Die Emerging Conversation als Rhizom oder: vom Kuchen, vom Baum und vom Ingwer
Monday June 21st 2010, 19:48
Filed under: Allgemein, Emerging Church

Im Anschluß an den letzten kurzen Gedanken noch ein weiterer Nachklapp:

Wer beim ersten Emergent Forum in Erlangen dabei war, kann sich vielleicht an einen Vortrag errinern, in dem Brian McLaren folgendes Bild benutzt hat: die EC ist nicht wie das oft gedacht wird, ein “Stück vom Kuchen”: es gibt den Kuchen, den wir Denominationen nennen, ein Teil ist charismatisch, ein Teil ist katholisch, ein Teil evangelisch.  Nun ist die EC exakt KEIN Teil vom Kuchen im Sinne einer neuen Denomination. So weit so gut. Nun hat McLaren das problematische Bild durch ein anderes Bild ersetzt: die EC ist wie ein Jahresring im Baumstamm. Der äußerste Ring umfasst quasi “alle Stücke des Kuchens” aka alle Denominationen und er bezeichnet den progressiven Teil der verschiedenen Kirchen, die sich jüngst mit ihrer Umwelt auseinandergesetzt haben. Warum ist dieses Bild nicht gut?

a) es hört sich unmittelbar nach Avantgarde Denken an: ok, wir, die wir an der EC teilhaben, sind Teil des neuesten Trends, sind Teil der Progressive im Gegensatz zu all den reaktionären, alten Baumelementen.

b) Es verkürzt stark die Unterschiede zwischen den Kontexten: ich glaube tatsächlich nicht, dass die in der EC bisher diskutierten Erklärungsmuster und selbst die Fragen, die aufgeworfen werden in jeden Kontext relevant sind. Ein progressiver südamerikanische Katholik diskutiert mit Sicherheit andere Themen als ein progressiver indonesischer Pfingstler. Und umgekehrt: nicht alles, was in der EC stattfindet soll unbedingt neu und progressiv sein.

c) es ist ein zu harmonisches, rundes Bild: ein Baum der wächst, ist ein Bild, dass ja geradezu für Stabilität, Zentralisierung, ja sogar Harmonie steht. Ich glaube, dieses Bild unterschätzt den dynamischen, nicht so leicht faßbaren Charakter des Reiches Gottes.

Schon andere vor mir haben ein besseres Bild verwendet, ein Bild, dass ganz nahe an den Begriff der Emergenz rückt: das Bild des Rhizomes. Ein Rhizom ist ein Wurzelgewächs wie der Ingwer. Durch Gilles Deleuze wurde dieser Begriff in die Philosophie und Kulturwissenschaft eingeführt. Deleuze schreibt besonders gegen die Baumlogik in den Wissenschaften an: zB in der Musik: es gibt Wurzeln einer bestimmten Musikrichtung, dann gibt es einen stabilisierenden Stamm und dann verschiedene sich immer weiter verzweigende Äste (aus Gospel zweigt sich Soul ab und darauf mit anderen Einflüssen R’n'B etc.).

Dagegen funktioniert ein Rhizom anders: ein Pflanze, die rhizomorph ist ist durch ein unterirdisches, hoch-vernetztes Netzwerk verknüpft. In diesen Netzwerk ist kein wahres Zentrum auszumachen. Die Pflanze bricht “chaotisch” an einer vorher nicht zu bestimmenden Stelle an die Oberfläche. Je nach Situation kann sich die Pfalnze wie ein isoliertes, unabhängiges Lebewesen verhalten oder im Verbund mit allen vernetzten Teilen agieren. Ein rhizom ist hochdynamisch, ist auf Vielheit und Vernetzung angelegt, chaotisch, komplex, nicht steuerbar, hochsensibel gegenüber der Umwelt, flexibel und kann selbst weiter wachsen, wenn einige Verbindungen zerstört werden.

Dieses Bild scheint mir in mehrfahcer Hinsicht für die EC interessant zu sein: a) das was bei den Treffen stattfinden soll, lässt sich vielleicht mit dieser Logik erklären: recht wenig zentraler Steuerung, recht viel Raum für etwas Entstehendes

b) es gibt Verusche aus England so die Dynamik von emergenten Kirchen zu fassen (vA bei Kester Brewin und Christian Raschke)

und der wesentliche Punkt: c) vielleicht ist das Reich Gottes und Gottes Handeln in der Welt gut so zu beschreiben (wie ja einige Gleichnisse anzudeuten scheinen): es ist wenig berechenbar, wenig steuerbar und oft unscheinbar; es ist schweirig ein festes Zentrum auszumachen und ist zugleich regional und global. Das, was uns isoliert und voneinander getrennt erscheint, ist unter der Oberfläche verbunden. In dieser Sicht wäre die Emerging Conversation zugleich ein Ort von Gottes Wirken (hoffentlich); aber mehr noch ein Ort, an dem, was unthematisch und chaotisch passiert, thematisiert wird und ein Ort, wo das, was nebeneinander und scheinbar getrennt voneinander passiert, verknüpft werden kann.  Ein Ort, wo Fäden zusammenlaufe nur um sofort wieder auseinanderzulaufen.

Es ist nicht der neueste Schrei. “Denn wenn die Leute sagen werden: hier ist das Reich Gottes oder da ist das Reich Gottes, so glaubt ihenen nicht!”. Deutschland hatte zu viele “apostolische” Erweckungsbewegungen, die sich für das neue große Ding hielten. Die Logik der EC ist eine völlig andere.  Es ist die Logik, in der Zentralisierung nur den Zweck hat, dezentrales und heterogenes zu verknüpfen. Es ist die Logik des Mosaiks oder der Collage, in der das, was eigentlich nicht zusammengehört in einen Zusammenhang gebracht wird. Deshalb ist es so schwierig zu sagen, was die EC eigentlich gebracht hat. Wenn man sieht, dass sich an den Bibelschulen zB die Lehrpläne etwas zu ändern scheinen, das Fragen wie nach Sozialer Gerechtigkeit usw. auf die Tagesordnung kommen, wenn man sieht, dass sich das Bild von Gemeinde in verschiedenen Kontexten total zu ändern scheint hin zu einem Verständnis von Gemeinde, die grob gesagt für andere da ist, wenn man sieht, dass nach neuen Ausdrucksformen und nach neuen Formulierungen des Glaubens gerungen wird, dann wäre es vermessen zu sagen, das hätte die EC ausgelöst. Vielleicht ist die EC Teil von Veränderungen, die unter der Oberflächte passieren; vielleicht ist sie auch schon eine Folge dieser Veränderungen, vielleicht ist sie aber auch für manche ein Motor dieser Veränderungen. Das einzige, dass die EC auszeichnet, ist, dass sie manche dieser Veränderungen (denn nie wäre es möglich, alles was passiert, und alle Arten wie Gott in der Welt handelt konkret zu thematisieren) thematisiert, anspricht, und verknüpft.



Die Emerging Conversation als “schwache Bewegung”
Sunday June 20th 2010, 18:36
Filed under: Allgemein

Vor einiger Zeit gab es die Diskussion, ob die Emerging Conversation eigentlich eine B ewegung sei. Wenn man natürlich die EC mit den starken Ansprüuchen von charismatischen Großbewegungen vergleicht, die sich gerne als Gottes entscheidender Move, als ausgewählte Generation, als Retter der Christenheit sehen, so scheint die Frage berechtigt. Aber auf der anderen Seite scheint es nicht von der Hand zu weisen, dass die EC auch so etwas wie Strukturen in Deutschland entwickelt.

Ich würde vorschlagen, die EC in Anschluß an Gianni Vattimo eine “schwache Bewegung” nennen. Vattimo vertrat seinerzeit ein sogenanntes “schwaches Denken”, ein Denken, dass sich vom bisherigen philosophischen Denken abgrenzte, weil es nicht unbedingt von sich überzeugt war. Weil es nicht Recht behalten wollte. In Analogie dazu könnte man die EC als eine Beweung chrakterisieren, die zwar etwas will, aber nicht völlig von sich überzeugt ist. In der EC wird das für einen Moment zentralisiert, was eigentlich nicht zu zentralisieren ist: nämlich das Mosaik, dass Menschen und Gruppen bilden, die in ihrem speziellen Kontext möglicherweise  von Gottes Geist ergriffen möglicherweise Reich Gottes erleben und daran vielleicht Anteil haben.  Die Logik der EC ist das voneinander lernen, das Verknüpfen und das Raum geben. Es geht nicht darum, etwas modellhaft vorzugeben, was dann in anderen Kontexten einfach so funktioniert. Passt das eurer Meinung nach?



Umweg II – Der Gott, der da sein könnte
Tuesday February 23rd 2010, 20:14
Filed under: Allgemein

Um nochmal meiner Vorliebe von etwas gewagten Aussagen über Gott zu frönen, die am Rande der Nichts-sagenden Reihe auftauchen, hier noch eine Überlegung, die für den Philosophen, Literaten und gelernten Schauspieler aus Irland, Richard Kearney bestimmend ist. Es beginnt mit einer Frage:

Hätte Jesaja “nein” sagen können, als Gott ihn fragte, ob er für ihn Zeuge sein wolle? Hätte Maria “nein” sagen können, als sie Jesus in die Welt tragen sollte? Für Richard Kearney ist das genau die Art über Gott zu denken: Gott setzt sich auf’s Spiel, Gott braucht uns in gewisser Weise, damit “Sein name geheiligt” und “sein Reich kommen” kann.

“Gott braucht uns, um in der Welt Fleisch zu werden – Gott, der die bedingungslose Liebe, die Gerechtigkeit, eine Einladung, ein Ruf, eine Bitte und eine Verheißung für uns ist. Aber wenn wir keine Ohren zu hören, keine Augen zu sehen haben, um auf diesen Ruf zu reagieren, wie Maria und Jesaja es getan haben könnten, dann wäre Gott nicht da gewesen in Maria oder in Jesaja und wir hätten keine Inkarnation, kein Buch Jesaja und keine prophetische Tradition. Also möchte ich die Möglichkeit offen lassen -im Opposition zu einer Metaphysik der Allmacht – das es möglich war, dasss Gott nicht als Jesus in die Welt gekommen wäre, oder prophetisch sichtbar und hörbar durch Jesaja geworden wäre. Also braucht Gott uns. Ja, Gott brauchte Moses damit ER hören konnte, “Ich bin, der ich bin” und dann losgehen konnte und dieses missionarische Statement der Befreieung anwenden konnte, so wie er es getan hatte. Also gibt es da ein Bedüfnis in Gott, eine Sehnsucht in Gott nach uns, die in jeden Moment mehr und mehr Fleish werden muss (in uns).”

Es ist jetzt glaube ich von Kearney gar nicht so unbedingt die Absicht, darüber zu spekulieren, ob Jesu Geburt notwendig so passiert ist, wie sie passierte. Der Punkt ist: wenn man an einen Gott glaubt, den man erkennen kann, der dort draußen ist, heißt das wenig. Es geht darum, dass wir wie Maria, Gott Platz in unserem Leben machen Raum schaffen, dass er Gestalt gewinnen kann und in die Welt geboren wird. Denn Gottes Handeln ist in der Regel Handeln durch Menschen, die von Gott ergriffen wurden. In diesem Sinne wäre die Punchline dieses hochphilosophischen und leicht häretischen Gedanken erstaunlich sentimental, pietistisch (oder eben: moralistisch-politisch):  Gott könnte in unserer Welt präsenter sein, wenn es mehr Menschen gäbe, die ihm Raum gewähren würde in ihren Leben.



[Nichts-sagender Glaube - God happens]
Sunday February 21st 2010, 01:02
Filed under: Allgemein

Soweit ich im letzten Post über Peter Rollins gepostet habe, klingt vieles sehr abstrakt, ungewohnt, mystisch und -vielleicht – etwas wischiwaschi. Soweit wäre es nur ein Staunen über ein Wesen, dass zu hoch für uns ist und weit entfernt ist. Das erinnert soweit alles sehr an den Philosophen Jaques Derrida, der bei einen Vortrag einmal 30 Minuten lang über sein Gebetsleben sprach, in diesen 30 Minuten aber geschickt einer klaren Antwort auswich und so -wie eins seiner Buchtitel -  keine “Confession” sondern eine “Circumfession” lieferte. [Hier Link zum Youtube Video, indem Derrida von John Caputo interviewt wird]. Das ist bisher nichts als eine poetische Unbestimmtheit, eine Weigerung, die Dinge beim Namen zu nennen, eine Weigerung, seine Erfahrungen zu katalogisieren und sie mit einem Label zu versehen. Diese Furcht vor Labels liegt natürlich im Trend: die existentialistischen Philosophen haben immer das Label “Exiustentialismus” abgelehnt; die Poststrukturalistischen Philosophen wollten nicht so genannt werden und eine Emoband zu finden, die sich freiweillig “Emo” nennt, ist ungefähr so schwer, wie eine Sekte zu finden, die sich Sekte nennt.

(more…)



Dis-kurs: Gott im Werden?
Thursday February 11th 2010, 20:37
Filed under: Allgemein

Gut, dann bin ich heute eben mal im “Flow” und wenn man gerade Schwung hat, soll man auch weitermachen.

Jansalleine hat in seinem Kommentar zum letzten Post eine Frage aufgeworfen, die ich nicht unbedingt in den kleinen Kommentarfeld oder innerhalb der Blogserie beantworten wollte.  Also mache ich einen kleinen Umweg um darauf einzugehen.

Die Frage war, wenn ich sie richtig verstanden hab:  Will ich von Gott nicht in “objektivierter”, technischer Sprache reden, müsste ich dann nicht auch von Gott als jemanden reden, der sich verändert?Jemand, der wir, eine Biographie hat? Ist das nicht Blasphemie?`Machen wir damit nicht Gott zu einem launischen, menschenähnlichen Gott wie die der Griechen? Ich denke, zwei Überlegungen erlauben es mir tatsächlich von Gott als im Werden zu sprechen.

(more…)



[Nichts-sagender Glaube -Warum Nichts sagen?]
Thursday February 11th 2010, 15:45
Filed under: Allgemein

Was gibt es – wenn überhaupt – für Gründe für einen apophatischen Glauben? Ich denke, es ist die Reaktion auf Versuche, Gott vor unseren Karren zu spannen, Gott zu benutzen, “seinen Namen” zu missbrauchen.Es gibt diese Versuche in der westlichen Philosophie und Theologie, in der Politik, aber auch im ganz normalen kirchlichen Leben.

In der Philosophie spricht seit Martin Heidegger von Onto-Theologie. Wenn man die westliche Theologie anguckt, so ist sie davon geprägt, dass sie das Ganze der Realität für den menschlichen Geist aufzuschließen sucht. Man strebt nach dem absoluten Wissen mit reinen Vernunft.  In Zusammenhang mit den Naturwissenschaften entstand dadurch auch der Gedanke des autonomen Individuums, welches losgelöst von der Welt (Distanz) die Welt in Stücke zerschneidet (Analyse) um so ein kontrollierendes Wissen zu erlangen, welches ermöglicht, die Welt zu manipulieren (Technik).  Dieses Subjekt-Objekt-Denken stellte unter anderem Martin Heidegger in Frage indem er deutlich machte: Wir sind immer schon Teil jenes Beziehungsgeflechts das wir “die Welt” nennen; wir sind immer In-der-Welt. Onto-Theologie beginnt da, wo wir mit Gott so umgehen. Wo wir Gott unseren Gesetzen und unserer Rationalität unterwerfen. Heidegger Beispiel ist das Gesetzt der Kausalität. Für die technische Vernufnt, muss alles ein Ursache haben. Man versteht ein Phänomen, indem man sein Ursache klärt. Dies war schon im Mittelalter so, aber im Mittelalter war Gott derjenige, der dieses Gesetz in Kraft hielt besser gesagt: Gottes schöpferisches Handeln WAR das Gesetz der Kausalität (oder wie es Johannes sagt: durch ihn ist alles geworden ohne ihn ist Nichts geworden).  Nun passierte im Spätmittelalter folgendes: plötzlich wurde dieses Gesetz auch auf Gott angewendet. Alles muss eine Ursache haben, was ist die Ursache von Gott? Er selbst! Und so kam man auf die ziemlich verwirrende Formel, Gott sei seine eigene Ursache.

(more…)



securitas und der gottlose Bonhoeffer
Sunday May 24th 2009, 17:14
Filed under: Allgemein

Eine mögliche Antwort auf die eben gestellte Frage scheint mir doch erstmal in der Bestätigung von der Beobachtung meines Freundes zu liegen. Ja, es ist die große Gefahr gegeben Gott – zumal einen persönlichen – zu einem Objekt zu machen und ihn für eigene Zwecke zu benutzen. Das ist die dreifache Gefahr des Theismus: Objektivierung, Instrumentalisierung, Merkantilisierung. Das bedeutet:

a) ich mache Gott zu einem Konzept, über das ich reden kann statt zu einem Subjekt, welches mich in Anspruch nimmt.

b) ich mache Gott zu einem Instrument im Projekt meiner Selbstsicherung. Gott ist vor allem für mein privates Heil und persönliches Glück da. Ich stehe weiterhin im Mittelpunkt des Universums.

c) ich schließe einen Deal mit Gott: ich mache was er verlangt damit er tut, was ich verlange. Möglicherweise faste ich oder ich befolge eine strikte Moralität. Dieses aber wieder als Mittel zu einem Zweck.

(more…)



Wahljahr und Wut und wo lebt ihr eigentlich?
Thursday April 30th 2009, 16:34
Filed under: Allgemein

Ich finde, man muss schon ziemlich verkommen sein, um nicht ein Mindestmaß an Wut über dieses (Bund-)esland zu empfinden. Natürlich: eine egoistischer Wut, eine ohnmächtige Wut aber eine nicht unberechtigte Wut. Da wird man als Student durch ein Turbostudium Marke Bachelor geprügelt für eine Gebür von 500€ zuzüglich 70 € Studentenwerksbeitrag zuzüglich 130 € Semesterticket zuzüglich den höhsten Mieten und Lebenshaltungskosten in Deutschland direkt nach Hamburg und München. Man rackert sich studienbegleitend mit einem 400€ Job ab, weil man nicht mehr verdienen kann, da sonst Kindergeld wegfällt und Steuern und Versicherung anfällt und man damit quasi das Studium schmeißen müsste. Zahlreiche Kommilitonen werden im Rahmen einer arischen Großfamilienpolitik von den Studiengebüren befreit ohne Ansehen des Einkommens der Eltern allein aufgrund von mindestens 2 Geschwistern (Eine Maßnahme die nicht etwa Familien entlasten will sondern Akademikerfamilien den Anreiz bieten will sich auch mal in den Brutkasten zu setzen). Und nun kam heute zum 4. Mal die Ablehnung für den BAFÖG-Antrag (den ich bereits im Januar eingereicht hatte!). Da wird erzählt, dass eine arbeitslose Mutter und ein Vater der als Schlosser 1500€ netto raus hat seinen Sohn mit 600€ im Monat unterstützen sollen. Und um mich herum beobachte ich Lehrer- und Arztsöhne die sich – weil ihre Eltern offensichtlich cleverer und abgebrühter sind – mit einigen hundert Euro BAFÖG ein strapazeloses Studentenleben finanzieren.

In diesem Superwahljahr wollte ich eigentlich gemäßigt links wählen damit schwarz-gelb verhindert wird. Doch a) glaube ich nicht daran dass irgendetwas diese Konstellation aufhällt und b) muss ich vermutlich doch trotz einiger Bedenken viel deutlicher meine Interessen markieren als ich eigentlich vor hatte. Denn der kleine Linksschwenk den alle Parteien eine Zeit lang vollführten ist noch lang nicht so tiefgreifend dass er ernsthaft die sozialen Realitäten verändert hätte.



[Gastpost zur Lent-Serie: Glaube und Naturwissenschaft]
Wednesday April 08th 2009, 23:46
Filed under: Allgemein

Michael ist ein wirklich außergewöhnlich kluger und belesener Mensch, der mit seinen 22 Jahren doch schon ein beachtliches Wissen erworben hat. Seine Themen sind Sprachevolution, kognitive Biologie und Mettbrötchen. Sein Blog ist eine gute Anlaufstelle für Leute wie mich um überhaupt in die Neurobiologische Fragestellung hineinzukommen. Ihn fragte ich, ob er nicht etwas zum Thema Atheism for Lent beizutragen habe und ob er nicht aus seiner Perspektiven einige Herausforderungen an das christliche Denken formulieren kann. Das Resultat darauf hier:

(more…)



[Atheism for lent - Freud]
Thursday March 26th 2009, 16:51
Filed under: Allgemein

Nach einiger Pause nun weiter in meiner Beschäftigung mit Merold Westphals Buch “Faith & Suspicion” in dem er eine konstruktive Auseinandersetzung mit den großen Religionskritikern Marx, Freud und Nietzsche sucht.

Fahren wir mit Freud fort.

Sigmund Freud war zunächst einmal ein Naturwissenschaftler und Arzt. Aus dieser Grundorientierung seines Lebens leitet sich ein damals stark verbreiteter positivistischer Glauben an die Erklärbarkeit der Welt ohne Gott und damit an die Rückständigkeit des monotheistischen Glaubens.

233655644_21125fd16d_b.jpg

Doch er beschäftigte sich auch mit Philosophie. Für ihn wurde insbesondere Schopenhauer interresant, der ihm eine grundsätzlich pessimistische Sicht der Welt vermittelte. Die Welt ist für den Menschen ein unwirtlicher Ort. Die Natur wirkt sehr bedrohend auf den Menschen, der sich zum Schutz gegen die Natur dann zu einer Gemeinscahft zusammenfindet. Mit dieser Gemeinschaftsbildung einher geht dann die Unterdrückung von gewissen Aspekten des menschlichen Seelenlebens, den Trieben. Diese abgründige Urgewalt des Menschen muss umgelenkt werden. Um diese aufgestauten Energien abzubauen bedient sich der Mensch in modernen Zivilisationen verschiedener Mittel, die alle eines gemein haben: sie verschleiern und verdunkeln die Abgründe des Menschen, die hoffnungslose Lage des Menschen und der Welt. Freud nennt hier: Chemische Substanzen, die eigene Arbeit (das war nach Eigenauskunft Freuds auch seine Mittel der Wahl), die Illusion der Kunst, sexuelle Zügellosigkeit und die Verneinung der Welt in Paranoia und Religion.

(more…)