Die Grundstruktur des Moralismus’ ist Neid.
Vor einiger Zeit bekam ich mit, wie in einer Gemeinde über jemanden getuschelt wurde. Er hat sich ein neues, teures Auto gekauft und die Leute “machten sich Sorgen”. (kennt ihr den Spruch: “Lästert ihr oder sammelt ihr Gebetsanliegen?”). Wie kann man als Christ unnötig Geld ausgeben und sich ein tolles Auto gönnen? Interessant ist jedoch, das ein Jahr später einer der Besorgten selbst ein solches Auto hatte.
Es liegt an einem grundprotestantischen Sentiment:
Fühlt ein strenger Protestant Freude, so fühlt er damit verbunden immer auch Schuld oder schlechtes Gewissen. Und was tut man dann mit dem Gegenstand, der Freude hervorruft? Man opfert ihn. Nicht umsonst ist die Geschcihte mit Abrahams vermeintlicher Opferung von Isaak die Lieblingsgeschichte sämtlicher Protest-Tanten. In diesem Opfern wirkt natürlich auch Kants Gegenüberstellung von Pflicht und Neigung nach, wonach die wahre heilige Pflicht immer frei ist von Neigung, von sich-gut-fühlen.
Auf das Opfern folgt natürlich der Stolz. Die Pseudo-Selbstbeherrschung. Denn wir wissen alle: man kann Sehnsüchte in den Keller sperren aber sie machen sich immer noch bemerkbar. Denn es bleibt eine Restsehnsucht.
Spätestens wenn man jemanden sieht, der sich die Wünsche erfüllt, die man sich versagt, fängt man an zu schielen. Mit zusammengekniffenen Augen guckt man über den Gartenzaun in die Garageneinfahrt des Nachbarn und da Neid nicht akzeptabel ist, verwandelt man es in Kopfschütteln. Deshalb ist natürlich auch in konservativer Moral Sex so ein Thema. Wenn man sich selbst entschlossen hat, bestimmte Regeln zu befolgen- nein, eigentlich nur, wenn man sich gar nicht selbst entschlossen hat, sondern diese aufgrund von Gruppendynamiken annimmt- dann kann man natürlich überhaupt nicht gebrauchen zu sehen, wie andere diese nicht befolgen. Das ist dann der Dolchstoß: der kämpfenden Truppe wird von der Heimantfront ausgehend- also von jenen Leuten, die man in seiner Gruppe wähnte- in den Rücken gefallen.
Neid ist also die Grundstruktur des Moralismus. Und es ist klar: Moralismus verändert Menschen nicht, es ist Sehnsuchtmanagement: man will Sehnsüchte wegrationalisieren, aber die sind leider gut organisiert in der Gewerkschaft und so klagen sie sich wieder ein. Es bindet viele Energien, da man damit beschäftigt ist, zu verdrängen. Da leiden dann oft zwischenmenschliche Qualitäten drunter. Und vor allem: es beruht auf der falschen Annahme, dass Freude immer schuldhaft ist. Und hier bin ich auch wieder froh um John Piper (auch wenn man ihn teilweise wieder kritisieren muss), da er den rigiden Protestantismus torpediert. (bleibt nur zu fragen, ob er ihn nicht damit auf Dauer ganz zerstört).
Achja: wenn man über Moralismus redet müsste man theoretisch über das entgegengesetze “Übel” über Hedonismus -oder, wie der hippe Gesellschaftskritiker heutzutage sagt, Konsumerismus- reden. Aber dafür sind vielleicht andere geigneter.
3 Comments so far
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Arne … Du lehnst Dich gerade weit aus dem Fenster.
Noch ein paar Zentimeter mehr und …
Wieso meinst du?
Lies mal in http://www.redeemer2.com/resources/papers/centrality.pdf rein!
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