Ok um jetzt etwas zu der Feminismus Debatte beitragen zu können, verschiebe ich Volfs absolut zentralen Kapitel über Identität und Umarmung und gehe gleich in das Gender Kapitel. Dieses hat eine zentrale Stelle in seinen Buch und erhält somit mehr Raum als die Fragen nach Gewalt und Gewaltlosigkeit, was ja schonmal ein Statement für sich ist.
Er beginnt mit einem Nietzsche Zitat: “Der Mann erschuf die Frau – woraus? – Aus der Rippe seines Gottes, seines Ideals.”.
Das ist eine clevere Umkehrung der Genesis Geschichte und enthält viel Wahres: Frausein ist ein kulturelles Konstrukt, das nicht selten als Gegenstück zum Mannsein konstruiert ist: “Hinter jedem großen Mann steht eine treusorgende Hausfrau”. Die Frau wird zur Antithese des Mannes. Gerade in christlichen Kreisen hat man ja solche Klischees: der Mann ist auf Sex aus, die Frau auf Beziehung; die Frau verkraftet eine Trennung schlechter als der Mann; deshalb ist die chrstl. Sexualmoral vor allem zum Schutz der Frau da blablabla.
Was macht jetzt Volf. Zuerst untersucht er Ansätze, (klassiche und feministische) wahres Mann- und Frausein aus der Natur Gottes herzuleiten. Dann utnersucht er den Körper und die Bibel auf verschiedene Ansätze zur Genderfrage und kommt schließlich auf ein Konzept, dass die Diskussion weiterbringen kann als ein bloßes: “Die Frau muss aus den Ketten der Unterdrückung befreit werden” oder “Wir brauchen ein biblisches Verständnis von Mann- und Frausein”. Ok, ich versuchs so weit wie möglich herunterzubrechen. Here we go.
Zunächst also die Frage, ob wir aus der Natur Gottes etwas lernen können, was Mannsein und Frausein bedeutet. Man geht dann oft so vor, dass man nach weiblichen Metaphern für Gott sucht (zum beispiel: Gott ist die säugende, fürsorgliche Mutter in Jesaja), der nächste Schritt wäre vielleicht, zu entdecken, dass ein mitglied der Dreieinigkeit (prominent wäre da der Heilige Geist) vielleicht doch eher weiblich ist. Vielleicht gilt es aber auch nur die Personalpronomen zu ändern; denn die Logik ist einfach: wenn Gott männlich ist, dann ist der Mann göttlich. Diese Konstruktionen können tatsächlich eine Hilfe sein, wenn es um die Frage der Gleichwertigkeit geht; aber Volf will mehr; er stellt die Frage: was bedeutet das? Frausein und Mannsein? Und genau hier hilft uns die Natur Gottes zunächst nicht weiter. Gott ist geschlechtslos, nur unsere Rede über Gott muss notwendigerweise geschlechtlich sein. Wir sagen “der Bus” ohne damit zu verbinden, dass der Bus männlich wäre. Im Altgriechischen ist eins der zenbtralen Werte für die Kriegerkaste (“he andreia” – die Tapferkeit) rein grammatiklaisch weiblich. Juhu, könnte man jetzt schreien. Ein Zeichen für die Fortschrittlichkeit der Griechen? Nein, denn wenn man genau hinguckt sieht man, dass der Wortstamm von “aner” – der Mann abstammt. Will sagen: grammatikalische Konstrukte sind nicht tief mit der Vorstellungswelt verbunden. Und darüber hinaus:
erste Erkenntnis: Gott ist kein Modell für unsere geschlechtliche Identität. Er ist ein Modell für unser gemeinsames Menschsein, nicht ein Modell für unser spezifisches Frausein oder Mannsein.
Natürlich kann man bestimmte kulturelle Konstellationen einfrieren und durch einen geschickten Move dann von Gott herleiten wollen. Wo das passiert, muss es dekonstruiert werden.
B)die Bibel
Ok, also wir können den Inhalt der Gender Identität nicht von Gottes Natur ablesen. Aber wir haben doch die Bibel und die ist doch in allen Fragen erste Autorität, oder? Lasst uns in die Bibel gucken und daraus Modelle für das Mann- und Frausein ableiten: Abraham, David, Ruth, Esther, nicht zuletzt Jesus. Oder: alles Stellen übers Mann- und Frausein zusammentragen und daraus eine Formulierung für biblisches Mannsein und biblisches Frausein ableiten. Das Problem daran ist: es geht in der Bibel gar nicht um die Frage, was ein allgemeines Frau- und Mannsein bedeutet könnte. Die Bibel macht keine Aussage darüber, wie Frau- und Mannsein zu allen Zeiten, in jeder Situation funktionieren könnte. Diese Frage ist ihr fremd. Es geht um konkrete Geschichten von konkreten Menschen in konkreten Situationen; es geht um “kulturell bedingte Beispiele nicht um göttlich sanktionierte Modelle”.
Also Erkenntnis 2: Der Bibel ist unsere Fragestellung nach dem Inhalt von Weiblichkeit und Männlichkeit fremd.
C) VKörperlichkeit:
In der Schöpfungsgeschichte ist die Männlichkeit und Weiblichkeit kein Apsekt, den wir mit Gott gemein haben, sondern ein Aspekt, den wir mit den Tieren gemein haben. Hier greift er die berühmte Unterscheidung zwischen Sex und Gender auf. Sex ist das biologische Geschlecht; unser Körper platt gesagt. Gender ist das soziale Geschlecht: bestimmte Rollenbilder, Geschichten über die Geschlechter, Adjektive, die man ihnen zuweisen will, soziale und politische Verhältnisse etc. Man könnte sagen: Gender ist relativ im Fluß und Sex relativ stabil (naja, würde ich einwenden; weil man so das Problem von Transsexualität auslässt, aber gut). Volf sieht den geschlechtlichen Körper als Wurzel und als Grenze der Genderdebatte. Grenze, weil der sexualisierte Körper die Markierung der Differenz ist. Er spricht von Wurzel und nicht von Inhalt: der Körper bestimmt nicht den Inhalt des Gender Identität; wie wenn man zB sagen würde: die Brust der Frau ist ein Zeichen für das Bedürfnis der Frau, Mutter zu sein und dort ihre Erfüllung zu finden. Nein, er sagt er, aber der Körper ist die Wurzel der Gecschlechterdifferenz; diese wiederrum wird sozial geformt, ausgehandelt, neu verhandelt.
Es gibt auf der einen Seite diese Differenz, aber es gibt keine Essenz: kein ewiges Urbild des Mannes, keine Frau-an-sich. Das bedeutet aber auch, dass neimand von uns im luftleeren Raum lebt. Wir alle leben nach bestimmte Rollenvorstellungen; diese wurden erfunden und können jederzeit neu erfunden werden. Wir leben in Kraftfeldern sozusagen.
Erkenntnis 3: Die Geschlechterdifferenz hat ihre Wurzel in der Körperlichkeit. Alles was über das rein körperliche hinausgeht (Rollen, Modelle, Akzentuierungen) wird sozial vermittelt.
Es geht Volf nicht um die Frage, was die zeitlose Definition der Geschlechter sind, sondern um die Frage: auf welche Art und Weise sollen die Rollen ausgehandelt werden? Welchen Beitrag kann die christliche Theologie zu der Debatte geben? Wie kann man die Fragen nach einer in sich geschlossenen Identität hinter sich lassen und zu der Frage gelangen: wie kann man gesunde Beziehungen leben?
2 Comments so far
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hab eine Frage bzgl der Erkenntnis 2:
macht Volf da einen Unterschied zwischen: “Schöpfung” und “nach dem Sündefall”?
Siehst du das auch so radikal/ ausschließlich, dass in der Bibel die Frage nach Männlichkeit und Weiblichkeit fremd ist? Und was meint er mit “fremd”? “überhaupt nicht benannt” oder “falsch gefragt/ gedacht”?
Hallo, (Dauert immer etwas bei mir),
naja man muss erstmal sagen: Volf scheint eine sehr hohe Meinung von der Bibel zu haben. Er argumentiert sehr viel anhand der Bibel. Seine Worte sind nicht “das kommt in der Bibel nicht vor” sondern “die Bibel hat hier nur begrenzten normativen Wert” das heißt sie kann uns nur begrenzt Gesetzmäßigkeiten liefern. (Er geht aber dennoch von Genesis bis zu Paulus einige wichtige Bibelstellen durch). Fremd ist der Bibel die Frage nach der Essenz von Männlichkeit und Weiblichkeit. Essenz / “das Wesen von” sind griechische Kategorien. Der Bibel geht es weniger um zeitlose, isolierte Definitionen sondern um Beziehungen; deshalb wäre die “richtige ” Frage vielleicht eher: wie sähe nach der Bibel die richtige Beziehung zwischen Männern und Frauen aus.
Ja er spricht von der Schöpfung und in diesem Buch viel über den Sündenfall; aber in dem Kapitel kommt er nicht explizit drin vor. Man könnte sicher argumentieren, dass durch den Sündenfall die Beziehung zwischen den Geschlechtern mit Macht verseucht wurde.
Meine Meinung: Puh; ich denke das ist so eine Sache; denn hier führt ein ungeklärtes Problem zum nächsten ungeklärten Problem (meint: was ist die Rolle und die Authorität der Bibel). Ich denke zumindest, bis ich mir hier eine Meinung bilden würde, würde ich doch das Thema ausgiebig (sprich: ausgiebiger als ich Zeit habe) studieren müssen und die entsprechenden Texte genau lesen oder auf Leute zurückgreifen, die das gemacht haben. Jedenfalls würde ich Vokabeln wie “DIE biblische Sicht auf die Frau/den Mann” solange erstmal auf Eis legen.
Comment by Arnachie 12.08.08 @ 18:11Leave a comment
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