Filed under: Allgemein
Was gibt es – wenn überhaupt – für Gründe für einen apophatischen Glauben? Ich denke, es ist die Reaktion auf Versuche, Gott vor unseren Karren zu spannen, Gott zu benutzen, “seinen Namen” zu missbrauchen.Es gibt diese Versuche in der westlichen Philosophie und Theologie, in der Politik, aber auch im ganz normalen kirchlichen Leben.
In der Philosophie spricht seit Martin Heidegger von Onto-Theologie. Wenn man die westliche Theologie anguckt, so ist sie davon geprägt, dass sie das Ganze der Realität für den menschlichen Geist aufzuschließen sucht. Man strebt nach dem absoluten Wissen mit reinen Vernunft. In Zusammenhang mit den Naturwissenschaften entstand dadurch auch der Gedanke des autonomen Individuums, welches losgelöst von der Welt (Distanz) die Welt in Stücke zerschneidet (Analyse) um so ein kontrollierendes Wissen zu erlangen, welches ermöglicht, die Welt zu manipulieren (Technik). Dieses Subjekt-Objekt-Denken stellte unter anderem Martin Heidegger in Frage indem er deutlich machte: Wir sind immer schon Teil jenes Beziehungsgeflechts das wir “die Welt” nennen; wir sind immer In-der-Welt. Onto-Theologie beginnt da, wo wir mit Gott so umgehen. Wo wir Gott unseren Gesetzen und unserer Rationalität unterwerfen. Heidegger Beispiel ist das Gesetzt der Kausalität. Für die technische Vernufnt, muss alles ein Ursache haben. Man versteht ein Phänomen, indem man sein Ursache klärt. Dies war schon im Mittelalter so, aber im Mittelalter war Gott derjenige, der dieses Gesetz in Kraft hielt besser gesagt: Gottes schöpferisches Handeln WAR das Gesetz der Kausalität (oder wie es Johannes sagt: durch ihn ist alles geworden ohne ihn ist Nichts geworden). Nun passierte im Spätmittelalter folgendes: plötzlich wurde dieses Gesetz auch auf Gott angewendet. Alles muss eine Ursache haben, was ist die Ursache von Gott? Er selbst! Und so kam man auf die ziemlich verwirrende Formel, Gott sei seine eigene Ursache.
Es gibt davon auch theologische Formeln. Im charismatischen Bereich zB heißt es manchmal Gott sei geistlichen Prinzipien unterworfen oder Gott habe seine Freiheit beschränkt und hat sich an die Bibel gebunden. Das bedeutet, wenn man ordentlich Bibel studiert, kann man geistliche Prinzipien, “Schlüssel für die Erweckung” etc herausfinden. Aus einer Beziehung wird eine Technik. Die Bibel wird zur Quelle von Geheimwissen. Es handelt sich um Onto-Theologie sobald wir mit Gott umgehen wie mit einem Pantoffeltierchen unter dem Mikroskop. Sobald wir Gott zu einem Objeklt machen, dass wir aus der Distanz studieren können, sobald wir Gott vor unsren Karren spannen, damit er unsere Projekte legitimiert, machen wir aus ihn einen Götzen. Wie oft haben wir erlebt, dass Leute mit den Brustton der Überzeugung davon gesprochen haben, was Gott sagt und was er will. wie oft wurde versucht, mit Gott eine Gesellschaftsordnung (oder auch nur eine Gemeindeordnung!) zu legitimieren. Kant zB machte Gott zu einem Postulat der praktischen Vernunft: “Ok wir können ncihts wirklich über Gott sagen, oder gar zu ihm beten; aber irgendwie ist es doch ne gute Idee so zu tun, als ob es Gott gäbe. Denn nur so wird der Mensch zu einem moralischen Wesen.”. Oder wenn Gott als eine leistungssteigernde Droge benutzt wird; wenn Gott der Weg zu dem ultimativen emotionalen Kick ist. All dies sind Formen, in denen wir Gott zähmen; in denen wir uns einen “lieben” Gott basteln, der uns nicht in Frage stellt, der sich manipulieren lässt, der nur so auftreten darf, wie es uns passt.
Dagegen entwickelte sich die apophatische Theologie. Als ein Aufschrei. Als ein Protest. Als ein bestehen auf Gottes Heiligkeit. Mehr davon nach der nächsten Maus.
5 Comments so far
Leave a comment
Sehr genialer Post, der mir aus dem Herzen spricht.
Leider macht der menschliche Machbarkeits- und Erkenntniswahn vor Gott nicht halt. Generell müssen wir immer wieder aufpassen den Heiligen Geist nicht außen vorzulassen, der uns leitet und Gott begreifbarer macht. Freu mich auf die nächsten Beiträge.
Sehr feine Gedanken! Woran ich beim Denken in diese Richtung allerdings immer stoße: wenn man das konsequent weiterdenkt, dann muss man ja quasi von Gott nicht nur den Zustand des “Seins”, sondern auch des “Werdens” (und natürlich noch viel mehr) annehmen. Und die Frage ist immer: inwieweit fängt man dann an, zu relativieren? Ich bin gespannt, wie Du das lösen wirst
sehr gut, dass du die tasten wieder in die hand genommen hast um uns via blog an deinen gedanken teilhaben zu lassen. weiter so!
Comment by Depone 02.11.10 @ 19:22[...] hat in seinem Kommentar zum letzten Post eine Frage aufgeworfen, die ich nicht unbedingt in den kleinen Kommentarfeld oder [...]
Pingback by Failing Forward 02.11.10 @ 20:37Leave a comment
Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
