Antwort: echtes Zuh&#246;ren sucht nach diesen Spuren des Verdachts, es sucht nach den dahinter liegenden Geschichten, es l&#228;sst einen Raum f&#252;r Frustrationen, Entt&#228;uschungen und Schicksale, die Menschen mit dem Christentum erlebt haben. Und f&#252;r unsere Themenreihe kommt noch eines hinzu: es l&#228;sst die Fragen und die Kritik des Verdachts auf sich wirken. Auch wenn solche Kritik oft &#228;tzend wirkt (wie eben Zynismus immer ist), so k&#246;nnen wir uns gelassen dem aussetzen, weil wir wissen, dass Kritik fnicht das Wesentliche unseres Glaubens zerst&#246;ren kann, n&#228;mlich die radikale Gnade Gottes durch Jesus Christus, die unsere kleinen Versuche der Moral, unsere mickrige Spiritualit&#228;t und unsere zu engen Konzepte des Glaubens &#252;bersteigt. Noch zwei Zitate:</p>
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<p class="MsoNoSpacingCxSpFirst">„Ohne Ohren, die die Stimme der Au&#223;enstehenden h&#246;ren, vergessen wir schnell, dass „unsere Erkenntnis St&#252;ckwerk ist“, dass wir jetzt wie in einen „dunklen Spiegel nur r&#228;tselhafte Umrisse“ erkennen (1.Kor. 13). Unsere Interpretationen k&#246;nnen den Eindruck von Endg&#252;ltigkeit erwecken. Wenn unsere Gemeinschaft Opfer der gr&#246;&#223;ten interpretativen Verlockungen werden, ist es oft nur der Au&#223;enstehende, der uns zurechtweisen kann. Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, die Fertigkeiten, Gewohnheiten und Anlagen zu entwickeln, um auf den Au&#223;enstehenden zu h&#246;ren, verfallen wir der interpretativen Arroganz. Wir werden denken unser Wort sei Gottes Wort. Konformit&#228;t wird Treue als Ma&#223;stab ersetzen.“</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle"><span lang="EN-US">(Jones, Reading in Communion, zitiert in Westphal, Faith &#038; Suspicion, S. 284.) </span></p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle"><span lang="EN-US"> </span></p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">“Kein Gedanke kann mich von Christus trennen. Solange ich noch irgendeinen Gedanken, der je gedacht wurde, aus Philosophie oder Fremdreligion, aus der Diskussion Glaube und Naturwissenschaft, aus konservativer oder modernistischer Theologie, irgendeinen Gedanken, der mich von au&#223;en erreicht oder von in mir aufsteigt, <em>f&#252;rchten </em>muss, solange glaube ich nicht: Herr ist Jesus! Das Verdr&#228;ngen gef&#228;hrlicher Gedanken macht nicht frei, sondern fanatisch.“</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">(Kettling, Siegfried, …und ihr sollt auch leben, S. 46 f.)</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpLast">
<p>.</p>
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		<title>[ich will wieder Web 1.0] Fotos und narrative Identit&#228;t</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2009 22:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter hat mir grad einen witzigen Ansto&#223; und eine Steilvorlage gegeben um &#252;ber ein Thema zu bloggen, das mir schon lange &#8220;in den Fingern lag&#8221;: n&#228;mlich nochmal einen halb kritischen Blick auf die Entwicklungen in Web 2.0 zu werfen.
Also bei Peter ging es um Fotos in den Communities wie StudiVZ und Facebook (die ja eben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/2009/02/23/peters-gedanken/totaaal-ernst-gemeint/profilbilder">Peter</a> hat mir grad einen witzigen Ansto&#223; und eine Steilvorlage gegeben um &#252;ber ein Thema zu bloggen, das mir schon lange &#8220;in den Fingern lag&#8221;: n&#228;mlich nochmal einen halb kritischen Blick auf die Entwicklungen in Web 2.0 zu werfen.</p>
<p>Also bei Peter ging es um Fotos in den Communities wie StudiVZ und Facebook (die ja eben jeweils ein anderes Publikum ansprechen; StudiVZ eher so die breite Studentenschaft und Facebook alle die, die mehr so auf kosmopolitisch machen).</p>
<p>Du hast ja immer zwei M&#246;glichkeiten, k&#246;rperlich in diesen Communities abgebildet zu werden: a) du l&#228;dts selber Bilder hoch; am besten welche die du zielgerichtet daf&#252;r gemacht hast (seltene der Fall) und b) du wirst verlinkt (h&#228;ufig der Fall).</p>
<p>Ich glaube aber beides ist eine Art, Identit&#228;t zu konstruieren. Gehen wir mal davon aus, dass der Mensch ein geschichtenerz&#228;hlendes Tier ist. Wenn du eine Erfahrung machst, machst du nie einfach eine Erfahrung. Du musst diese Erfahrung verdoppeln, indem du sie in Sprache und schlie&#223;lich in eine Geschichte packst. Dabei beh&#228;lt diese Erfahrung nicht die Form: du w&#228;hlst aus, du schm&#252;ckst aus. Wenn die Erfahrung eine Zitrone ist, dann ist der Prozess des Geschichtenerz&#228;hlens das Auspressen und der fertige mit anderen S&#228;ften vermischte Saft die fertige Geschichte. (Ach&#8230;doofes Beispiel, aber ihr versteht.)</p>
<p>Und so passiert das auf jeder Party, auf jeden Urlaub und wenn anderen peinliche Dinge passieren: wir bleiben mit der Erfahrung nicht gern allein, wir erz&#228;hlen Geschichten.</p>
<p>Und diese Fotos kann man eben vielleicht auch als kleine Geschichten begreifen, die etwas dar&#252;ber erz&#228;hlen solleb, wie wild die Party und wie wundervoll die Hochzeit war und nat&#252;rlich was f&#252;r ein stylischer Typ man selbst ist.Mich irritierte das zun&#228;chst, dass seitdem es in jedem Feuerzeug einen eingebauten Fotoapparat gibt, manche Menschen einfach st&#228;n-dig fotographieren m&#252;ssen. Es scheint, als ob sie gar nicht mehr richtig aus erster Hand genie&#223;en k&#246;nnen (so viel zum Thema: Hedonismus in der Postmoderne) sondern immer die Realit&#228;t gleich in eine Geschichte, in einen Schnapschu&#223; innerlich verwandeln.  Das hat Olli Schulz, der ja selbst gern die ein oder andere Story erz&#228;hlt, mal auf nem Konzert kommentiert, weil immer alle Leute nur noch mit ihrem Pixelhandy ihn filmen anstatt sich direkt der Erfahrung seiner Musik auszusetzen:</p>
<p><a href="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/2009/02/24/ich-will-wieder-web-10-fotos-und-narrative-identitat/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p>
<p>Aber will man die Postmoderne in ihrer Radikalit&#228;t mitmachen, dann muss man entweder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parkour">Parkour</a> laufen oder radikaler Konstruktivist werden und wie ihr wisst: ich bin halt irgendwie sowohl faul als auch unsportlich also doch Konstruktivismus? Denn der Konstruktivist f&#228;nde dieses Gerede davon, dass man mit dem ganzen Fotographieren und der Selbstdarstellung das ganze Leben irgendwie unauthentisch macht, ziemlich naiv. Der w&#252;rde sagen, dass das alles romatnsicher K&#228;se ist. Was ist denn der Mensch au&#223;er der Geschichte, die er erz&#228;hlt? Gibt es denn das reine Erlebnis, das direkte erleben? Und was soll das sein, wenn es au&#223;erhalb der Sprache liegt?</p>
<p>&#220;bertragen auf die Fotos auf den Web 2.0 Plattformen: Ist auch der K&#246;rper, der hier in Szene gesetzt, ins rechte Licht ger&#252;ckt, aus den richtigen Winkel fotographiert wird etwas anderes als dieses Bild? Gibt es denn tats&#228;chlich etwas hinter diesen Bild oder sind wir nicht daran gew&#246;hnt, die Welt in Ausschnitten, aus Perspektiven zu sehen, dass diese Bilder nicht letztlich eine starke R&#252;ckwirkung darauf h&#228;tten (wenn wir die Person &#8220;in echt&#8221; kennen w&#252;rden) wie wir den K&#246;rper sehen? Gibt es etwas au&#223;erhalb dieser Geschichten, dieser Bilder und dieser Konstruktionen? Oder ist es wie Nietzsche sagt: nimm die Perspektiven weg und du nimmst die Welt weg? Oder trifft die erste Sicht zu: durch diese Art, die Welt st&#228;ndig konstruieren zu m&#252;ssen, stirbt das unmittelbare Erleben, stirbt das authentische, stirbt die Wahrheit hinter den Konstrukten?</p>
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		<title>Glauben als &#8216;double vision&#8217;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Feb 2009 12:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[*oh wie bitter. Ich hab den halben Text fertig getippt, als der dann durch ein time-out verloren ging. Wei&#223; irgendjemand ein Browser plugin, welches eingegebene Texte f&#252;r den Fall eines Absturzes zwischenspeichert?*
Ich habe mich lange gefragt, wie das Verh&#228;ltnis vom Glaube zu dem, was man &#8220;Realit&#228;t, echtes Leben, die Welt da drau&#223;en&#8221; nennt, ist. Meine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>*oh wie bitter. Ich hab den halben Text fertig getippt, als der dann durch ein time-out verloren ging. Wei&#223; irgendjemand ein Browser plugin, welches eingegebene Texte f&#252;r den Fall eines Absturzes zwischenspeichert?*</p>
<p>Ich habe mich lange gefragt, wie das Verh&#228;ltnis vom Glaube zu dem, was man &#8220;Realit&#228;t, echtes Leben, die Welt da drau&#223;en&#8221; nennt, ist. Meine Geschichte f&#228;ngt an mit dem Kontakt zur sogenannten Glaubensbewegung, die im evangelikal-charismatischen Umfeld ihre Lehren verbreitet. Diese zitiert gerne Hebr&#228;er 11:1: &#8220;Es ist aber im Glauben eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichttzweifeln an dem, was man nicht sieht&#8221;. Nun wird der Glaube der empirischen Realit&#228;t entgegengesetzt. Der Glaube bezieht sich auf Tatsachen, die die nicht-sichtbare Welt &#252;bersteigen. In einem Move, der Kierkegaard &#8220;Sprung&#8221; nicht unn&#228;hnlich ist, soll man sich entscheiden nicht seiner Erfahrung und nicht seiner rationalen Beobachtung der Welt zu vertrauen, sondern der Bibel und ihren Tatsachen. So bin ich &#8220;in Christus&#8221; bereits ein neuer Mensch auch wenn ich wenig davon sp&#252;re. Das Resultat dieses Sprungs ist oft ein schwindeleregendes Hinauswachsen &#252;ber sich selbst. Eine (Selbst-)transzendenz. Dieses theologisch-existentielle Konstrukt wurde sp&#228;ter mit anderen Inhalten verbunden. So zum Beispiel mit der charismatischen Sehnsucht nach Wundern und Erweckung und mit den amerikanischen Werten von Erfolg und Wohlergehen. So wurde das alles ein bisschen &#8220;weird&#8221;. Ganz schnell verliert man so auch die Bodenhaftung, wertet die empirische Realit&#228;t ab, flieht vor dem harten Alltagsgesch&#228;ft, das wir Leben nennen, in andere Sph&#228;ren. Man droht sich v&#246;llig im ekstatischen Drogengl&#252;ck der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gnosis">Gnosis</a> zu verlieren.</p>
<p><span id="more-244"></span> Doch bevor dies passieren konnte, f&#252;hrte mich Gott auf einen anderen Weg. Er forderte mich herraus, mehr in Kontakt zu kommen, mit der Realit&#228;t. Ich lernte, Gott in der allt&#228;glichen Welt zu entdecken, lernte &#8211; nicht zuletzt durch die Besch&#228;ftigung mit der Emerging Conversation &#8211; dass Zweifel ein Teil des Glaubens sind und diesem nicht entgegenstehen. Ich lernte, offen zu sein, f&#252;r andere Deutungen der Welt, der Bibel und des Lebens. Eine neue Vokabel bereicherte meinen Wortschatz: Inkarnation. Ich lernte, mitten unter den Menschen zu leben, ihre Lebenserfahrung zu teilen, ihnen zuzuh&#246;ren, von meinen Erfahrungen zu reden. Ich lernte die Komplexe, Ambivalente und oft auch Absurde Seite des Lebens kennen und lernte, diese nicht zu verdr&#228;ngen. Nur drohte dieses Leben ein bisschen kraftlos, ein bisschen inhaltsleer zu werden, da ich meine Erfahrungen nicht mehr mit den Vokabeln des Glaubens in Verbindung bringen konnte. Der Glaube drohte zu versumpfen in dem &#8220;real existierenden Leben&#8221;. Die Erfahrung des Hinauswachsens, der (Selbst-)Transzendenz fehlte.</p>
<p>Wie kann man nun einen Glauben leben, der weder versumpft im Alltagsgesch&#228;ft noch abhebt und <img height="206" width="151" align="right" alt="doublevision.jpg" id="image245" title="doublevision.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2009/02/doublevision.jpg" />vor der Realit&#228;t fl&#252;chtet?</p>
<p>Vielleicht ist die Metapher der &#8220;double vision&#8221; ein Anfang. Es ist f&#252;r mich klar, dass Glaube etwas mit einer ver&#228;nderten Wahrnehmung zu tun hat. Vielleicht ist ja Glaube eine verdoppelte Sicht der Welt. Die allt&#228;gliche Erfahrung ist der Stoff, aus dem der Glaube erw&#228;chst. Doch -um mal kurz philosophisch zu werden &#8211; das ist doch die Wahrheit des Konstruktivismus: Realit&#228;t wird durch Sprache konstruiert. Die Vokabeln, die du wie ein Raster &#252;ber die Welt legst, entscheiden dar&#252;ber, wie du die Welt erf&#228;hrst. Vielleicht ist und bleibt es der Job des Glaubens, die Vokbabeln Gottes zu lernen?</p>
<p>Ich w&#252;rde sagen: es gibt diese zwei Bereiche. Einmal das, was wir vielleicht Lebenserfahrung nennen und dann das, was wir in der Bibel finden und zun&#228;chst nichts mit unserer unmittelbahren Erfahrung zu tun zu haben scheint doch was uns den Blick &#246;ffnen kann f&#252;r eine neue Art von Erfahrung.</p>
<p>Ich denke, ich muss lernen, mit zwei sich &#252;berlgernden Blicken die Welt zu sehen. Die Augen des Glaubens, die &#8220;sehen, was noch nicht ist, als w&#228;re es schon&#8221; und die Augen der Erfahrung, die sich trauen, die Welt zu sehen, wie sie ist.</p>
<p>Ich denke, dieses Mittel, dass die Glaubensbewegung mit dem d&#228;nischen Philosophen Kierkegaard gemein zu haben scheint, n&#228;mlich der Sprung &#252;ber das Empirische hinaus, bleibt irgendwie aktuell. Wir m&#252;ssen Entscheidungen treffen, Vertrauen fassen und unsere Sicht der Realit&#228;t durch die Texte des Glaubens herrausfordern lassen. Und andererseits d&#252;rfen wir nicht abdriften. Aus Glaube darf nicht Autosuggestion werden. Das Allt&#228;gliche, das Absurde des Lebens bleibt, Fragen bleiben, Fragilit&#228;t bleibt. Doch nur in dieser Spannung, nur im Brennpunkt dieser beiden Linsen, kann das Reich Gottes in uns und in der Welt entstehen.</p>
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		<title>Rebellion und rote Ampeln</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2009 14:09:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Szenekram]]></category>

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Im Werke Max Goldt’s findet sich manches Schmunzelnswertes, manche falsche Prophetie (z.B. prophezeite er in den 90ern das restlose Verschwinden von Messenger Bags sah aber das Verschwinden von Telefaxen keineswegs voraus), aber es gibt nur eine Aussage, die im platonischen Sinne als Wahrheit, als die Wahrheit selbst angesehen werden kann. Und selbst diese [...]]]></description>
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<p class="MsoNoSpacingCxSpFirst">Im Werke Max Goldt’s findet sich manches Schmunzelnswertes, manche falsche Prophetie (z.B. prophezeite er in den 90ern das restlose Verschwinden von Messenger Bags sah aber das Verschwinden von Telefaxen keineswegs voraus), aber es gibt nur eine Aussage, die im platonischen Sinne als Wahrheit, als <em>die Wahrheit selbst</em> angesehen werden kann. Und selbst diese ist nur andeutungsweise formuliert.</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">Es hei&#223;t im Text „Knallfluchttourismus“ da:<img height="165" align="left" width="69" title="pmod0162.JPG" id="image240" alt="pmod0162.JPG" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2009/01/pmod0162.JPG" /></p>
<p style="margin-left: 35.4pt" class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">„Gelegentlich liebe ich es, mich fremder Bestimmung auszuliefern. Normalerweise sagt mir nie einer, was ich tun soll, alles entscheide ich selbst. […] Wunderbar ist es, an einer roten Fu&#223;g&#228;ngerampel auch dann stehen zubleiben, wenn alle anderen Passanten es f&#252;r n&#246;tig halten, wie rebellische Teenager zwischen den fahrenden Autos herumzuhecheln. Mir wird von oben, von einer s&#252;&#223;en anonymen Macht, eine Pause angeboten und ich bin so entgegenkommend, dieses Angebot anzunehmen, indem ich friedensreich verharre. Warum soll ich unentwegt um Souver&#228;nit&#228;t und Unabh&#228;ngigkeit ringen? Ich bin doch kein pubertierender Zwergstaat. Der rote Mann bietet mir eine freie Minute an und ich als freier Mann knabbere den Zeitsnack gern. Sich kurz und freiwillig dem Gehei&#223; des roten Mannes zu unterwerfen erspart einem –nicht zuletzt- den Gang zur Domina. Sich einem harmlosen Diktat ganz selbstverst&#228;ndlich zu f&#252;gen ist eine s&#252;&#223;e und runde Sache. Da denke ich: >>Eine mir unbekannte Autorit&#228;t verbietet mir etwas und mir regt sich kein Widerstand. Ich beginne zu ahnen, was Frieden sein k&#246;nnte.<<“</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">Eine sehr gute Beschreibung, auch wenn sie noch nicht weit genug geht. Denn es handelt sich hier um den letzten revolution&#228;ren Akt, den letzten Akt der Selbstvergewisserung. Das muss ich erkl&#228;ren. Wenn man in seiner Pers&#246;nlichkeit etwas hat, einen Drang nach Freiheit und Lebendigkeit, der sich dadurch definiert, dass man den Gesetzen, Notwendigkeiten und Zuschreibungen dieser Gesellschaft entkommen will, dann hat man es schwer.  Denn, was macht man in einer Gesellschaft ohne Grenzen, ohne Tabus, ohne traditionelle Werte und ohne Entr&#252;stung? Eine Gesellscahft, in der jedes vermeintliche Tabu schon von den Eltern gebrochen wurde, in der jede Grenze auf RTL von sogenannten Comedians in massenkompatiblen Zynismen &#252;berschritten wird und in dem die Masse die Aristokratie ist, also diejenigen, die sich dadurch definieren, dass sie sich von der Masse abheben? Wie will man rebellieren, wenn Punk Mainstream ist? Wenn alle Autorit&#228;ten auf der Kumpelebene kommunizieren? Wie rebellieren, wenn man dem Dikatat, des Utilitarismus unterworfen ist: Tue, was dir Spass macht! Tue, was dich selbst voran bringt! Handle stets so, dass du „gl&#252;cklich“, „authentisch“ und effizient dein Leben begehst und lass dich von nichts davon abbringen, es sei denn, es gef&#228;hrdet den Anderen, das selbe zu tun.</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">Da sa&#223; ich neulich mit einer Bekannten aus Berlin – manch einem mag ihr Text aus meinem Seminar aufm Emergent Forum noch erinerlich sein – die sich nach einer evangelikalen Jugendzeit vom christlichen Glauben abgewendet hat, bei nem Wein an einer Bar und unterhielten uns. „Das Problem ist, fr&#252;her hatte ich Verbote gegen die ich rebellieren konnte. Jetzt ist alles erlaubt.“</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">In einer liberaldemokratischen Gesellschaft bleibt nur wenig zum rebellieren: du kannst Ausschwitz leugnen und Nazi werden, Darwin leugnen und Fundamentalist werden oder du kannst den Drang nach Rebellion und Authentizit&#228;t leugnen und an roten Ampeln stehen bleiben.</p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle"><p><a href="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/2009/01/11/rebellion-und-rote-ampeln/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
<p class="MsoNoSpacingCxSpMiddle">
<p class="MsoNoSpacingCxSpLast">Denn Freiheit bedeutet, freiwillig an roten Ampel stehen zu bleiben.</p>
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		<title>die Fl&#252;che in Genesis; heute: &#8220;Beziehung&#8221;.</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Dec 2008 19:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist nur eine schnelle Skizze. Seit einiger Zeit verfolgen mich die Fl&#252;che in Genesis 3. Ja die nach der Sache mit dem S&#252;ndenfall: &#8220;Feindschaft setze ich zwischen&#8230;&#8221;, &#8220;Verflucht sei der Acker um deinetwillen&#8230;&#8221;,&#8221;Unter Schmerzen sollst du&#8230;&#8221;, &#8220;Du hast verlangen nach deinem Mann&#8230;&#8221;, &#8220;Dornen und Disteln wird er dir wachsen&#8221;.
Nun ist es zur Zeit m&#228;chtig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist nur eine schnelle Skizze. Seit einiger Zeit verfolgen mich die Fl&#252;che in Genesis 3. Ja die nach der Sache mit dem S&#252;ndenfall: &#8220;Feindschaft setze ich zwischen&#8230;&#8221;, &#8220;Verflucht sei der Acker um deinetwillen&#8230;&#8221;,&#8221;Unter Schmerzen sollst du&#8230;&#8221;, &#8220;Du hast verlangen nach deinem Mann&#8230;&#8221;, &#8220;Dornen und Disteln wird er dir wachsen&#8221;.</p>
<p>Nun ist es zur Zeit m&#228;chtig &#8220;in&#8221; sich gar nicht zu viel aus der S&#252;ndenfallgeschichte zu machen. Zu viel Schindluder wurde damit getrieben. Leute wurde in eine passive Selbstzerfleischung, in Abh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber einer Priesterkaste, in einen Zustand permanenter Unm&#252;ndigkeit getrieben. S&#252;ndenfall, Urs&#252;nde, radikale Gnade: raus, raus, raus!</p>
<p>Da ich mich gern auch mal mit der Aura des Altmodischen umgebe, gehe ich da nicht ganz mit. Zu viel Sinn macht in meiner Erfahrung diese Geschichte, wiewohl mir nicht immer die herrschende Lesart dieser Geschichten sinnvoll erscheint.</p>
<p>Seit einiger Zeit geistert mir eine unausgegorene Lesart dieser Geschichten (und in einen bedeutendem Sinne ist der Rest von der Urgeschichte nur eine Auslegung dieser &#8220;Fl&#252;che&#8221;) im Kopfe herum. Freilich weder innovativ noch wissenschaftlich gest&#252;tzt will ich diese Auslegung mal in den Raum werfen.</p>
<p>Was w&#228;re, wenn die Erl&#246;sungsbed&#252;rftigkeit des Menschen nicht an einem abstrakten, ontologisch-moralischen Makel l&#228;ge, der mit durch den Geschlechtsakt weitergegeben wird (die verfehlte Anschauung einer &#8220;Erb&#8221;s&#252;nde), sondern sie -wie Tillich und andere vorher behaupteten- darin best&#252;nde, das wir Menschen in &#8220;b&#246;sen&#8221; Strukturen und im Zustand der Entfremung lebten? Um daran zu kommen, m&#252;sste man Genesis durch die Augen des Buch Kohelets/Prediger lesen.</p>
<p>Zweideutigkeit, Ambivalenz, Fernabstehen vom Leben, Frustration, der Abgrund oder wie man das auch immer ausdr&#252;cken will.</p>
<p>Nehmen wir ein Beispiel: &#8220;Dein Begehren wird nach dem Manne sein, doch er wird &#252;ber dich herrschen.&#8221;</p>
<p><img height="215" width="299" id="image234" alt="kuss.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/12/kuss.jpg" /></p>
<p>Wenn wir den Text einmal anachronistisch lesen und die Umschreibung eines Patriarchats hinaussubtrahieren, dann haben wir vielleicht den Kern der Tragik jenes Konzeptes, das wir heute &#8220;Beziehung&#8221; nennen. Neulich las ich, dass die Tragik des (Zwischen-)menschlichen darin best&#252;nde, dass wir ein Bewu&#223;tsein haben, dass sich nahezu unendlich viele Leben ausmalen kann aber das wir uns mit unserem K&#246;rper an ein konkretes Leben zu binden haben. Zu diesem Grundproblem kommt eine kulturelle Konstellation, in der es nicht &#252;blich ist, sich zu binden. Mobilit&#228;t, Flexibilit&#228;t, die Existenz eines Nomaden. Abraham als Archetyp einer Generation, die das &#8220;Haus ihres Vater verl&#228;sst um in ein Land zu ziehen, dass sich da zeigen wird&#8221;. Diese beiden Konstellationen werden in eine intime Beziehung mitgenommen und treffen hier auf ein weiteres Problem: die Ungleichverteilung des Begehrens. Nicht selten hat man einen Teil, der voll des Begehrens, des Exzesses und des &#220;berschwanges ist und einen Teil der mit einem gr&#246;&#223;eren Ma&#223; an Kalk&#252;l eine Beziehung beginnt. In diesem Klima des ungleichen Begehrens entsteht nun Macht. Wechselseitige Manipulation, Ausreizen der Grenzen, Drohungen, Ausnutzung der Verletzlichkeit (gerade letzteres spielt ja oft beim Flirten eine gewisse Rolle). Dies alles ist heutzutage nicht mehr so allgemein auf M&#228;nner (als der starke Part) und Frauen (als der emotionale Part) anzuwenden; aber es deutet vielleicht eine Grundstruktur an, die wir heute oft wiederfinden und die das Prek&#228;re des Konzepts &#8220;Beziehung&#8221; ausmacht.</p>
<p>Dies ist jetzt nur eine Skizze, die noch jegliche Absicherung am Text vermissen l&#228;sst (ich meine mich aber zu erinnern, dass die Worte &#8220;begehren&#8221; und &#8220;herrschen&#8221; an prominenten Stellen von Genesis wieder vielsagend auftauchen). Es geht ja auch nicht nur um den Gegenstand selbst, sondern um die Frage: macht es Sinn, wenn wir S&#252;nde als diesen prek&#228;ren, entfremdeten, zweideutigen, tragischen Zustand und die daraus entstehenden Taten beschreiben?  Ist diese Lesart zu gewagt? Oder ist sie vielleicht nicht radikal genug (der postmoderne Denker w&#252;rde ja grundst&#228;zlich gegen den Begriff Entfremdung sein, da dieser ja so etwas wie die M&#246;glichkeit eines &#8220;Wiederfindens&#8221; beinhaltet)?</p>
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		<title>Exklusion &amp; Embrace &#8211; Die Anatomie und die Dynamik der Ausgrenzung</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Nov 2008 20:35:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Karlsruhe: Ich sitze in der Bahn als gerade eine Horde Ghettot&#252;rken einsteigt: furchtbare Vokuhilas, Parf&#252;mwolken, Pseudogangsteroutfit und sonstige peinliche Accesoirs wie G&#252;rtelschnallen etc. Laut und primtiv wird durch die halbe Bahn gebr&#252;llt. Aus den Boxen ihrer geilen Handys kommt billiger Gangsterrap, dabei haben die Handys nicht mal Bass. &#8220;Ey Alter, guck ma hier, die Alte!&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Karlsruhe: Ich sitze in der Bahn als gerade eine Horde Ghettot&#252;rken einsteigt: furchtbare Vokuhilas, Parf&#252;mwolken, Pseudogangsteroutfit und sonstige peinliche Accesoirs wie G&#252;rtelschnallen etc. Laut und primtiv wird durch die halbe Bahn gebr&#252;llt. Aus den Boxen ihrer geilen Handys kommt billiger Gangsterrap, dabei haben die Handys nicht mal Bass. &#8220;Ey Alter, guck ma hier, die Alte!&#8221; Und es werden dumme Pornobilder rumgezeigt. Ich rolle die Augen: &#8220;solche Affen&#8221; denke ich mir. Was w&#252;rde ich geben, wenn die da von irgendnem Schaffner entfernt werden. W&#228;r die Welt wirklich ein so furchtbarer Ort, wenn diese Leute gar nicht existieren w&#252;rden?</p>
<p><img height="201" width="245" align="left" alt="00209r.jpg" id="image227" title="00209r.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/11/00209r.jpg" /></p>
<p>Ausgrenzung. Ausgrenzung hat etwas mit Identit&#228;t zu tun. Wenn ich meine/unsere Identit&#228;t konstruiere, ziehe ich einen Kreis um mich. Ich hebe mich von anderen ab. Dieser Vorgang ist noch nicht Ausgrenzung, es ist erstmal Differenzierung. Ich sage: &#8220;das ist nicht mein Weg.&#8221; &#8220;Vokuhilas w&#228;ren jetzt nicht un-be-dingt mein Stil.&#8221;. Aber aus Differnzierung wird schnell Ausgrenzung, wenn die Kategorie &#8220;Reinheit&#8221; dazugenommen wird. Wenn in Frankreich nach einer reinen franz&#246;sischen Sprache gesucht wird, die von allen Anglizismen be-reinigt wird, geht es vielleicht um eine kulturelle Aussage aber gleichzeitig wird vielleicht der Andere nicht mehr als Bereicherung sondern als Verschmutzung unserer reinen Welt betrachtet. Der Andere wird schnell reduziert, ausgesto&#223;en und abgetrennt. Die Suche nach einer reinen Sprache, nach einer reinen Rasse, nach einem reinen Territorialstaat, nach der einen reinen Vernunft; all das sind strukturell (! nicht inhaltlich) verwandte Ziele.</p>
<p><span id="more-228"></span> Wenn wir uns als die reinen betrachten, dann gibt es verschiedene Versionen mit dem Unreinen umzugehen.</p>
<p>Zun&#228;chst kann man es eliminieren. Das ist, was unter dem Euphemismus &#8220;ethnische S&#228;uberung&#8221; in Bosnien und Ruanda passiert ist.</p>
<p>Oder man versucht das Andere zu assimilieren. Die Andersartigkeit des Anderen wird zerst&#246;rt oder reduziert. &#8220;D&#246;ner ja, Kopftuch nein&#8221;. Kurz gesagt.</p>
<p>Dann kann man das Andere unterwerfen und es dominieren. Wenn man das andere in Ghettos gezw&#228;ngt hat, kann man es kontrollieren und ausbeuten oder es einfach sich selbst &#252;berlassen. Ignoranz ist auch eine Form der Ausgrenzung (man denke an die Geschichte vom Barmherzigen Samariter).</p>
<p>Es gibt noch Andere Gr&#252;nde f&#252;r die Ausgrenzung au&#223;er der Suche nach Reinheit. Zum Anderen das was Psychoanalytiker in der Folge von Freud &#8220;Abspaltung und Projektion&#8221; genannt haben. Wir entdecken etwas in uns, das mit unserem Verst&#228;ndnis von uns, unserer Identit&#228;t, nicht &#252;bereinstimmt; etwas, das dort nicht sein DARF. Also projezieren wir die Schuldgef&#252;hle daf&#252;r auf den Anderen. Das beste Beispiel ist sicherlich der Prediger, der leidenschaftlich gegen Homosexualit&#228;t predigt weil er &#252;ber die Unsicherheiten und zweideutigen Gef&#252;hle in sich selbst hinwegt&#228;uschen will. Volf schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Manchmal ist die Entmenschlischung und die darauf Folgende Mi&#223;handlung eine Projektion usneres individuellen oder kollektiven Selbsthasses. Wir verfolgen andere weil wir mit der Fremdheit in uns nicht zurechtkommen. Andere werden zu S&#252;ndeb&#246;cken, die wir als Deponie f&#252;r unsere eigenen S&#252;nden und Schw&#228;chen brauchen, damit wir die Illusion unserer eigenen S&#252;ndlosigkeit und St&#228;rke aufrecht erhalten k&#246;nnen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Oder andersgesagt: wir brauchen Opfer, die wir kollektiv als uncool bezeichnen, um uns selbst als cool zu f&#252;hlen.  Die Starken brauchen die Schwachen, die Sch&#246;nen die H&#228;&#223;lichen, die Intellektuellen, die &#8220;Idioten dort dr&#252;ben&#8221;.</p>
<p>Ein Anderer Grund ist, dass der Ander unsrere kulturelle Landkarte durcheinanderbringt, die akzeptierten Grenzen verwischt und unsere Identit&#228;t st&#246;rt. &#8220;Sowas macht man einfach nicht. Man h&#246;rt im Bus nicht laut Musik. Man unterh&#228;llt sich nicht so laut, dass man andere st&#246;rt.&#8221;. Das Durchbrechen von allgemein anerkannten Verhaltensregeln sch&#252;rt eine stille Wut. Irgendwie w&#252;rde man doch gerne einmal, nur einmal aufstehen und zur Not auch der Dummheit rechts und links eine batschen.</p>
<p>Doch wieso reden wir von Exklusion? Europa hat doch eine beispielhafte Erfolggeschichte der Inklusion aufzuweisen. &#8220;Not the color of your skin but the content of your charakter&#8221; hallt es gerade in diesen Tagen nach. Wir haben Frauen, und Schwarze integriert, Sklaverei abgeschafft. Aber Volf betont, dass die Ausgrenzung auch in der DNA der westlichen Kultur verankert ist. Gerade die Vorstellung der eigenen &#220;berlegenheit macht den Westen anf&#228;llig f&#252;r Imperialismus und Kollonialismus. Aber auch in der Kultur wird das Gute, Gerechte, Normale produziert indem das Unmoralische, Ungerechte und Kranke ausgesto&#223;en wird. Dies sind Mechanismen der Moderne, die Nietzsche und Foucault beschrieben haben. Wir k&#246;nnen nur die Toleranten sein, indem wir ein Intolerantes Feindbild produzieren; dieses hei&#223;t: Fundamentalismus und es ist nicht nur der Feind sondern in Wirklichkeit der Eckpfeiler der modernen Identit&#228;t.<br />
Heidelberg: Es gibt viele Studenten aus verschiedenen L&#228;ndern. Ein gedeihliches und w&#252;rdevolles Miteinander der Kulturen. Nat&#252;rlich gibt es auch Assis. Aber die wurden sch&#246;n ausgelagert. In die Ghettos. In entfertnere Stadteile wie Boxberg oder Emertsgrund. Nur selten wagen sich Horden von Assis in die die Innenstadt. Die geballte Macht der Intelligenz sch&#252;chtert sie ein. Sie ernten hier f&#252;r ihr Verhalten nur ver&#228;chtliche Blicke. Zwei Ghettoleute besteigen den Bus. Sie beginnen sich lautstark &#252;ber typische Ghettothemen zu unterhalten bis pl&#246;tzlich einer sagt: &#8220;Alter, was sollen denn die Leute hier denken. Die denken bestimmt wir sind die totalen Assis&#8221;. Ich l&#228;chle. Die Domestikation scheint zu funktionieren. In dieser Enklave der Vernunft wird endlich die Dummheit erstickt. So sollte es sein.</p>
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		<title>der Imperativ der Lust</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2008 12:59:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Es begab sich dareinst vor ca. 1,5 Jahren, da verbrachte ich doch einen nett zu nennenden Abend mit einem h&#252;bsch zu nennenden M&#228;dchen in einer Tanzlokalit&#228;t. Der Abend m&#252;ndete tanzerderweise in den Morgen und so stand man pl&#246;tzlich in der N&#228;he meines Studentenwohnheimes.
&#220;brigens: das ist nat&#252;rlich eine Szene die oft verfilmt, parodiert und persiflagiert worden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es begab sich dareinst vor ca. 1,5 Jahren, da verbrachte ich doch einen nett zu nennenden Abend mit einem h&#252;bsch zu nennenden M&#228;dchen in einer Tanzlokalit&#228;t. Der Abend m&#252;ndete tanzerderweise in den Morgen und so stand man pl&#246;tzlich in der N&#228;he meines Studentenwohnheimes.</p>
<p>&#220;brigens: das ist nat&#252;rlich eine Szene die oft verfilmt, parodiert und persiflagiert worden ist. Am besten gef&#228;llt mir folgender fiktiver Dialog: Er: &#8220;Willst du noch mit rauf kommen auf nen Kaffee?&#8221; Sie:&#8221;Ich trink gar keinen Kaffee.&#8221; Er:&#8221;Ich hab auch keinen da.&#8221;</p>
<p>Aber an diesem Abend fielen keinerlei dieser Floskeln. Man umarmte sich, verabschiedete sich und ging &#8211; wie man das tats&#228;chlich nur noch aus Filmen der 50er Jahre kennt &#8211; getrennte Wege. Wer denkt, dass nun ein Pl&#228;doyer f&#252;r irgendeine Form von Sexualmoral oder so folgt, der hat geirrt, und zwar: gr&#252;ndlich geirrt. (Sorry, dass ich heute ein wenig dumm rumschwalle. Ich steh noch unter dem Eindruck dert gestrigen Heinz Strunk Lesung). Mein Punkt ist folgender: diese Szene wurde n&#228;mlich beobachtet von einem offensichtlich schlaflosen Menschen, der am Fenster stand und rauchte. Als die Begleiterin au&#223;er h&#246;rreichweite war sprach er mit dem Sound moralischer Entr&#252;stung: &#8220;Du Idiot, warum hast du die nicht klar gemacht?&#8221;. Mir wird sicher noch irgendne flotte Antwort eingefallen sein, aber was passierte, als sp&#228;ter die Frage in mir nachhallte, war doch irgendwie komisch.</p>
<p>Ich f&#252;hlte&#8230;.</p>
<p>Schuld.</p>
<p>Ich habe gegen ein Gebot versto&#223;en. Ich habe ges&#252;ndigt und meine Schuld lag schwer, denn ich stand einem grauenhaften, gnadenlosen, unerbittlichen Richter gegen&#252;ber: der internalisierten Stimme der Gesellschaft bzw. jenes Teiles der Gesellschaft, den ich als signifikant einstufe. Es ist doch ironisch: da entkommt die Menschheit in Europa all jenen offensichtlichen fremden Autorit&#228;ten: Gott, der gesellschaftlichen Hierarchie etc. und schwingt sich nicht wie erhofft in einem neuen Zustand der Selbstbestimmung, sondern sie unterwirft sich selbst aufs Neue unter die brutale Herrschaft diffuser Prinzipien. Eigentlich ist ist das ganze schon im Prinzip der Autonomie angelegt, wie man es bei Kant sehen kann: denn indem man die alten Autorit&#228;ten st&#252;rzt, soll man nicht etwa v&#246;llig prinzipienlos leben, sondern durch einen freien Entschlu&#223; erlegt man sich selbst Gesetze auf, die man als vern&#252;nftig anerkannt hat. Diese Gesetze treten einen in Konfliktsituationen als ein fremdes und zugleich eigenes Gegen&#252;ber entgegen (&#220;ber-Ich?). Nun war dieses dieses Gesetz bei uns im Westen lange Zeit etwas, das mit bestimmten Vorstellungen von Sittlichkeit, Moralit&#228;t, Gehorsam, Pflichtempfinden, ja Askese verkn&#252;ft war.</p>
<p>Doch dies hat sich ge&#228;ndert. Anstelle dieser Pflichtmoral trat ein anderer Imperativ.Der utilitaristisch-pragmatische Imperativ. Ich wei&#223; nicht, ob das wirklich f&#252;r die ganze Gesellschaft gilt, aber in meinen Bekanntenkreis kann ich das manchmal beobachten: unter den scheinbaren Diskursen, unter der scheinbaren Toleranz f&#252;r verschiedene Lebenskonzepte, unter all der scheinbaren Offenheit, schwingt eine rigide, strenge, keinerlei Diskussion tolerierende moralische Grundentscheidung: der Mensch hat seinen Impulsen nachzugeben, so es anderen nicht schadet (alles andere, so die Vulg&#228;rpsychologie auf Street Level, f&#252;hrt zu seelischen Verkr&#252;mmungen). Weiter: der Mensch muss Lust vermehren, wenn es ihm m&#246;glich ist (ich rede hier von Lust, nicht von Freude oder sonstigem). Das ist kein Ratschlag, das ist keine Lebenstipp, keine therapeutische Erw&#228;gung, sondern ein unverhandelbarer moralischer Imperativ. Wer gegen ihn verst&#246;&#223;t, stellt sofort auch das eigene Lebenskonzept in Frage. Die Folge ist eine Art moralische Entr&#252;stung, die nicht gr&#246;&#223;er gewesen w&#228;re, wenn man im Deutschland der Kaiserzeit nackig Kaiser Wilhelm II. gegen&#252;bergetreten w&#228;re, ihm mit seiner Pickelhaube das Auge ausgedr&#252;ckt h&#228;tte und danach auf die Gebeine von Karl den Gro&#223;en gekotzt h&#228;tte. Der Ausdruck: &#8220;Viel Spass!&#8221; ist kein ermutigender Wunsch, kein Optativ, sondern ein im Kasernenton geknarztes Kommando eines preu&#223;ischen Offiziers. Jemand, der seinen m&#228;nnlichen Pflichten nicht nachkommt, wie mir in der obigen Situation, ist ein S&#252;nder, jemand, der sich moralisch vergangen hat. Diesen begegnet man am besten mit aggressivem Unverst&#228;ndnis.</p>
<p>&#8220;Wieso hast du &#8211; die Alte &#8211; nicht klar gemacht?&#8221; &#8220;Wieso erf&#252;llst du nicht deine Pflicht und tust, wonach dir ist? Und wenn dir nicht danach ist, dann solltest du dich eben zwingen, denn Verlangen ist eine ernste Sache!&#8221;</p>
<p>Sicher ist die moralische Landschaft bunter und es gibt verschiedene kleine Kulturen, die vielleicht ihre eigenen Imperative haben. Mir geht es auch gar nicht darum, die utilitaristische Einstellung v&#246;llig zu verteufeln, denn ein Zur&#252;ck zum Asketetntum ist aus verschiedenen Erw&#228;gungen nur schwer m&#246;glich und nicht wirklich erstrebenswert. Ich will nur aufzeigen, wie unter der Oberfl&#228;che von einer scheinbar offenen, toleranten Moral oft konservativ, gar fundamentalistisch-fanatische Grund&#252;berezugungen stecken k&#246;nnen (nicht vom Inhalt aber von der Art wie diese &#220;berzeugngen gehalten werden sind sie fundamentalistisch, denn sie werden dem Diskurs entzogen).</p>
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		<title>Tillich, schwarze Steine und die DNA</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Sep 2008 13:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Arnachie</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arne erklärt die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Gottkram]]></category>

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		<description><![CDATA[Mitten in Mekka befindet sich das muslimische Zentralheiligtum, die Kaaba; ein gro&#223;er schwarzer Kubus im Innenhof der gro&#223;en Moschee. An der Ostseite ist auf Augenh&#246;he ein schwarzer Stein angebracht. Dieser Stein wird verehrt, weil der Legende nach Abraham ihn direkt vom Erzengel Gabriel erhielt und er deshalb ein Artefakt einer fremden Welt ist. Wissenschaftler vermuten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitten in Mekka befindet sich das muslimische Zentralheiligtum, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaaba">die Kaaba</a>; ein gro&#223;er schwarzer Kubus im Innenhof der gro&#223;en Moschee. An der Ostseite ist auf Augenh&#246;he ein schwarzer Stein angebracht. <a href="http://www.eslam.de/begriffe/s/schwarzer_stein.htm">Dieser Stein</a> wird verehrt, weil der Legende nach Abraham ihn direkt vom Erzengel Gabriel erhielt und er deshalb ein Artefakt einer fremden Welt ist. Wissenschaftler vermuten, dass dies in gewisser Weise stimmt. M&#246;glicherweise ist dieser Stein ein Meteorit. Ich hoffe ich lehne mich nicht allzuweit aus den Fenster, wenn ich behaupte, dass diese Haltung f&#252;r den Islam bezeichnend ist: Man verehrt einen Splitter einer fremden Welt.<img align="left" title="meteorit_250_250.jpg" id="image218" alt="meteorit_250_250.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/09/meteorit_250_250.jpg" /> Man unterwirft sich einer fremden Autorit&#228;t (Islam bedeutet ja Ergebung/Unterwefung), einer v&#246;llig erhabenen Gottheit und seinen Geboten. Dabei ist es unbedeutend, ob man die Gebote dieser Gottheit nachvollziehen kann oder nicht; man muss sogar wegen der Andersartigkeit und Erhabenheit dieser Gottheit damit rechnen, dass man sie als einfacher Mensch nicht nachvollziehen kann. Auch die Heilige Schrift des Islams ist wie ein Dokument von einer anderen Welt. Sie wird in der Orginalsprache gelesen unabh&#228;ngig davon, ob man diese gut versteht oder nicht.<br />
Paul Tillich (und nicht nur er) nennt diese Art der Theologie und Ethik heteronom. Man unterwirft sich einem fremden, unverst&#228;ndlichen Anderen (das kann ein Gott oder eine andere Autorit&#228;t sein) und muss dieser bedingungslos folgen. Auch im Christentum gibt es Elemente, die stark heteronom sind; beispielsweise den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus">Calvinismus</a>. Doch w&#228;hrend der Aufkl&#228;rung, eigentlich schon durch die Reformation, wurde diese Sichtweise des Menschen, der sich fremdbestimmen l&#228;sst, immer mehr verdr&#228;ngt durch ein neues Ideal vom Menschen als selbstbestimmtes, freies Wesen, dass sich im Einklang mit der universellen Vernunft selbst Gesetze gibt, sich durch sich selbst definiert und einer vern&#252;nftigen Religon nachfolgt.</p>
<p><span id="more-217"></span>Doch auch diese Autonomie ist a) ma&#223;los und b)unglaubhaft geworden. Zum einen ist die Autonomie, nachdem sie anfangs bei Kant einen sehr moralischen Sound der Selbstbeherrschung hatte, umgeschlagen in die Beliebigkeit von verschiedenen gleich-g&#252;ltigen Lebensstilpr&#228;ferenzen. Zum anderen ist der Glaube an eine universelle Vernunft, die jeden Autonomen Menschen gleichsam einer &#8220;unsichtbaren Hand&#8221; zu den selben vern&#252;nftigen Schl&#252;ssen f&#252;hrt genauso unglaubhaft geworden wie der Gedanke an einen v&#246;llig freien Willen.</p>
<p>In dieser Situation schreibt Tillich an eine Leserschaft, die in ihrer Autonomie unsicher geworden ist und die Tillich zur&#252;ckfallen sieht in eine Heteronomie, was ihn sehr schmerzt. Die Religion ist oft eine Gr&#246;&#223;e, die Menschen zur&#252;ck in die Heteronomie f&#252;hren will, in eine bedingungslose Unterwerfung unter ein fremdes Joch. Abgemildert wird dies durch die Erkenntnis, dass diese fremde Instanz es gut mit uns meint, und- wie unsere Eltern seinerzeit- &#8220;nur unser Bestes will&#8221;.</p>
<p>Tillich sieht einen anderen Ausweg, den er Theonomie nennt. Nein, der Mensch ist nicht v&#246;llig frei, er kann nicht ohne R&#252;ckbindung an den Urgrund des Lebens, abseits von der Beziehung mit seinen Sch&#246;pfer, frei w&#228;hlen was er will, ohne sich weiter von sich zu entfernen. Und nein, auch die Unterwerfung unter eine fremde Macht (die ja meistens vermittelt wird durch Glaubensgemeinschaften oder Heilige B&#252;cher) ist kein gangbarer Weg. Bedingungslose Unterwerfung, Kadavergehorsam, v&#246;llige Ergebenheit, dies sind Begriffe, die gerade uns Deutschen Schweirigkeiten machen m&#252;ssten. Deshalb muss der Mensch nicht dem Gott, der von au&#223;en in die Welt eindringt suchen, sondern den, der mitten in der Existenz steht; der ihm n&#228;her ist, als er selbst. Nicht von au&#223;en, sondern von der Tiefe des Lebens kommt ein Gesetz, welches uns nicht unterwirft sondern uns erf&#252;llt.</p>
<p>D<img height="121" width="163" align="left" title="dna.jpg" id="image219" alt="dna.jpg" src="http://www.bunchofnerds.de/failingforward/wp-content/uploads/2008/09/dna.jpg" />as Bild daf&#252;r ist f&#252;r mich (zugegeben es ist ein etwas holpriges Bild) die menschliche DNA. Gottes Gebot, sein Wort und Wesen, und die zum Christentum geh&#246;renden Heiligen Schriften gleichen nicht Artefakten aus einer fremden Welt, sondern sind Karten f&#252;r die Tiefendimension dieser Welt. Was, wenn die Gebote nicht nur Worte in einer fremden Sprache sind, sondern der Schl&#252;ssel zum Aufbau unserer Selbst. Wenn wir nicht darin ein fremdes Gesetz finden, sondern begreifen lernen, was es hei&#223;t, wirklich Mensch zu sein? Wenn wir einen Weg finden heraus aus der Selbstentfremdung, die wir S&#252;nde nennen? Was wenn wir keinen Gott haben, der uns als unverst&#228;ndliche Autorit&#228;t  gegen&#252;bsteht, sondern einen, der in der Tiefe der Existenz zu finden ist?</p>
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