Wann ist der Song ein Song? Der Songwriter
Tuesday November 06th 2007, 01:00
Filed under: Lieder, die mir wichtig sind, das Leben und so

Marlin hat die Frage aufgeworfen, was eigentlich einen Song zu einen guten Song macht. Da ich schon ein paar Songs sehr intensiv gehört habe und mit einzelnen Liedern sehr viel verbinde, will ich ein bisschen darüber bloggen.

Ich muss sagen, gute Songs sind überlebenswichtig. Nichts geht über den Kick, wenn man feststellt, dass das eigene Lebensgefühl auch anderen bekannt ist. Es schafft Identifikation. Es verstärkt das was da ist und manchmal tritt sogar durch ein Song etwas neues in dein Leben. Ohne Witz: gute Lieder sind immer noch ein wichtiger Bestandteil meines geistlichen Lebens. Ich muss dazu sagen: im Wesentlichen Lieder, die nicht von Christen geschrieben sind.

Ich höre nicht bei aller Musik intensiv auf die Texte; bei vielen Liedern ist die Hauptsache, dass das Gesamtbild passt. Auch da will ich das Gefühl haben, dass da mehr dahinter steckt. Bei englischsprachiger Musik ist das oft so. Bei deutschprachiger hab ich in der Regel höhere Ansprüche an die Texte; es gibt wenige deutschprachige Musik, die ich nüchtern hören würde ohne von den Texten angesprochen zu sein.

Das wichtigste an einem guten Text ist das, was dahinter steckt. Songs scheitern selten mangels Songwriting, sondern mangels Aussage. Es gibt Geschichten und Gefühle, die einfach erzählt und umschrieben werden wollen. Ein guter Songwriter ist ein Mensch mit einem Gespür für Geschichten, die ihm umgeben, diese gilt es dann- wie Olli Schulz das formuliert- “abzuholen”. Ein guter Songwriter empfindet Gefühle, für die es keine Worte gibt und tastet sich durch seine Lieder an diese Gefühle heran. Gutes Songwriting ist rastloses und unzufriedenes Herantasten an Unaussprechliches aber auch manchmal an Banales. Ihr merkt: ich rede im Wesentlichen gerade von Indiesongs; ein Hip Hop Song und ein Worshipsong funktionieren sicher anders. Aber ein guter Indiesong betrifft deine Existenz, er geht in die Tiefe. Er kennt die Fragilität und Zerbrechlichkeit des Lebens und er kennt den Überschwang, die Euphorie. Ein guter Song ist ein Destillat des Lebens; er konzentriert die ganze Reichweite der Erfahrungen; Niederlagen und Siege; Ängste und Freude aber vor allem: die weite Strecke dazwischen; die Mittelmäßigkeit. Vielleicht muss man auch einfach ein bestimmter Typ Mensch sein, um gute Songs zu schreiben; jemand, der das Leben intensiver miterlebt als die meisten anderen.

Ein guter Song lebt also von einem guten Songwriter, der sich bedingungslos dem Leben aussetzt und aus seiner Erfahrung eine Geschichte oder ein Bild macht. Dieser Songwriter muss sich wiederrum mit seinem Style und seiner Persönlichkeit in seine Lieder geben. Eigenständig und mutig sein ist da sehr wichtig. Ein Thees Uhlmann ist zum Beispiel die Verkörperung von Leidenschaft (ohne Pathos), sein Stil ist manchmal etwas holprig, sein Gesang ist Geschmackssache und gerade die letzte Platte- Buchstaben über der Stadt- ist textlich manchmal eher eigenwillig, aber er macht das alles durch seine Persönlichkeit wett. Man hat einfach das Gefühl, dass er in dieser Musik lebt. Und außerdem ist er verdammt witzig.

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Ein Akkustik Song ohne seine Band Tomte:

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Mehr dazu demnächst.


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