So, einige Tage war ich jetzt nicht in der Lage meine Blogreihe weiterzuverfolgen, da ich einige Besucher hier in Prag hatte. Jetzt möchte ich ein bisschen Werbung betreiben: kauft und lest Peter Rollins Buch “Hot (not) to speak of God”, denn dies hat vor einigen Jahren quasi diese Fragen aufgeworfen mit denen ich mich hier beschäftige und diese Blogreihe steht in einen impliziten Dialog mit dem Buch. Es ist ein kurzes/kurzweiliges Buch, dass sich nicht in akademischen Geplänkel verliert, sehr provokant ist -dabei auch an einigen Stellen etwas Schieflage hat – und: es ist in der Sprache der Poesie geschrieben: Metaphern, Vergleiche, Geschichten dominieren das Buch, dass im zweiten Teil davon berichtet, wie diese Gedanken in experimentellen, liturgisch-poetischen Gottesdiensten der Belfaster IKON Community umgesetzt worden. BTW: wenn jemand Bock hat: ich könnte mir vorstellen einmal gemeinsam dieses Buch via Blog(?) durchzuarbeiten und zu besprechen….
Peter Rollins beginnt in dem Buch mit einem Dilemma: eigentlich, kann man über Gott nicht reden, denn über ihn reden hieße, ihn zu benutzen, ihn zu reduzieren und ihn zu kontrollieren. Auf der anderen Seite drängen ihn seine Erfahrungen in der evangelikal-charismatischen Bewegung dazu, über Gott sprechen zu müssen. So landet er zuletzt bei der mittelalterlichen Mystik und der Postmodernen Philosophie (zunächzst Derrida via John Caputo und zuletzt auch Zizek) . Denn mittelalterliche Mystik schafft es Rollins Meinung nach dieses Paradox zu überwinden:
“Each time I returned to the horns of that dilemma, I found myself drawn to the Christian mystics (such as Meister Eckhardt), for while they did not embrace total silence, they balked at the presumption of thoose who would seek to colonize the name “God” with concepts. Instead of vieweing the unspeakable as that which bring all language to a halt, they realized that the unspeakable was precisely the place where the most inspiring language began. This God whose name was above every name gave birth, not to a poverty of words, but to an excess of them” (How(not) to speak of God, xii)
Das Buch exisiert um diesen Abschnitt herum, es soll umschreiben, was das bedeuten kann und wie das zusammenpasst mit Konzepten wie “Offenbahrung”, mit der Bibel, mit Sehnsucht, Begehren, Zweifel und Liebe.
Rollins will Gott als den “ganz Anderen” vorstellen, als einen Gott, der über jedes Konzept hinausgeht, der alle Sprache und alle Vernunft übersteigt. Er will die Alternative zwischen einen offenbarten Glauben, in dem Gott wie ein Geheimnis erscheint, das gelüftet worden ist und einem humanistisch-liberalen Mystizismus, in dem Gott einfach nicht erkannt werden kann und wir uns deshalb auf die Ethik beschränken sollten, aufbrechen. (Meine Kritik hier ist, dass er wirklich ehrgeizig nur gegen religiöse Dogmatismen vorgeht, allerdings nicht die Probleme eines seichten Mystizismusses darstellt).
Um diese falsche Alternative aufzubrechen muss er zum einen über das Wesen von “Offenbahrung” reden und zum anderen über Gott und seiner Beziehung zur Offenbahrung.
Rollins schreibt:
“[...]Revelation, far from being the opposite of concealment, has concealment built into its very heart. [...] Hence revelation ought not to be thought of either as that which makes God known or as that which leaves God unknown, but rather as the overpowering light that renders God known as unknown.” (How (not)to speak of God, 17)”
Dies ist deshalb so, weil Gott weder nah noch fern, weder anwesend noch abwesend sondern hyperpresent ist. Dies ist eine Wortschöpfung, die eins andeuten soll: Gott ist nicht unbekannt als einer, der zu weit entfernt ist, um ihn zu sehen, sondern er erfüllt und überfordert unseren Verstand mit Informationen, mit seiner Anwesenheit. “Anstatt durch die Armut der Abwesenheit begrezt zu sein, werden wir überlastet durch den Exzess der Anwesenheit” (24). Er verwendet dafür viele Bilder. Eines der ältesten der Philosophiegeschichte überhaupt ist das Bild der Sonne. Die Erfahrung Gottes ist, wie in die Sonne zu schauen. Durch die Hyperpresänz des Lichtes sehen wir nichts mehr. Die Offenbahrung ist wie ein Kunstwerk: es vermittelt etwas, aber es gibt nicht die eine Nachricht, sondern man kann auf unendlich viele Weisen über das Kunstwerk sprechen und immer wieder völlig neue Botschaften darin sehen.
No Comments so far
Leave a comment
Leave a comment
Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>