Die neue Bohème nennt man das auch ganz gerne mal: die aufkommende Generation von ungebundenen, rastlosen, kreativen, exzentrischen Menschen, deren Leben aus dem Stadium des “Umbruchs” nicht so recht rauskommen will, die auf dem Weg sind und nie so recht ankommen wollen.
Naja auch wenn ich wenn schon weniger die digitale Bohème sondern eher das digitale Proletariat sein wollte, so bin ich seit diesem Wochenende wohl offiziell Teil davon; oder so ähnlich….
Tobi lud mich ein zum gemeinsamen Wochenende des so genannten Insaint Collectives. Eigentlich ein Freundeskreis, der daraus entstanden ist, dass Leute zusammen eine Freizeit für Jugendliche in Norddeutschland geleitet haben und merkten, dass sie sich so gut verstanden, dass sie öfters was unternehmen wollten. Es traf sich, dass alle dieser Leute auf die ein oder andere Art und Weise kreativ war und so der Wunsch entstand, vielleicht im größeren Kreis etwas zu machen.
Und so ward die Idee für dieses WE geboren.
Die meisten Teilnehmer gingen auf die Ende 20 zu; aber das war für mich in keiner Weise unangenehm. Es gab wenig Programm, dafür ausgedehnte Mahlzeiten. In der Vorab-Email stand:
“Um einer sinnesfeindlichen Tradition, die auf geheimnisvolle Weise eng mit Früchtetee und Brot aus Plastiktüten verbunden ist, eine Absage zu erteilen, haben wir ein bohemiènhaftes Konzept des gepflegten Tischgesprächs als Zentrum und Zeremoniell der Gemeinschaft angedacht. Ausgehend von den gemeinsamen Mahlzeiten soll sich eine Atmosphäre des Kennenlernens, des Diskutieren und Ausprobierens entfalten können. ”
Und so war es auch. Viel gemeinsames Kochen und Essen und Spülen. Viel reden, Leute kennenlernen, ausprobieren. Und all das in der hessischen Pampa, im wunderbaren Anorak21.
Es waren interessante Leute dabei: viele Kultur-irgendwas-Studenten (oder Ex Studenten), Autoren/Verleger , ein Songwriter mit Original Chris Martin Stimme, jemand malte extra für das WE ein wandgroßes Bild, ein Illustrator der viele Karrikaturen zeichnete, viele Leute, die gern mit Worten umgehen und überhaupt viele durchgedrehte oder auch herrlich normale Menschen. Letztlich war es sehr schön am Samstag abend mit Leuten zu reden, die die gleichen Fragen haben, die gleichen Sehnsüchte, die gleichen Ideen über Kirche, Kreativität und Kommunität. Alles sehr toll. Am Samstag gabs dann auch noch offene Bühne; war nett, was da alles zusammenkam nach nur einem Tag.
Ich hoffe, dass sich das ganze wiederholt.
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