Umweg II – Der Gott, der da sein könnte
Tuesday February 23rd 2010, 20:14
Filed under: Allgemein

Um nochmal meiner Vorliebe von etwas gewagten Aussagen über Gott zu frönen, die am Rande der Nichts-sagenden Reihe auftauchen, hier noch eine Überlegung, die für den Philosophen, Literaten und gelernten Schauspieler aus Irland, Richard Kearney bestimmend ist. Es beginnt mit einer Frage:

Hätte Jesaja “nein” sagen können, als Gott ihn fragte, ob er für ihn Zeuge sein wolle? Hätte Maria “nein” sagen können, als sie Jesus in die Welt tragen sollte? Für Richard Kearney ist das genau die Art über Gott zu denken: Gott setzt sich auf’s Spiel, Gott braucht uns in gewisser Weise, damit “Sein name geheiligt” und “sein Reich kommen” kann.

“Gott braucht uns, um in der Welt Fleisch zu werden – Gott, der die bedingungslose Liebe, die Gerechtigkeit, eine Einladung, ein Ruf, eine Bitte und eine Verheißung für uns ist. Aber wenn wir keine Ohren zu hören, keine Augen zu sehen haben, um auf diesen Ruf zu reagieren, wie Maria und Jesaja es getan haben könnten, dann wäre Gott nicht da gewesen in Maria oder in Jesaja und wir hätten keine Inkarnation, kein Buch Jesaja und keine prophetische Tradition. Also möchte ich die Möglichkeit offen lassen -im Opposition zu einer Metaphysik der Allmacht – das es möglich war, dasss Gott nicht als Jesus in die Welt gekommen wäre, oder prophetisch sichtbar und hörbar durch Jesaja geworden wäre. Also braucht Gott uns. Ja, Gott brauchte Moses damit ER hören konnte, “Ich bin, der ich bin” und dann losgehen konnte und dieses missionarische Statement der Befreieung anwenden konnte, so wie er es getan hatte. Also gibt es da ein Bedüfnis in Gott, eine Sehnsucht in Gott nach uns, die in jeden Moment mehr und mehr Fleish werden muss (in uns).”

Es ist jetzt glaube ich von Kearney gar nicht so unbedingt die Absicht, darüber zu spekulieren, ob Jesu Geburt notwendig so passiert ist, wie sie passierte. Der Punkt ist: wenn man an einen Gott glaubt, den man erkennen kann, der dort draußen ist, heißt das wenig. Es geht darum, dass wir wie Maria, Gott Platz in unserem Leben machen Raum schaffen, dass er Gestalt gewinnen kann und in die Welt geboren wird. Denn Gottes Handeln ist in der Regel Handeln durch Menschen, die von Gott ergriffen wurden. In diesem Sinne wäre die Punchline dieses hochphilosophischen und leicht häretischen Gedanken erstaunlich sentimental, pietistisch (oder eben: moralistisch-politisch):  Gott könnte in unserer Welt präsenter sein, wenn es mehr Menschen gäbe, die ihm Raum gewähren würde in ihren Leben.



[Nichts-sagender Glaube - God happens]
Sunday February 21st 2010, 01:02
Filed under: Allgemein

Soweit ich im letzten Post über Peter Rollins gepostet habe, klingt vieles sehr abstrakt, ungewohnt, mystisch und -vielleicht – etwas wischiwaschi. Soweit wäre es nur ein Staunen über ein Wesen, dass zu hoch für uns ist und weit entfernt ist. Das erinnert soweit alles sehr an den Philosophen Jaques Derrida, der bei einen Vortrag einmal 30 Minuten lang über sein Gebetsleben sprach, in diesen 30 Minuten aber geschickt einer klaren Antwort auswich und so -wie eins seiner Buchtitel -  keine “Confession” sondern eine “Circumfession” lieferte. [Hier Link zum Youtube Video, indem Derrida von John Caputo interviewt wird]. Das ist bisher nichts als eine poetische Unbestimmtheit, eine Weigerung, die Dinge beim Namen zu nennen, eine Weigerung, seine Erfahrungen zu katalogisieren und sie mit einem Label zu versehen. Diese Furcht vor Labels liegt natürlich im Trend: die existentialistischen Philosophen haben immer das Label “Exiustentialismus” abgelehnt; die Poststrukturalistischen Philosophen wollten nicht so genannt werden und eine Emoband zu finden, die sich freiweillig “Emo” nennt, ist ungefähr so schwer, wie eine Sekte zu finden, die sich Sekte nennt.

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[Nichts sagender Glaube - Peter Rollins I]
Thursday February 18th 2010, 20:47
Filed under: Bücher, Emerging Church

So, einige Tage war ich jetzt nicht in der Lage meine Blogreihe weiterzuverfolgen, da ich einige Besucher hier in Prag hatte.  Jetzt möchte ich ein bisschen Werbung betreiben: kauft und lest Peter Rollins Buch “Hot (not) to speak of God”, denn dies hat vor einigen Jahren quasi diese Fragen aufgeworfen mit denen ich mich hier beschäftige und diese Blogreihe steht in einen impliziten Dialog mit dem Buch. Es ist ein kurzes/kurzweiliges Buch, dass sich nicht in akademischen Geplänkel verliert, sehr provokant ist -dabei auch an einigen Stellen etwas Schieflage hat – und: es ist in der Sprache der Poesie geschrieben: Metaphern, Vergleiche, Geschichten dominieren das Buch, dass im zweiten Teil davon berichtet, wie diese Gedanken in experimentellen, liturgisch-poetischen Gottesdiensten der Belfaster IKON Community umgesetzt worden. BTW: wenn jemand Bock hat: ich könnte mir vorstellen einmal gemeinsam dieses Buch via Blog(?) durchzuarbeiten und zu besprechen….

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Dis-kurs: Gott im Werden?
Thursday February 11th 2010, 20:37
Filed under: Allgemein

Gut, dann bin ich heute eben mal im “Flow” und wenn man gerade Schwung hat, soll man auch weitermachen.

Jansalleine hat in seinem Kommentar zum letzten Post eine Frage aufgeworfen, die ich nicht unbedingt in den kleinen Kommentarfeld oder innerhalb der Blogserie beantworten wollte.  Also mache ich einen kleinen Umweg um darauf einzugehen.

Die Frage war, wenn ich sie richtig verstanden hab:  Will ich von Gott nicht in “objektivierter”, technischer Sprache reden, müsste ich dann nicht auch von Gott als jemanden reden, der sich verändert?Jemand, der wir, eine Biographie hat? Ist das nicht Blasphemie?`Machen wir damit nicht Gott zu einem launischen, menschenähnlichen Gott wie die der Griechen? Ich denke, zwei Überlegungen erlauben es mir tatsächlich von Gott als im Werden zu sprechen.

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[Nichts-sagender Glaube -Warum Nichts sagen?]
Thursday February 11th 2010, 15:45
Filed under: Allgemein

Was gibt es – wenn überhaupt – für Gründe für einen apophatischen Glauben? Ich denke, es ist die Reaktion auf Versuche, Gott vor unseren Karren zu spannen, Gott zu benutzen, “seinen Namen” zu missbrauchen.Es gibt diese Versuche in der westlichen Philosophie und Theologie, in der Politik, aber auch im ganz normalen kirchlichen Leben.

In der Philosophie spricht seit Martin Heidegger von Onto-Theologie. Wenn man die westliche Theologie anguckt, so ist sie davon geprägt, dass sie das Ganze der Realität für den menschlichen Geist aufzuschließen sucht. Man strebt nach dem absoluten Wissen mit reinen Vernunft.  In Zusammenhang mit den Naturwissenschaften entstand dadurch auch der Gedanke des autonomen Individuums, welches losgelöst von der Welt (Distanz) die Welt in Stücke zerschneidet (Analyse) um so ein kontrollierendes Wissen zu erlangen, welches ermöglicht, die Welt zu manipulieren (Technik).  Dieses Subjekt-Objekt-Denken stellte unter anderem Martin Heidegger in Frage indem er deutlich machte: Wir sind immer schon Teil jenes Beziehungsgeflechts das wir “die Welt” nennen; wir sind immer In-der-Welt. Onto-Theologie beginnt da, wo wir mit Gott so umgehen. Wo wir Gott unseren Gesetzen und unserer Rationalität unterwerfen. Heidegger Beispiel ist das Gesetzt der Kausalität. Für die technische Vernufnt, muss alles ein Ursache haben. Man versteht ein Phänomen, indem man sein Ursache klärt. Dies war schon im Mittelalter so, aber im Mittelalter war Gott derjenige, der dieses Gesetz in Kraft hielt besser gesagt: Gottes schöpferisches Handeln WAR das Gesetz der Kausalität (oder wie es Johannes sagt: durch ihn ist alles geworden ohne ihn ist Nichts geworden).  Nun passierte im Spätmittelalter folgendes: plötzlich wurde dieses Gesetz auch auf Gott angewendet. Alles muss eine Ursache haben, was ist die Ursache von Gott? Er selbst! Und so kam man auf die ziemlich verwirrende Formel, Gott sei seine eigene Ursache.

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Nichts-sagender Glaube
Thursday February 11th 2010, 14:54
Filed under: Emerging Church, Gottkram

Es wird Zeit, den Blog wiederzubeleben. Eigentlich hatte ich schon lange vor wieder zu bloggen; aber ich wollte vorher den Blog neu designen. Da das aber jetzt aber so schnell nichts zu werden scheint; fange ich einfach dennoch wieder an mich internet-technisch zu Wort zu zu melden.

Und ich beginne;-wie sollte es anders sein- mit einer kurzen Serie. Es geht um ein Thema, welches spätestens mit Pete Rollins – How (not) to speak of God aktuell geworden ist, nämlich ein gewisser mystischer Zugang zu Gott als dem, der alle Begriffe übersteigt, alsdem ganz Anderen über den wir nicht so recht sprechen können. Kurz den Gedanker der apophatischen Theologie und Spiritualität.

Ich will zeigen, warum ein gewissen Maß an apophatischer Theologie, an Nichts-sagenden glauben, gut und wichtig ist und warum man dennoch darüber hinauswachsen muss. Ressourcen für dieses Hinauswachsen findet man unter anderem in der östlich-orthodoxen Theologie und Spiritualität, welche seit Jahrhunderten Apophatische Theologie mit Dogmatischer Theologie (man wird sehen, was genau das heißt) zusammen denkt, lebt und erfährt.

Also auf geht’s.