Exklusion & Embrace – Die Anatomie und die Dynamik der Ausgrenzung
Karlsruhe: Ich sitze in der Bahn als gerade eine Horde Ghettotürken einsteigt: furchtbare Vokuhilas, Parfümwolken, Pseudogangsteroutfit und sonstige peinliche Accesoirs wie Gürtelschnallen etc. Laut und primtiv wird durch die halbe Bahn gebrüllt. Aus den Boxen ihrer geilen Handys kommt billiger Gangsterrap, dabei haben die Handys nicht mal Bass. “Ey Alter, guck ma hier, die Alte!” Und es werden dumme Pornobilder rumgezeigt. Ich rolle die Augen: “solche Affen” denke ich mir. Was würde ich geben, wenn die da von irgendnem Schaffner entfernt werden. Wär die Welt wirklich ein so furchtbarer Ort, wenn diese Leute gar nicht existieren würden?

Ausgrenzung. Ausgrenzung hat etwas mit Identität zu tun. Wenn ich meine/unsere Identität konstruiere, ziehe ich einen Kreis um mich. Ich hebe mich von anderen ab. Dieser Vorgang ist noch nicht Ausgrenzung, es ist erstmal Differenzierung. Ich sage: “das ist nicht mein Weg.” “Vokuhilas wären jetzt nicht un-be-dingt mein Stil.”. Aber aus Differnzierung wird schnell Ausgrenzung, wenn die Kategorie “Reinheit” dazugenommen wird. Wenn in Frankreich nach einer reinen französischen Sprache gesucht wird, die von allen Anglizismen be-reinigt wird, geht es vielleicht um eine kulturelle Aussage aber gleichzeitig wird vielleicht der Andere nicht mehr als Bereicherung sondern als Verschmutzung unserer reinen Welt betrachtet. Der Andere wird schnell reduziert, ausgestoßen und abgetrennt. Die Suche nach einer reinen Sprache, nach einer reinen Rasse, nach einem reinen Territorialstaat, nach der einen reinen Vernunft; all das sind strukturell (! nicht inhaltlich) verwandte Ziele.
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Exclusion and Embrace I
Saturday November 15th 2008, 00:49
Filed under:
Bücher
Ich bin relativ “geflashed”. Hab vor ner Zeit Miroslav Volfs “Exlusion and Embrace” gelesen und es spontan für das bisher beste theologische Buch befunden. Jetzt hab ich es bei unserem Kaffeegottesdienst vorgestellt und für den Zweck einige Passagen übersetzt. Das nehm ich doch gleich mal als Anlass, um darüber zu bloggen.
Miroslav Volf ist ein kroatischer Theologe, der im Kommunistischen Jugoslawien aufgewachsen ist. Er hatte die Möglichkeit in Tübingen bei Moltmann Theologie zu studieren und musste dann zurück nach Jugoslawien, wo er in die Armee eingezogen wurde. Dort wurde er unter großen psychischen Druck gesetzt. Die Erinnerung an die Gespräche mit dem kommunistischen Offizier, die teilweise an Folterung grenzten hielt er in seinem späteren Buch “The End of Memory: Remembering rightly in a violent world” fest. In Exlusion & Embrace geht es um ganz große Themen: Was bedeutet Versöhnung? Was Liebe? Was ist Wahrheit? Wie sieht die Beziehung zwischen den Geschlechtern aus? Was für Menschen müssen wir werden, um in Gemeinschaft mit Anderen zu existieren? Wann muss man den Anderen richten? Wann ist Gewalt angebracht?
Das fesselnde an dem Buch ist: neben einer großen intelektuellen Anstrengung (er verarbeitet sämtliche relevanten Bibelstellen und geht von Focault bis Adorno, von Derrida bis Freud auf sämtliche releavante Denker der letzten 100 Jahre ein) ist das Buch durchtränkt von Lebenserfharung und Leidenschaft.
Ich lasse ihn einfach mal selbst zu Wort kommen:
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Welker zu Obama
Wednesday November 05th 2008, 15:55
Filed under:
Politik
Prof. Dr. Welker ist einer meiner Lieblingsdozenten; ein grand seigneur der Systematischen Theologie, Philosophisch fit und kompetent selbst abstrakte Theoriesprachen anschaulich zu erklären. Zur Zeit höre ich ihn über die Deutsche Philosophie und Theologie des 19. Jahrhunderts. Heute morgen konnte er sich doch eine Bemerkung nicht verkneifen: “Ich sage sowas normalerweise nie öffentlich, aber ich glaube wirklich, dass wir Obama in die Fürbitte nehmen sollten. Die Demokratische Partei ist schwer zu regieren; nach dem ersten Enthusiasmus wird er schnell an Rückhalt verlieren. Und vor allem: er lebt im Land eines John F. Kennedy’s, Martin Luther Kings und exzessiven Schusswaffengebrauchs”. Selten, dass man sowas an Deutschen Unis hört…