die Flüche in Genesis; heute: “Beziehung”.
Dies ist nur eine schnelle Skizze. Seit einiger Zeit verfolgen mich die Flüche in Genesis 3. Ja die nach der Sache mit dem Sündenfall: “Feindschaft setze ich zwischen…”, “Verflucht sei der Acker um deinetwillen…”,”Unter Schmerzen sollst du…”, “Du hast verlangen nach deinem Mann…”, “Dornen und Disteln wird er dir wachsen”.
Nun ist es zur Zeit mächtig “in” sich gar nicht zu viel aus der Sündenfallgeschichte zu machen. Zu viel Schindluder wurde damit getrieben. Leute wurde in eine passive Selbstzerfleischung, in Abhängigkeit gegenüber einer Priesterkaste, in einen Zustand permanenter Unmündigkeit getrieben. Sündenfall, Ursünde, radikale Gnade: raus, raus, raus!
Da ich mich gern auch mal mit der Aura des Altmodischen umgebe, gehe ich da nicht ganz mit. Zu viel Sinn macht in meiner Erfahrung diese Geschichte, wiewohl mir nicht immer die herrschende Lesart dieser Geschichten sinnvoll erscheint.
Seit einiger Zeit geistert mir eine unausgegorene Lesart dieser Geschichten (und in einen bedeutendem Sinne ist der Rest von der Urgeschichte nur eine Auslegung dieser “Flüche”) im Kopfe herum. Freilich weder innovativ noch wissenschaftlich gestützt will ich diese Auslegung mal in den Raum werfen.
Was wäre, wenn die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen nicht an einem abstrakten, ontologisch-moralischen Makel läge, der mit durch den Geschlechtsakt weitergegeben wird (die verfehlte Anschauung einer “Erb”sünde), sondern sie -wie Tillich und andere vorher behaupteten- darin bestünde, das wir Menschen in “bösen” Strukturen und im Zustand der Entfremung lebten? Um daran zu kommen, müsste man Genesis durch die Augen des Buch Kohelets/Prediger lesen.
Zweideutigkeit, Ambivalenz, Fernabstehen vom Leben, Frustration, der Abgrund oder wie man das auch immer ausdrücken will.
Nehmen wir ein Beispiel: “Dein Begehren wird nach dem Manne sein, doch er wird über dich herrschen.”

Wenn wir den Text einmal anachronistisch lesen und die Umschreibung eines Patriarchats hinaussubtrahieren, dann haben wir vielleicht den Kern der Tragik jenes Konzeptes, das wir heute “Beziehung” nennen. Neulich las ich, dass die Tragik des (Zwischen-)menschlichen darin bestünde, dass wir ein Bewußtsein haben, dass sich nahezu unendlich viele Leben ausmalen kann aber das wir uns mit unserem Körper an ein konkretes Leben zu binden haben. Zu diesem Grundproblem kommt eine kulturelle Konstellation, in der es nicht üblich ist, sich zu binden. Mobilität, Flexibilität, die Existenz eines Nomaden. Abraham als Archetyp einer Generation, die das “Haus ihres Vater verlässt um in ein Land zu ziehen, dass sich da zeigen wird”. Diese beiden Konstellationen werden in eine intime Beziehung mitgenommen und treffen hier auf ein weiteres Problem: die Ungleichverteilung des Begehrens. Nicht selten hat man einen Teil, der voll des Begehrens, des Exzesses und des Überschwanges ist und einen Teil der mit einem größeren Maß an Kalkül eine Beziehung beginnt. In diesem Klima des ungleichen Begehrens entsteht nun Macht. Wechselseitige Manipulation, Ausreizen der Grenzen, Drohungen, Ausnutzung der Verletzlichkeit (gerade letzteres spielt ja oft beim Flirten eine gewisse Rolle). Dies alles ist heutzutage nicht mehr so allgemein auf Männer (als der starke Part) und Frauen (als der emotionale Part) anzuwenden; aber es deutet vielleicht eine Grundstruktur an, die wir heute oft wiederfinden und die das Prekäre des Konzepts “Beziehung” ausmacht.
Dies ist jetzt nur eine Skizze, die noch jegliche Absicherung am Text vermissen lässt (ich meine mich aber zu erinnern, dass die Worte “begehren” und “herrschen” an prominenten Stellen von Genesis wieder vielsagend auftauchen). Es geht ja auch nicht nur um den Gegenstand selbst, sondern um die Frage: macht es Sinn, wenn wir Sünde als diesen prekären, entfremdeten, zweideutigen, tragischen Zustand und die daraus entstehenden Taten beschreiben? Ist diese Lesart zu gewagt? Oder ist sie vielleicht nicht radikal genug (der postmoderne Denker würde ja grundstäzlich gegen den Begriff Entfremdung sein, da dieser ja so etwas wie die Möglichkeit eines “Wiederfindens” beinhaltet)?
[Exclusion & Embrace] Gender Identität 2
Sunday December 21st 2008, 20:07
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Bücher
Miroslav Volf teilt mit vielen Postmodernen Denkern die Emphase der Unterschiedlichkeit. Gleichheit/Identität führt schnell zur Ausgrenzung und zu Totalitarismus. Deshalb kommt Volf, wie viele Theologen vor ihm, zu der Frage der Dreieinigkeit; besser gesagt zur Trinität. Es gibt verschiedene Metaphern, wie man die Trinität beschreiben kann. Zum einen das der Theatermasken, hinter denen sich ein und dasselbe Gesicht verbirgt. Aber in letzter Zeit kam eine alte griechische Metapher wieder in Mode, die seinerzeit Johannes von Damaskus geprägt hat. Dies ist die Metapher des Tanzes: die 3 Personen der Dreieinigkeit tanzen umeinander und geben sich gegenseitig “die Ehre”; das heißt erst durch die Anderen werden sie, was sie sind. Es ist ein Kreislauf von gegenseitiger Selbst-Hingabe und Offenheit für den Anderen. Der Andere Teil der Trinität ist immer schon Teil von dem Anderen. Volf süpricht von “mutual indwelling” von gegenseitiger Innewohnung/ davon, dass alle Personen gegenseitig Teil von einander sind. Jeder empfängt seine Identität durch die Hingabe des Anderen und jeder gibt sich an den Anderen.
Nur was kann man mit dieser komplexen Sicht von Identität anfangen? Wie kann der Gedanke von “Selbsthingabe” und “mutual indwelling” vom Himmel auf die Erde gebracht werden? Das – so stellt Volf in genialer Weise fest – ist DIE Frage der Heilsgeschichte. Wie kann das göttliche Leben, die göttliche Gemeinschaft, die göttliche Lebendigkeit und Liebe “hier unten” funktionieren? Welche Auswirkungen hat dies auf die Frage nach den Beziehungen zwischen den Geschlchtern?
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[Exlusion & Embrace] Gender Identität 1
Ok um jetzt etwas zu der Feminismus Debatte beitragen zu können, verschiebe ich Volfs absolut zentralen Kapitel über Identität und Umarmung und gehe gleich in das Gender Kapitel. Dieses hat eine zentrale Stelle in seinen Buch und erhält somit mehr Raum als die Fragen nach Gewalt und Gewaltlosigkeit, was ja schonmal ein Statement für sich ist.
Er beginnt mit einem Nietzsche Zitat: “Der Mann erschuf die Frau – woraus? – Aus der Rippe seines Gottes, seines Ideals.”.
Das ist eine clevere Umkehrung der Genesis Geschichte und enthält viel Wahres: Frausein ist ein kulturelles Konstrukt, das nicht selten als Gegenstück zum Mannsein konstruiert ist: “Hinter jedem großen Mann steht eine treusorgende Hausfrau”. Die Frau wird zur Antithese des Mannes. Gerade in christlichen Kreisen hat man ja solche Klischees: der Mann ist auf Sex aus, die Frau auf Beziehung; die Frau verkraftet eine Trennung schlechter als der Mann; deshalb ist die chrstl. Sexualmoral vor allem zum Schutz der Frau da blablabla.
Was macht jetzt Volf. Zuerst untersucht er Ansätze, (klassiche und feministische) wahres Mann- und Frausein aus der Natur Gottes herzuleiten. Dann utnersucht er den Körper und die Bibel auf verschiedene Ansätze zur Genderfrage und kommt schließlich auf ein Konzept, dass die Diskussion weiterbringen kann als ein bloßes: “Die Frau muss aus den Ketten der Unterdrückung befreit werden” oder “Wir brauchen ein biblisches Verständnis von Mann- und Frausein”. Ok, ich versuchs so weit wie möglich herunterzubrechen. Here we go.
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[Exlusion & Embrace] eine zweischneidige Befreiung
Ich überspringe mal fluchs wichtige Kapitel in Miroslav Volfs Buch “Exclusion & Embrace”, um an das Emergent Forum in Erlangen letztes Wochenende anzuknüpfen. Besonders weil ich glaube, dass Miroslav Volf uns DIE Metapher an die Hand gibt, um aus einer neuen Sicht über “Gleichberechtigung” etc. zu sprechen.
[EDIT:]Das krieg ich auch kürzer hin: Miroslav Volf hat ein Problem mit der Metapher der Befreieung, die die Hauptkategorie ist, in der die letzten Jahre explizit oder bei konservativen eher implizit Sozialtheologie betrieben wurde.
Befreiung ist die Negation von Unterdrückung; das Sprengen der Fesseln sozusagen. Alles, was gegen Unterdrückung gerichtet ist, zählt als Befreieung. Zustände, die die Unterdrückung beenden zählen als “Freiheit”. Dabei wird aber auch ein Täter-Opfer Schema produziert, welches in echten Konfliktfällen nur selten Berechtigung hat. Ja, meistens hat “irgendwer angefangen”. Aber umso länger der Konflikt geht, umso schwieriger ist es, von unschuldigen Opfern und grausamen Tätern zu sprechen. Selbst wenn es Konflikte gab, in denen man eindeutig Täter und Opfer ausmachen konnte, ändern sich, nachdem die Täter besiegt werden oft die Rollen. Volf unterscheidet zwischen Täter und Opfer als Kategorie, diese müssen weiterhin verwendet werden und zwischen Täter und Opfer als Schema, dieses ist meist wenig hilfreich.
Dieses Schema führt zu ideologischer Verblendung, da man ja einen gerechten Kampf kämpft ist man nicht mehr fäihg, sich in die andere Partei hineinzuversetzen. Zum Anderen wird die Opfer Seite entmündigt; sie wird sehr passiv gedacht.
Deshalb plädiert Volf dafür, Befreieung als Schema zu ersetzen mit der Metapher der Umarmung. Außerdem soll Freiheit als finales Ziel von sozialer Theologie ersetzt werden durch das Ziel “Liebe”.
[Es folgt die längere, ursprüngliche Variante]
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