[Atheism for lent - Marx 2]
Monday March 09th 2009, 19:20
Filed under: Bücher, Gottkram

Weiter geht mit meine Auseinandersetzung mit den “masters of suspicion”. Im letzten Post zeigte ich auf, wie allergisch Marx auf das Staatschristentum reagierte. “Der Gott der Christen ist ihre Nation” (was in der hegelianischen Atmosphäre seiner Zeit durchaus ein denkbarer Gedanke war). Er kritsierte die Verbindung zwischen Protestantismus und repressiv-autoriäten preußischem Staat. Und hier würde jetzt der normale Freikirchler mit einer Formel kommen, die ihm eingeprügelt wurde: “Ja genau DAS ist die Realitätder Staatskirche. Da geht es um Macht und Einfluss und nicht um echten Glauben. Das ist “RELIGION” (ein Haßwort bei Freikirchlern), das sind starre Strukturen, das ist Pharisäertum. Wir geisterfüllten Freikirchler würden das nicht tun. Bei uns geht es um Jesus, um Spiritualität, um Spontanität, um Liebe und nicht um Macht. Wir üben Barmherzigkeit und sind für die Leute da.”

Ok ein valider Punkt. Aber gucken wir uns ein historisches Beispiel an, das für viele immer noch als DAS Beispiel für genuines Geistwirken gilt: die Entstehung der Pfingstbewegung. Bei der Azusa-Street-Erweckung, die viele als ein authentisches Wirken des Heiligen Geistes und als Geburtsstunde der mitlerweile dynamischten Bewegung des Christentums ansehen, gab es dieses Moment, wo in dieser Ekstase und in dieser Unmittelbarkeit ein Riß in der sozialen Ordnung entstand. Denn zunächst war die gesetzlich geregelte Rassentrennung aufgehoben. Doch wie lange hielt das? Einige Wochen. Dann kam jemand auf die Idee: nein nein wir müssen uns an die gesellschfatlichen Konventionen halten damit alles hier ordentlich abläuft.

Man sieht hier, dass offensichtlich im ekstatischen, unmittelbaren Erleben etwas ist, dass den Status Quo herausfordert. Dies war schon in Joel so,in dem das Geisteswirken so ebschrieben wird, dass es gesellschaftliche Schranken überwindet. Da ist offensichtlich etwas in der jüdisch-christlichen Tradition, das Ungerechtigkeit herausfordert, namentlich die Prohetische Tradition. Ein kritisches Potenzial, eine Möglichkeit, sich innerlich zu distanzieren von der Gesellschaft ohne aus ihr hinauzugehen. Nur irgendwie scheint dieses Potenzial ausgehbelt zu werden. Wie?

Merold Westphal nennt 3 Strategien:

1. offenkundige Vermählung: Kirche und Welt werden quasi zusammengedacht. Dies passierte in Deutschland zum Beispiel vor dem ersten Weltkrieg: die liberale Theologie führte zu einem Evangelium, welches nur die Kultur spiegelte ohne jegliches krtische Potenzial. Dies führte dazu, dass die großen liberalen Theologen eine Erklärung unterschrieben (“an das Deutsche Kulturvolk!”) welche den ersten Weltkrieg als Willen Gottes erklärte. Bob Dillan sagt: “when God is on our side, we gonna start the next war!”. Das gleiche passierte auf dem konservativen Spektrum in der USA von den Puritanern, die mit ihrer Lehre von der manifest destiny die USA als neues Israel und die Ureinwohner als neue Kanaanäer , die zu vertreiben sind, bezeichneten.
2. Die zweite Strategie ist heißt: “vage Allgemeinheit”. “Gerechtigkeit find ich gut. Bin ich 110%ig dafür” wie Stromberg sagen würde. Nur man bleibt in Modus des Konjunktivs (“man könnte mal”). Dabei bleibt das gesellschaftliche Wirken oft hyper-abstrakt. Namentlich: man baut großflächige Institutionen (Diakonie), diese müssen aber um zu funktionieren wiederrum die Logik des Marktes annehmen. Also wird das gefärhliche Wirken des Geistes gezähmt, indem man entweder redet ohne zu handeln oder in hochabstrakter Form handelt und so Gefahr läuft sich in der Realpolitik zu verirren.

3. dualistische Hermeneutik: Man liest die Bibel in einer Weise, dass die Unterscheidung zwischen Welt und Kirche, zwischen Gott und Welt etc. unüberbrückbar werden. So zieht man sich in seine apokalyptische Gemeinscahft zurück und kümmert sich im Wesentlichen um die geistlichen Bedürfnisse der Anderen. Oder aber man wirkt karitativ und diakonisch ohne jedoch die Frage nach der Gerechtigkeit zu stellen (man will ja die Politik außen vor lassen). So bleibt das Evangelium zwar kraftvoll aber nicht nach außen; es tendiert dazu zum neuen Konsumgut zu werden.

Marx macht uns darauf aufmerksam, dass es kein unpolitisches Evangelium gibt. Wir beten den Gott an, der aus Ägypten herausführt und die Unterdrückten befreit. Kann es sein, dass wenn wir nicht beginnen uns aktiv für emanzipatorische Anliegen einzusetzen, dass wir nur zum Spiegel der Unterdrückung werden? Wenn Religion nicht für das Ausgegrenzte einsteht, wird es selbst zum Motor und zur Legitimierung der Ausgrenzung bzw. zu einer billigen Flucht der ausgegrenzten vor dieser Ausgrenzung; zum Opium fürs Volk.

Bob Marley hatte vielleicht recht: half the story has never been told.

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Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: dont give up the fight!

Preacherman, dont tell me,
Heaven is under the earth.
I know you dont know
What life is really worth.
Its not all that glitters is gold;
alf the story has never been told:
So now you see the light, eh!
Stand up for your rights. come on!

Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: dont give up the fight!
Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: dont give up the fight!

Most people think,
Great God will come from the skies,
Take away everything
And make everybody feel high.
But if you know what life is worth,
You will look for yours on earth:
And now you see the light,
You stand up for your rights. jah!

Get up, stand up! (jah, jah!)
Stand up for your rights! (oh-hoo!)
Get up, stand up! (get up, stand up!)
Dont give up the fight! (life is your right!)
Get up, stand up! (so we cant give up the fight!)
Stand up for your rights! (lord, lord!)
Get up, stand up! (keep on struggling on!)
Dont give up the fight! (yeah!)

We sick an tired of-a your ism-skism game -
Dyin n goin to heaven in-a jesus name, lord.
We know when we understand:
Almighty God is a living man.
You can fool some people sometimes,
But you cant fool all the people all the time.
So now we see the light (what you gonna do? ),
We gonna stand up for our rights! (yeah, yeah, yeah!)


1 Comment so far
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hallo arne

ich fand das hier und musste gleich an dich denken
http://swerve.lifechurch.tv/2009/03/10/failing-forward/
geht´s dir sonst gut? biste mal wieder im lza? ich werde wohl länger nicht mehr in den süden kommen, denn der weg ist doch schon janz schön weit … leider?

soweit. ich stolper mit dir weiter vorwärts. scheiternd weiter =)=)

dicke grüße
DJ

Comment by Martin DJ 03.10.09 @ 17:25



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