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Soweit ich im letzten Post über Peter Rollins gepostet habe, klingt vieles sehr abstrakt, ungewohnt, mystisch und -vielleicht – etwas wischiwaschi. Soweit wäre es nur ein Staunen über ein Wesen, dass zu hoch für uns ist und weit entfernt ist. Das erinnert soweit alles sehr an den Philosophen Jaques Derrida, der bei einen Vortrag einmal 30 Minuten lang über sein Gebetsleben sprach, in diesen 30 Minuten aber geschickt einer klaren Antwort auswich und so -wie eins seiner Buchtitel - keine “Confession” sondern eine “Circumfession” lieferte. [Hier Link zum Youtube Video, indem Derrida von John Caputo interviewt wird]. Das ist bisher nichts als eine poetische Unbestimmtheit, eine Weigerung, die Dinge beim Namen zu nennen, eine Weigerung, seine Erfahrungen zu katalogisieren und sie mit einem Label zu versehen. Diese Furcht vor Labels liegt natürlich im Trend: die existentialistischen Philosophen haben immer das Label “Exiustentialismus” abgelehnt; die Poststrukturalistischen Philosophen wollten nicht so genannt werden und eine Emoband zu finden, die sich freiweillig “Emo” nennt, ist ungefähr so schwer, wie eine Sekte zu finden, die sich Sekte nennt.
Aber Peter Rollins geht einen kleinen, aber wichtigen Schritt weiter. Gott ist nicht einfach nur irgendwo im Weltall und außerhalb der Reichweite von unserem Verstand und unserer Erfahrung: Gott passiert. Wenn man von Gott nicht in den Kategorien wie “Wesen” “Substanz” etc. reden will, dann bietet sich eine andere Rede an: Gott tritt in unser Sichtfeld als ein Ereignis. Wie ein Meteorit, der auf die Erde stürzt, ereignet sich Gott in unserem Leben. Man kann nicht genau beschreiben, was passiert ist; aber man sieht die Auswirkungen im Leben derer, die es betrifft. Theologie ist für Rollins nicht der Diskurs über Gott, es ist der Ort, an dem Gott in den diskurs tritt und redet. Theologie findet immer im Nachhall an das Ereignis statt, im Nachklang Gottes. Wir stehen am Kraterrand und schauen, was dort passiert ist.
Wie die Geschichte in Exodus, in der Moses Gott bittet, Gottes Antlitz sehen zu dürfen. Gott aber sagt, dass kein Mensch sein Antliz ertragen kann, man kann ihm nur hinterhersehen. Das ist worum es laut Rollins in der Theologie geht: Wir schauen Gott hinterher. gott hat sich ereignet und wir versuchen mit dieser Erfahrung zu ringen, versuchen auszuloten, welche Auswirkung diese Erfahrung hat. “Come to terms with” heißt es im Englischen. Das ist auch was bei Paulus Bekehrung in der Apostelgeschichte passiert. Paulus wird geblendet und muss nun 2 Tage lang sein Leben überdenken. Vielleicht sind diese 2 Tage der Kern von dem, was man “Theologie treiben” nennt und der Rest seines Lebens einfach nur ein ausbreiten dieser Erfahrung. Der Knackpunkt für Peter Rollins ist also die Transformation, die Veränderung von Menschen. Erst das zeichnet wahre Orthodoxie aus: das Menschen von sich weggucken und sich in Liebe dem Anderen zuwenden lernen.
Das ist dann auch der Begriff von der Bibel: die Bibel ist der Ort, an dem sich Gott ereignet hat und Menschen versucht haben das in Worte zu fassen und es ist der Ort, an dem wir durch diese großen Symbole, Geschichten und Metaphern Zugang kriegen zu dem Ereignis, dass auch die Autoren der Bibel erschüttert hat.
Im nächsten Post dann meine Fragen an diesen Ansatz. So und jetzt guck ich noch schnell ne Folge Bing Bang Theory. Gut’ Nacht!
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