Sprache und Spiritualität
Thursday August 30th 2007, 17:34
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Allgemein
Man kann gut sagen: ohne die Erfahrung Gottes gäbe es keine christliche Kirche (wie Francis Schäffer es sagte: es muss etwas an Gemeinde geben, was sich nicht durch Gruppendynamiken erklären lässt). Aber ich glaube es ist auch andersrum: ohne Kirche, ohne Gemeinde, ohne Tradition gibt es keine Erfahrung Gottes.
Selbst im stillen Kämmerlein ist man nie alleine vor Gott; es gibt keine völlig persönliche Gottesbeziehung. In deinem stillen Kämmerchen drängen sich die Pastoren, deren Predgiten du gehört hast, die Buchautoren, die du gelesen hast. Hoher Besuch ist da: Luther, Paulus, Descartes, Plotin, Wesley (und andere Leute, deren Namen du nie gehört hast). Sie alle sind anwesend, zusammengeschrumpft in deiner Sprache. In den Worten, die du benutzt, in deinem Tonfall Gott gegenüber, in deinen Erwartungen. Du erfährst Gott immer nur durch die Linse der Tradition, in der du stehst. Und wenn es eben ein Erlebnis ist, dass Gott größer ist als deine Tradition, wie bei Paulus’ Bekehrungserlebnis.
Leute, die frisch im Glauben sind, lernen als erstes- noch bevor Glaubensgrundkurse etc. kommen- die Sprache ihrer geistlichen Eltern.
Durch diese Sprache hindurch können sie erst die geistliche Landschaft einordnen; sie lernen den Rhytmus und die Gramatik des Glaubens, den Tonfall und die Vokabeln.
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[Lieder] This beautiful mess – up the barricades
Ich bin ja immer auf der Suche nach “Lobpreismusik”, die man so meinen kann; die man ohne Strinrunzeln mitsingen kann. Die Band “This beautiful mess”; das ruhigere Sideprojekt der skandinavischen Hardcoreband “The spirit that guides us” kommt dem so nahe wie bisher keine Band. Allein der Name drückt ja diese Verbindung von “geerdeter Spiritualität” aus: die Schönheit, die inmitten des Chaos durchblitzt. Es gibt da einige Lieder von ihnen, die sehr geil sind. Ich hab jetzt einfach mal eins genommen, wo man leicht ein Youtube Video zu findet; es ist ein Gebet:
“Give me the urgency to be right here and right now taking full responsibility. Put me in my place! Show me my mistakes for the sake of grace! Give me relevancy let me feed the hungry, I want to be necessary. Say it to my face, chrush my wayside shrines light my way today! I’ll be up the barricades. My life is at stake here; I would rather burn down than fade away. Give me your ideals and truth over theory, I need a conviction. Give it to me straight throw me to my face and let me pray your ears off! Put me to the line of fire. I don’t want to waste my time. I want to make my life worthwhile.”
Mutter Theresas Spiritualität
Saturday August 25th 2007, 21:42
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Gottkram
Soweit ich es in meinem Newsreader sehe, hat folgende Meldung bisher nur in der englischen Blogosphäre Widerhall gefunden: in einem Artikel der Times wurde recherchiert, dass Mutter Theresa über Jahre hinweg große Kämpfe in ihrerer Beziehung mit Gott hatte. Das sie Gott spürte sei wohl eher die Ausnahme als die Regel gewesen.
Was mach man jetzt damit? Hab selbst noch keine einzelne Pointe gefunden.
Entweder man beklagt sich über eine Presse, die nicht die Grenzen des Privatlebens beachtet.
Hyperprotestanten lachen sich vielleicht ins Fäustchen und sagen: siehste, war doch alles nur Werksgerechtigkeit. Am Ende zählt nicht, was man gemacht hat, sondern wie es im Herzen aussah. (wobei ich nicht glaube das jemand aus meiner Leserschaft so drauf ist).
Man könnte auch sagen: das macht ihre Taten noch beeindruckender, da sie ja keinen emotionalen Ausgleich kriegte (irgendwas von wegen “ihr habt euren Lohn schon jetzt gekriegt, aber sie….”).
Oder man fragt sich: vielleicht ist Gott erleben doch nicht ein universell-für alle gültiger Selbstzweck. Vielleicht gibt es Leben, in denen Orthopraxis wichtiger ist als Orthopathie (das richtige Fühlen).
Oder wie es der Experimental Theology Blog macht, vielleicht war sie eine Winter Christin, eine, die Gott nicht immer unmittelbar, sondern ihn eher existenziell erlebt.
Jesus has a very special love for you. As for me, the silence and the emptiness is so great that I look and do not see, listen and do not hear.
— Mother Teresa to the Rev. Michael Van Der Peet, September 1979
via Jesus Creed und Experimental Theology
Falls jemand noch Belege braucht…
Falls irgendjemand mal gebeten wird, zu belegen, wie im amerikanischen Evangelikalismus einfach nur die Werte und die Ästhetik einer Mittelklassekultur reflektiert werden, dem empfehle ich, dieses Buch bzw. das Review zu verlinken:
Aus dem Review:
“jung, dynamisch und erfolgreich sein, wer will das nicht? Dr. Henry Cloud enthüllt das zeitlos gültige Geheimnis des Erfolgs. Ehrgeiz, Fleiß, Zielstrebigkeit (Prioritäten setzen), vorhandene Talente und Beziehungen nutzen, und alles rigoros meiden, was sich dem eigenen Erfolg hindernd in den Weg stellt, sind die einfachen Verhaltensmuster erfolgreicher Menschen. Dr. Cloud nennt diese Verhaltensmuster Erfolgsprinzipien. Sie regen zum Nachdenken an und fordern zum Widerspruch heraus: „Lerne richtig zu hassen“, heißt ein Prinzip und „Sei nicht so fair“ ein anderes.
Er zitiert Jesus, der gesagt hat, dass Gott dem, der bittet, gibt, und dem der anklopft öffnet. Ora et labora oder bete und arbeite und sei überrascht wie gegenwärtig Gott in allen Bereichen deines Lebens sein wird, so in etwa sieht dieses „Parallelbewusstsein“ aus. Es hat zur Folge, dass ein Teil des finanziellen Erfolgs eingesetzt wird, um Gutes zu tun. Man gewinnt so Sympathien und Freunde und kann Schuldgefühle unterdrücken. Sozialer christlicher Auftrag und beruflicher Erfolg ergänzen sich auf diese Weise optimal.”
Wer noch nicht genug hat, hier der Link. Zum Glück stellt sich der Reviewer unter Erfolg etwas anderes vor…
Aber wie ich sagen muss: so wird Christsein auch im Alltag “ganz praktisch”. Weil es geht ja darum, nicht nur am Sonntag Erfolg zu haben; nein: der Segen muss auch festgehalten werden und im Alltag gelebt werden. Wie sollen die Heiden denn an Gott glauben, wenn das Volk Gottes keinen Erfolg hat und nicht mindestens eine Nasenlänge vorraus ist?
Außerdem: damit Christen Gutes in der Welt bewirken könne, sollten sie ja schon irgendwie erfolgReich sein. “Denn daran soll die Welt euch erkennen:” an den fünf biblischen Prinzipien eines gelungenen Lebens, die ihr verkörpert. Und an den unglaublichen schlechten Coverfotos, auf euren christlichen Büchern.
Emergent Deutschland
Hm ich weiß nicht, ob ich es überhaupt noch posten soll, nachdem nahezu alle Blogs darüber bloggten.
Aber gut: es gibt endlich ein Forum, um sich über Emerging Church und was so damit verbunden ist auszutauschen. Gleichzeitig werden Ende des Jahres zwei doch für die “Conversation” wichtige Gestalten: Brian Mc Laren und Jason Clark nach Deutschland geholt. Zum einen wird es in Marburg und Hamburg zwei Studientage mit den beiden geben. Zum anderen wird in Erlangen das erste offizielle Emergent Forum für Deutschland stattfinden.
So und ich muss jetzt weiter an meiner Hausarbeit schreiben…
Spiritualität und Theologie II
Land will verhindern, dass Theologie und Spiritualität auseinanderfällt. Es gibt zwar Theologie ohne Spiritualität, aber keine Spiritualität ohne Theologie. Nur ist die Theologie dann mehr auf der Ebene des Ethos: unreflektiert und unerkannt, wie eine Brille, von der man vergaß, dass man sie auf hat.
Dieses Ethos kommt vor allem -neben Predigten natürlich- in unseren Liedern und unserem Jargon zum Ausdruck. Es sind weltanschauliche Vorentscheidungen, die wir für selbstverständlich erachten. Wenn ein Charismatiker (ich weiß: jede Tradition hat so eine Brille auf und es ist auch völlig unmöglich, einfach ganz neutral auf die Dinge zu schauen. Aber es scheint mir, dass bestimmte Charismatiker mit ihrer teilweise spalterischen Polemik gegen ‘Tradition, Institution, Religion’ ganz vergeßen, dass sie selbst mitten in einer Tradition stehen), wenn also Charismatiker vom “übernatürlichen Hereinbrechen des Geistes” reden, dann ist das sehr veräterisch, denn scheint man einen ganzen weltanschaulichen Batzen (vor allem eine westlich geprägte Kosmologie) mitzukommunizieren. Wie schon gesagt: in vielerlei Hinsicht sind nicht so sehr die offiziellen Dogmen interessant, sondern mehr das Ethos vor Ort.
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Spiritualität und Theologie I
Es passieren noch Dinge, die einen erstaunen… Ich studiere an einer Uni Theologie und kriege tatsächlich Antworten auf Fragen, die ich mir gestellt habe! Entweder ich bin schon zu liberalisiert oder Leute die auf einen zu kommen und fragen: “sach mal, ist das nicht voll die Anfechtung dort zu studieren?” haben ein komisches Bild.
Jedenfalls ist eine dieser Fragen immer die gewesen zwischen Spiritualität und Theologie. In welchber Beziehung, wenn überhaupt, stehen beide?
Steven J. Land ist ein Theologe der auf akademisch hohen Niveau die Spirtualität der Pfingstbewegung darstellen will. Ich werde seine Gedanken hier darstellen, meine eigenen Gedanken dazu, werde ich kursiv posten.
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Dualismus, das “was” und das “wie” II
Noch eine andere Beobachtung:
Der Prämilleniarismus hat lange Zeit wenig Schaden angerichtet. Abgesehen davon, dass er eine gewiße ungemütliche Hektik in den Glauben reinbrachte. Eigentlich ist er kritisch gegen alle “Reiche dieser Erde”- und so gab es auf Jesus.de durchaus auch Diskussionen, ob nicht Bush der Antichrist ist. Das ist zwar lächerlich und hysterisch, aber allemal besser als eine blinde Verbrüderung mit der konservativen Bewegung.
Diese Verbrüderung kommt meiner Meinung nach nicht vom Prämill. sondern, von Theologien, die genau das kritisieren, was Wright auch kritisiert. Zum einen hat Francis Schaeffer, ein sehr einflußreicher reformierter Kulturphilosoph und Theologe in Auseinandersetzungen mit den 68ern, gefordert, die Evangelikalen müssen politisch aktiv werden und für ihre Forderungen kämpfen. Er war es, der das Thema “Abtreibung”-eigentlich ein urkatholisches Thema- auf die Tagesordnung der Evangelikalen setzte. Er verurteilte auch “gnostische” Tendenzen in der Kirche. Aber entscheidend ist, dass er die Welt völlig schwarz-weiß darstellte. Entweder ist etwas christlich oder es ist ‘humanistisch’ (eine Art Gegenfolie die reformierte Theologie immer wieder benötigt, um in Abgrenzung an sie die Erhabenheit Gottes aus zu formulieren).
Auf der anderen Seite gibt es die hier kaum so benannte, charismatische Kingdom Now Theologie; diese sagt, dass Christus erst wieder kommt, wenn die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes und durch ihre “Apostel” die Herrschaft auf dieser Welt übernimmt und Gottes Herrschaft aufrichtet.
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Dualismus, das “was” und das “wie” I
Ich habe N.T. Wright gehört und gelesen und ich mag ihn sehr. Und genau wie Brian McLaren und ich auch und viele andere, in der sogenannten Emerging Conversation, ist er nicht sehr froh mit einem bestimmten Modell von Eschatologie, also von der Sicht der Endzeit; nämlich den Modell, dass in vielen Evangelikalen und pfingstlich-charismatischen Gemeinden vertreten wird (das genauer gesagt sogar der Motor für die Entstehung der Pfingstbewegung war), nämlich das Modell, das eines Tages die Christen entrückt werden und und die Erde dem Zorn Gottes überlassen wird, bevor Christus wiederkommt und ein 1000 jähriges Reich aufrichtet- der Prämilleniarismus in seinen verschiedenen Ausprägungen (der Streit ist wann die Entrückung ist und inwieweit die biblischen Prophetien für Israel, die Christen oder beide gelten).
Der Vorwurf lautet: das ist eine sehr weltflüchtige, pessimistische Theologie, die dazu führt, dass die Leute sich nicht mehr sozial engagieren, sondern, sich in kleine Gemeinschaften zurückziehen und das Ende der Welt abwarten.
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Hausarbeit – die Dialektik der Erweckung
Wednesday August 01st 2007, 13:42
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Gottkram
So das Semester ist rum. Die Klausuren sind auch. Graecum mit 3 bestanden und jetzt mach ich mich gleich mit neuen PC an die erste Hausarbeit.
Das Thema ist: Eschatologie (also: die Sicht von der Zukunft/der “Endzeit” ) der Pfingstbewegung. Und es ist höchst interessant. Bisher hatte man oft den Eindruck, dass das unmittelbare, “spontane” und enthusiastische Erleben Gottes sich nicht mit theologischer Reflexion verträgt, da die ja gerade Distanz zum Erleben herstellt. Deshalb spürte man schon das ein oder andere Mal bei Pfingstlern/Charismatikern einen gewißen anti-intelektuellen Impuls. Dennoch gibt es einige hoch anerkannte pfingstlerische und postpfingstlerische Theologen, auf die ich bei meiner Recherche stieß- Macchia, Steven Land, Miroslav Volf (von dem ich nicht wußte, dass er Pfingstler ist), Walter Hollenweger.
Ich hab jetzt zwei Tage effektiv mich ins Thema eingelesen und bin echt begeistert, wie akademische Pfingstler gerade auch Leuten wie mir, die teilweise ein gespaltenes Verhältnis zu Pfingstbewegung/charismatischen Bewegung haben, Zugänge auch zu schwierigeren Themen geben.
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