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Um nochmal meiner Vorliebe von etwas gewagten Aussagen über Gott zu frönen, die am Rande der Nichts-sagenden Reihe auftauchen, hier noch eine Überlegung, die für den Philosophen, Literaten und gelernten Schauspieler aus Irland, Richard Kearney bestimmend ist. Es beginnt mit einer Frage:
Hätte Jesaja “nein” sagen können, als Gott ihn fragte, ob er für ihn Zeuge sein wolle? Hätte Maria “nein” sagen können, als sie Jesus in die Welt tragen sollte?
Für Richard Kearney ist das genau die Art über Gott zu denken: Gott setzt sich auf’s Spiel, Gott braucht uns in gewisser Weise, damit “Sein name geheiligt” und “sein Reich kommen” kann.
“Gott braucht uns, um in der Welt Fleisch zu werden – Gott, der die bedingungslose Liebe, die Gerechtigkeit, eine Einladung, ein Ruf, eine Bitte und eine Verheißung für uns ist. Aber wenn wir keine Ohren zu hören, keine Augen zu sehen haben, um auf diesen Ruf zu reagieren, wie Maria und Jesaja es getan haben könnten, dann wäre Gott nicht da gewesen in Maria oder in Jesaja und wir hätten keine Inkarnation, kein Buch Jesaja und keine prophetische Tradition. Also möchte ich die Möglichkeit offen lassen -im Opposition zu einer Metaphysik der Allmacht – das es möglich war, dasss Gott nicht als Jesus in die Welt gekommen wäre, oder prophetisch sichtbar und hörbar durch Jesaja geworden wäre. Also braucht Gott uns. Ja, Gott brauchte Moses damit ER hören konnte, “Ich bin, der ich bin” und dann losgehen konnte und dieses missionarische Statement der Befreieung anwenden konnte, so wie er es getan hatte. Also gibt es da ein Bedüfnis in Gott, eine Sehnsucht in Gott nach uns, die in jeden Moment mehr und mehr Fleish werden muss (in uns).”
Es ist jetzt glaube ich von Kearney gar nicht so unbedingt die Absicht, darüber zu spekulieren, ob Jesu Geburt notwendig so passiert ist, wie sie passierte. Der Punkt ist: wenn man an einen Gott glaubt, den man erkennen kann, der dort draußen ist, heißt das wenig. Es geht darum, dass wir wie Maria, Gott Platz in unserem Leben machen Raum schaffen, dass er Gestalt gewinnen kann und in die Welt geboren wird. Denn Gottes Handeln ist in der Regel Handeln durch Menschen, die von Gott ergriffen wurden. In diesem Sinne wäre die Punchline dieses hochphilosophischen und leicht häretischen Gedanken erstaunlich sentimental, pietistisch (oder eben: moralistisch-politisch): Gott könnte in unserer Welt präsenter sein, wenn es mehr Menschen gäbe, die ihm Raum gewähren würde in ihren Leben.
1 Comment so far
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Gut gesagt! Ich hab’ mir in letzter Zeit ähnliches überlegt, ob die Transzendenz die Immanenz braucht und eben nicht umgekehrt und all das.
Comment by andi. 03.02.10 @ 13:25Leave a comment
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