Wahljahr und Wut und wo lebt ihr eigentlich?
Thursday April 30th 2009, 16:34
Filed under: Allgemein

Ich finde, man muss schon ziemlich verkommen sein, um nicht ein Mindestmaß an Wut über dieses (Bund-)esland zu empfinden. Natürlich: eine egoistischer Wut, eine ohnmächtige Wut aber eine nicht unberechtigte Wut. Da wird man als Student durch ein Turbostudium Marke Bachelor geprügelt für eine Gebür von 500€ zuzüglich 70 € Studentenwerksbeitrag zuzüglich 130 € Semesterticket zuzüglich den höhsten Mieten und Lebenshaltungskosten in Deutschland direkt nach Hamburg und München. Man rackert sich studienbegleitend mit einem 400€ Job ab, weil man nicht mehr verdienen kann, da sonst Kindergeld wegfällt und Steuern und Versicherung anfällt und man damit quasi das Studium schmeißen müsste. Zahlreiche Kommilitonen werden im Rahmen einer arischen Großfamilienpolitik von den Studiengebüren befreit ohne Ansehen des Einkommens der Eltern allein aufgrund von mindestens 2 Geschwistern (Eine Maßnahme die nicht etwa Familien entlasten will sondern Akademikerfamilien den Anreiz bieten will sich auch mal in den Brutkasten zu setzen). Und nun kam heute zum 4. Mal die Ablehnung für den BAFÖG-Antrag (den ich bereits im Januar eingereicht hatte!). Da wird erzählt, dass eine arbeitslose Mutter und ein Vater der als Schlosser 1500€ netto raus hat seinen Sohn mit 600€ im Monat unterstützen sollen. Und um mich herum beobachte ich Lehrer- und Arztsöhne die sich – weil ihre Eltern offensichtlich cleverer und abgebrühter sind – mit einigen hundert Euro BAFÖG ein strapazeloses Studentenleben finanzieren.

In diesem Superwahljahr wollte ich eigentlich gemäßigt links wählen damit schwarz-gelb verhindert wird. Doch a) glaube ich nicht daran dass irgendetwas diese Konstellation aufhällt und b) muss ich vermutlich doch trotz einiger Bedenken viel deutlicher meine Interessen markieren als ich eigentlich vor hatte. Denn der kleine Linksschwenk den alle Parteien eine Zeit lang vollführten ist noch lang nicht so tiefgreifend dass er ernsthaft die sozialen Realitäten verändert hätte.



[Gastpost zur Lent-Serie: Glaube und Naturwissenschaft]
Wednesday April 08th 2009, 23:46
Filed under: Allgemein

Michael ist ein wirklich außergewöhnlich kluger und belesener Mensch, der mit seinen 22 Jahren doch schon ein beachtliches Wissen erworben hat. Seine Themen sind Sprachevolution, kognitive Biologie und Mettbrötchen. Sein Blog ist eine gute Anlaufstelle für Leute wie mich um überhaupt in die Neurobiologische Fragestellung hineinzukommen. Ihn fragte ich, ob er nicht etwas zum Thema Atheism for Lent beizutragen habe und ob er nicht aus seiner Perspektiven einige Herausforderungen an das christliche Denken formulieren kann. Das Resultat darauf hier:

(more…)



Welker zum Problem der Christologie
Wednesday April 08th 2009, 23:19
Filed under: Arne erklärt die Welt

Noch ein sinngemäßes Wellker-Zitat.

Dies ist das Paradox der Christologie. Umso ernster wir die Menschlichkeit Jesu nehmen, desto ferner rückt er in die Vergangenheit, je erstner wir jedoch die Gegenwart Christi betonen, desto fremder wird Jesus uns.



subjektivististischer Glaube und die Emerging Conversation
Wednesday April 08th 2009, 22:41
Filed under: Emerging Church

Mahnende und prophetischer Worte sind besonders dann interessant, wenn sie von Personen geäußert werden, die nicht gerade als notorische Nörgler bekannt sind. So geschehen heute von Professor Welker in der sehr schönen Christologie Vorlesung. Welker (ein großer Hegel-Fan und reformierter Prozesstheologe) warnte eindringlich vor einer Form des Glaubens, die besonders im Neuprotestantismus beliebt ist, weil sie sich für eine gewisse Spiritualität ausspricht, diese auch im säkularen Umfeld zu vertreten weiß aber ansonsten kaum inhaltlich gefüllt ist. Diese Form des Glaubens nennt Welker subjektivistischer Glaube oder eben “transzendentales Spießertum”.

Diese Art der Spiritualität versucht nachzuweisen, wie jeder reflektierte Mensch eigentlich auf Gott trifft. Das geht so:

wenn man in sich geht und sich in einer Suche nach Gewißheit auf einen Kern seiner Existenz besinnt, trifft man auf eine Struktur (die das sogenannte reflexionstheoretische Problem des Selbstbewußtseins genannt wurde), dass man Selbst Beobachtender und Beobachter, Subjekt und Objekt zugleich; dass man sich selbst ganz vertraut und völlig fremd ist. Und in dieser Selbstreflexion nimmt man sich plötzlich als Gegebenes wahr. Man hat sich nicht selbst hervorgebracht sondern etwas anderes wohnt in unserer Subjektivität. Dieses andere in uns ist dann natürlich Gott.

Welker polemisiert gegen diese Form der Spiritualität, die teilweise auf Kierkegaard und vielleicht auch auf Buber gründet, denn sie bringe den Kirchen zwar die Kirchensteuerzahler ein, sorge aber auf der anderen Seite für eine notorische Selbstsäkularisierung und Selbstbanalisierung der Kirche. Sie führt zu einer inhaltsleeren Gewißheit, denn sie hat kaum Platz für das Sprachspiel der Bibel. Sie unterscheidet nicht mehr zwischen Gewißheit und Wahrheit. Sie fördert keine Selsbterkenntnis, Gemeinschaftserkenntnis und Welterkenntnis. Sie hat eine neurotisierende suchtartige Form, indem sie ständige “Selbstsorge” produziert und nciht gerade die Freude an Gott weckt. Und sie hat eskapistischen Charakter, denn sie untergräbt die Kommunikation und Sprachfähigkeit und das gemeinsame Feiern Gottes. Sie ist eine Form der natürlichen Theologie nur statt das Erforschen der Welt anzuregen, führt sie nur in die Selbstbeobachtung (und dazu noch die Beobachtungen einer entleerten, transzentalen Subjektivität).

Das war erstmal der etwas hilflose Versuch, die stichpunktartigen Mitschriebe der Vorlesung -noch recht unverdaut – wiederzugeben. Und es ist wie immer: je weniger man verstanden hat, desto komplizierter die Sprache. Aber ich frage mich: kann es sein, dass dies eine Kritik ist, die auch für die Emerging Conversation von Bedeutung ist? Wenn wir – und das ist eine Richtung mit der ich große Sympathie habe – von einem post-metaphysischen Gott reden, wenn Peter Rollins und andere aus Gott die Erfahrung des ganz Anderen machen, die eigentlich von unserer Theologie nicht mehr ganz einzufangen ist, wenn wir immer mehr meditative Formen der Spiritualität fördern und eine große Skepsis gegenüber allzu dogmatischen Formen des Glaubens haben, fördern wir damit die Entleerung des Glaubens? Trifft diese Kritik manches was in der Emerging Conversation abläuft? Fordert sie uns heraus? Oder betrifft sie vielleicht nur landeskirchliche Frömmigkeit und wir tun gut daran,weiter dem Dogmatismus zu untergraben?