Wann ist der Song ein Song? Die Pathosfalle
Es ist wichtig zu wissen, dass wir popkulturell nicht mehr in den 60ern bzw. den 80ern sind, sondern das wir durch das Säurebad des Zynismusses durchgegangen sind und jetzt uns nur sehr vorsichtig an Betroffenheit und Hoffnung herantasten können.
Sätze wie “We are a world” und “All you need is love” gehen einfach nicht mehr. Die Leute sind abgeklärt geworden und verspüren das Bedürfnis alles ironisch zu brechen. Plumper Pathos ist ein Produkt von Hollywood: Filme werden andauernd orchestral unterlegt um ja auch die richtigen Emotionen wachzurütteln. Man fühlt sich dabei oft emotional vergewaltigt und stellt sich die Frage, ob hier nicht ein Mangel an Plot und Bedeutsamkeit durch Bombast und Manipulation wettgemacht werden soll.
Plumper Pathos ist uneuropäisch und peinlich.

Das ist übrigens auch mein Issue mit sowohl der Contemporary Worship Szene als auch mit Brian McLaren.
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Nennt es Sozialneid…
Aber Alex hat mich auf die Idee gebracht, mal das neue Produkt aus dem Hause Apple zu kommentieren:
“Das Himmelreich gleicht einem Apfel, der verborgen in einer Schachtel war. Und siehe, ein Mensch sah die Schachtel und verbarg sie in seiner Jacke. Und in seiner Freude ging er nach hause und packte sie aus. Denn siehe der Apfel war verlockend und eine Lust für die Augen , weil er stylisch machte. Doch als er ihn aß, blieb er ihm im Halse stecken und ihm wurden die Augen aufgetan, so dass ihm gewahr wurde, dass er kein Leben hatte.”
Hier noch eine nette Zeichnung von Daniel:

Wann ist der Song ein Song? Unschärfe und Bildhaftigkeit
Bei Liedern ist es wie mit Essen; es gibt Fast Food, das einem so vorgesetzt wird; Tiefkühlkost, die man aufwärmen muss, um sie zu genießen und eine
vollwertige Mahlzeit, an der man ein bisschen zu kauen hat.
Ok, was habe ich eben gemacht? Ich habe das wichtigste Prinzip guter Songs versucht zu demonstrieren: Bildhaftigkeit. Niemand will hören: “Mir geht es schlecht” oder “Ich liebe dich” oder “Das Leben ist toll”. Brian McLaren bringt öfters das Beispiel einer berühmten Tänzerin, die von einem unbedarften Zuschauer gefragt wurde: “What does your dance mean?” Und sie antwortet:
“If I could have said it, I wouldn’t have to dance it”.
Wenn die Botschaft eines Liedes so einfach ist- wenn es EINE Botschaft gibt- dann ist doch die Frage, ob man überhaupt ein Lied braucht.
Es gehört ja zu den schwersten Dingen, heute noch ein unpeinliches Liebeslied zu schreiben.
Das ist Kettcar mit zwei Liedern gelungen: Balu und Nacht. Balu versucht diese romantisch-überhöhten Vorstellungen von Beziehungen ein bisschen ironisch zu brechen und zu verdeutlichen: Liebe hat nichts mit völliger Harmonie zu tun. Und da fällt dann dieser super Satz:
“Manche sagen es wär einfach, ich sage es ist heikel.
Denn du bist New York City und ich bin Wanne-Eickel”.
Der Klischeesatz wäre:
“Wir sind doch so verschieden und ich kann nicht glauben, dass ich dich abgekriegt habe”.
Aber stattdessen wird ein Bild genommen; wird der Blick nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet auf der Suche nach etwas, dass das Innere ausdrückt. In dem Fall: der ziemlich lustig anmutende Vergleich von zwei Städten. Ein Bild ist also immer das Zusammenbringen von zwei an Bereichen, die an sich nichts miteinander zu tun haben. Es ist wie eine Kollage: Dinge aus der Lebenswelt werden aus ihrem Zusammenhang herausgerissen und in einen neuen Kontext gebracht. In diesem Fall: Städte, mit all dem, was man mit ihnen verbindet auf der einen und die Unterschiedlichkeit zweier Menschen auf der anderen Seite. Ein Bild bringt eine gewisse Unschärfe in ein Lied. Wie bei einem Foto, wo es auch nicht nur wichtig ist auf was man zoomt- was man groß macht oder verkleinert-, sondern auch wie man mit Schärfe und Unschärfe umgeht.
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Wann ist der Song ein Song? Der Songwriter
Marlin hat die Frage aufgeworfen, was eigentlich einen Song zu einen guten Song macht. Da ich schon ein paar Songs sehr intensiv gehört habe und mit einzelnen Liedern sehr viel verbinde, will ich ein bisschen darüber bloggen.
Ich muss sagen, gute Songs sind überlebenswichtig. Nichts geht über den Kick, wenn man feststellt, dass das eigene Lebensgefühl auch anderen bekannt ist. Es schafft Identifikation. Es verstärkt das was da ist und manchmal tritt sogar durch ein Song etwas neues in dein Leben. Ohne Witz: gute Lieder sind immer noch ein wichtiger Bestandteil meines geistlichen Lebens. Ich muss dazu sagen: im Wesentlichen Lieder, die nicht von Christen geschrieben sind.
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