Nietzsche und das Glück
Friday June 29th 2007, 00:04
Filed under: Bücher, das Leben und so

“Wie? Das letzte Ziel der Wissenschaft sei, dem Menschen möglichst viel Lust und möglichst wenig Unlust zu schaffen? Wie,wenn nun Lust und Unlust mit einem Stricke zusammengeknüpft wären, dass, wer möglichst viel von der einen haben will, auch möglichst viel von der anderen haben muss,-dass,wer das >>Himmelhoch-Jauchzen<< lernen will, sich auch für das >>zum-Tode-betrübt<< bereiten halten muss. ... Auch heute noch habt ihr die Wahl: entweder möglichst wenig Unlust, kurz Schmerzlosigkeit oder möglichst viel Unlust als Preis für das Wachsthum einer Fülle von feinen und bisher selten gekosteten Lüsten und Freuden!"

(Nietzsche- Die Fröhliche Wissenschaft, 45f)

Nietzsche, der hier ja auch auf den Utilitarismus antwortet (“gut ist, was Lust maximiert und Unlust minimiert”), hat glaub ich recht. Vielleicht ist wirklich die Wahl die man hat zwischen einem ungefährlichen, risikofreien Leben der Mittelmäßigkeit ohne Erfolge und Niederlagen; ohne Ambitionen und Sehnsüchte und deshalb auch ohne Enttäuschungen und Rückschläge. Auf der anderen Seite sind vielleicht Niederlagen nur ein Zeichen dafür, dass man unterwegs ist; das man Leben wagt, sich nicht zurücknimmt; ein Zeichen für Leidenschaft. Und vielleicht muss echtes Glück, wenn es nicht das Drogenglück der Weltflüchgtigen sein soll, durch die schmerzverursachende Zufälligkeit und Komplexität des Lebens durch, um zur erleichternden Einfachkeit des Lebens durchzudringen. (und vielleicht sollte ich kürzere, einfachere Sätze schreiben; aber das wär ja auch langweilig *g*)
ABER:

Ich sagte VIELLEICHT hat er recht. Aber möglicherweise haben auch die Stoiker recht: Innerlich losgelöst sein, unbeteiligt sein, gelassen und okay mit den Dingen wie sie sind. Apathie als Tugend; das Ziel ist Leidenschaftslosigkeit wie der klischeehafte Fels in der Brandung. Nicht innerlich zerfressen werden von Wut, Angst, Sehnsucht, Enttäuschung, sondern Distanz zu sich haben. Stoiker waren nicht weniger engagiert im Leben nur sie bemühten sich in ihren Engagement darum, die Distanz zu wahren.
Vielleicht sind es ja nicht wirklich Gegensätze. Vielleicht sind es zwei Impulse, die beides ihren Platz haben und die beide unbedingt ausglebt werden müssen; zur ihrer Zeit. Es wäre dumm, sich von den Wogen zu sehr mitreißen zu lassen; verrückt zu werden an seinen Leidenschaften. Aber es wäre auch höchst unbefriedigend keine zu haben; nichts zu wollen; mittelmässig zu sein; nur ausgewogen und vernüftig zu sein.



Konstrukt und Bestand II
Monday June 25th 2007, 20:57
Filed under: das Leben und so

Bei dieser ganzen Geschichte mit der konstruierten Identität ist mir wichtig zu sagen, dass man das ständig macht. Auch Selbsterkenntnis ist ein stückweit auch nur die Konstruktion des Selbst’. Jedes Gespräch, jede Begegnung beinhaltet, dass man eine Auswahl trifft von Eigenschaften und Geschichten und seiner Persönlichkeit, wie man sie mitteilen will. Das geschieht in Sekundenbruchteilen des Abwägens.
Der Trick ist nun, nicht zu sagen: “das sind ja NUR Konstrukte”.  Denn solange man nicht unaufrichtig war oder Dinge erfandt, ist das völlig legitim. Denn im Optimalfall bedeutet dieser Prozeß nur Auswahl und Darstellung; solange man nicht Füllmaterial einsetzt, um sich zu “pimpen”. Es ist ein Unterschied, ob man sich aus einer bestimmten Perspektive fotographieren lässt um bestimmte Aspekte seines Aussehens zu unterstreichen oder ob man sich die “Brüste machen lässt”. Es gibt immer noch die Gefahr, ein Selbst zu konstruieren, dass gar nicht dem Bestand entspricht,so dass man etwas darstellen will, was man nicht ist.

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goldige Taschen
Monday June 25th 2007, 00:05
Filed under: Allgemein

Warum fang ich eigentlich ne neue Reihe an, wenn ich doch gerade nichtmal fertig bin mit der Zusammenfassung von Grenz?

Ganz einfach: ich will von meiner Verpeiltheit ablenken. Ich war nämlich bei einem geilen Poetry Slam. Mit dabei: meine Norma Jean Tasche inklusive privatkrams und Stanley Grenz mit Aufschrieb. Die Tasche machte einen Stehplatzwechsel nicht mit und ward infolge dessen vergeßen. Toll ist, dass Max Goldt, wie immer, dafür wahre Worte fand:

“Wenn einer spät nach Hause kommt und seine Tasche auf den Platz stellen möchte, wo er seine Tasche immer hinstellt, aber erkennen muß, das dies nicht möglich ist, weil die Tasche nämlich weg ist, dann ist das wie der Schlag einer Bärentatze. Plötzlich kriegt man “fliegende Hitze” wie Frauen in den Wechseljahren, und man tastet seinen Leib ab, ob nicht an irgendeinem Körperteil die Tasche doch dranhängt. Verlustforscher aus 16 Ländern vergleichen den Verlust der Tasche mit dem Verlust der Haare, der Ehre, der Uhr und der Heimat, und zwar von all dem gleichzeitig. Haare wachsen nach und die Ehre kann man restaurieren,indem man unentgeltlich Taubenkot von den Balkonen manisch-depressiver Frauen kratzt. Und eine neue Heimat fand so mancher gerade dort, wohin er verschleppt wurde. Eine Tasche aber, die bleibt weg und kommt auch nie wieder.”

Hoffentlich hat der Unrecht; ich werd morgen mein bestes probieren. Es wär alles mehr als ärgerlich.



The past is like a mirror
Sunday June 24th 2007, 21:26
Filed under: Allgemein

Das mit Abstand poetischste Computerspiel, Max Payne, drückte den Zusammenhang von Lebensgeschichte, Erinnerung und Identität sehr geil aus:

“The past is a puzzle, like a broken mirror. As you piece it together, you cut yourself, your image keeps shifting.
And you change with it. It could destroy you, drive you mad. It could set you free.”



Bestand und Konstrukt I
Sunday June 24th 2007, 21:04
Filed under: Allgemein

Ich will mal einen Gedanken posten, den ich zu dieser Frage des Selbsts gehabt habe.

Es wird ja oft davon gesprochen, dass der Mensch eine vielzahl von Rollen inne hat. Der Vergleich ist immer: Masken.

Jeder Mensch hat Masken auf, die Maske “Student”, die Maske “Nebenjobber”, die Maske “Konsument”, die Maske “Freund”, die Maske “anonymer Mensch, der durch die Stadt läuft” (für viele die peinigenste der Masken) Etc. Er schlüpft in verschiedene Rollen. Ich glaube, die Maskenmetapher ist Käse. Zumindest ist sie wenig hilfreich.

Denn: wenn man hinter einer Maske ist, ist ja das “wahre Ich” verborgen. Und oft wird das so erwartet: mögichst wenig Persönlichkeit in die gesellschaftliche Rolle stecken, damit man möglichst produktiv ist. Das und nichts anderes ist der wahre Grund, warum so viel über Authentizität geredet wird. Weil teils die geselleschaftlichen Erwartungen und teils die Konzepte, die jeder einzelne von diesen Erwartungen hat, in die Richtung gehen, dass außerhalb des stillen Kämmerleins nicht viel zu spüren sein soll, von der Persönlichkeit.

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Grenz- das Ebenbild pt.2
Thursday June 21st 2007, 23:39
Filed under: Allgemein

Naja ich merke schon, dass ich mich bei dem Buch vielleicht doch etwas übernommen hab. Merke: nicht eine Serie über ein Buch anfangen, bevor man es ganz durch hat. Stellenweise ist das Buch selbst mir zu theoretisch(oder zu dick; aber vermutlich muss man als Gelehrter ein bisschen präziser sein als Brian McLaren). Aber jetzt hab ich das angefangen und zieh es durch.
Der nächste Part von Grenz Buch ist stark mit der Auslegung von verschiedenen Texten beschäftigt. Ich will das hier nicht groß nachzeichnen; nur folgende Beobachtungen:

im Neuen Testament wird plötzlich von Christus als dem Bild Gottes gesprochen. Dennoch findet sich eine Stelle, Jakobus 3,19, wo sinngemäß ethische Anweisungen (nicht schlecht über andere reden) damit verknüpft werden, dass die anderen das Ebenbild Gottes sind. Dennoch wird Christus als der Abglanz von Gottes Herrlichkeit bezeichnet, als Abbild von Gott.

Außerdem wird das Ebenbild Gottes auch mit der christllichen Hoffnung verknüpft: am Ende geht es um die Community der Ebenbilder Gottes, die völlig wiederhergestellt werden wird. Es geht um die neue Menschheit. Jesus kam nicht nur als spiritueller Lehrer und als Opferlamm sondern auch als Abgesandter, als Trendsetter, als Avantgarde der neuen Menschheit. In ihm sehen wir, wie Gott ist und wie Mensch sein wird. Aber das ist nur ein Teil: was einmal sein wird.

Denn Ebenbild zu sein ist auch ein Prozeß in der Gegenwart. Wir sind schon Gottes Kinder “aber es ist noch nicht offenbar, was wir einmal sein werden.” (1.Johannes 3:1). Unsere Bestimmung ist schon jetzt bruchstückhaft sichtbar, weil uns der Heilige Geist schon jetzt verändert.

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Fundamentalismus
Wednesday June 20th 2007, 22:51
Filed under: Arne erklärt die Welt, beobachtet

Heute haben wir in Religionssoziologie eine interessante Sitzung zum Begriff Fundamentalismus gehabt.

Es ist interessant: von einer Selbstbezeichnung einer relativ kleinen christlichen Gruppe wurde er seit der Iranischen Revolution plötzlich für verschiedene Zusammenhänge als polemischer Kampfbegriff gebraucht.

Fundamentalismus kann dabei alles sein, was dem Paradigma der Aufklärung widerspricht oder nicht in es hineinpasst.

Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Begriff selbst wenig wert hat (außer für die wenigen Fälle, wo sich Bewegungen selbst so bezeichnen). Er wird von der Wissenschaft dankbar verwendet aus einem bestimmten Grund: die Sozialwissenschaften gingen lange von einem Verschwinden von Religion aus (Säkularisierungsthese), da man aber beobachtete, das es verschiedene Erneuerungsbewegungen gab, musste man diese für illegitim erklären. “Das ist alles Realitätsflucht; siedende Unvernunft etc.”. Das lustige ist, dass die liberale Gesellschaft selbst eine irationale Angst vor Fundamentalismus hat und selbst eine Art Kulturkampfrhetorik anwendet: “Zuerst kommen sie in unsere Schulen und machen Gehirnwäsche, dann führen sie die Gebote der Tora wieder ein und zuletzt werden sie uns alle in einen Krieg gegen den Islam stürzen.”. Vielleicht braucht ja die westliche Gesellschaft nach dem Fall der Mauer auch einfach nur ein Feindbild; vielleicht aber- und das wäre die löblichere Variante- entstammt der Boom dieses Wortes aus postkolonialen Überlegungen: Wir wollen zeigen, dass nicht nur der Islam schlimme Ausprägungen hat sondern auch wir.

Jedenfalls sollte man vielleicht stat Fundamentalismus sagen was man wirklich meint: unkritischer Fanatismus, gewaltbereiter Militantismus, Diskursunfähigkeit, bestimmte konservative Vorstellungen, die einen fremd sind, Elitebewußtsein etc. (btw. bin ich durchaus der Meinung, dass sich die Evangelikale Bewegung stärker abgrenzen sollte von diskursunfähigen Gruppierungen wie Teile der Darbyisten).



Grenz- das Ebenbild Gottes pt. 1
Thursday June 14th 2007, 18:28
Filed under: Arne erklärt die Welt, Bücher, Gottkram

Also weiter mit meinem Versuch, Stanley Grenz’ Buch – the Social God and the Relational Self zusammenzufassen.

Wobei es hoffentlich klar wurde, dass ich weniger das Buch wiedergebe, und mehr das Rohmaterial nehme, und bloggerechte Happen daraus zimmere. Leider fällt wo gezimmert wird, immer bodenverschmutzender Holzverarbeitungsüberschuss.

Immer, wenn ein Theologe Anthropologie betreibt, kommt er früher oder später auf den Term imago dei, auf das Ebenbild Gottes zu sprechen. Obwohl dieser Begriff nur 5 mal in der Bibel vorkommt (Gen 1, Gen 5, Gen 9, Ps. 8, 1.Kor. 11, Jak. 3), hat er eine enorme Wirkung entfaltet, nicht zuletzt auf die europäische Geistesgeschichte. Der Mensch, so wird mysteriös in den Texten behauptet, sei das Ebenbild Gottes. Ok. Was heißt das?

Auch hier gibt es wieder verschiedene Metaphern, was das bedeuten könnte.

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Grenz- die Zerstörung des Selbsts
Thursday June 07th 2007, 19:40
Filed under: Arne erklärt die Welt

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; -
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

“Ach in meinem wilden Herzen”das romantische Selbst
Diese Strophe aus einem Rilke Gedicht ist für mich eines der formvollendesten Stücke deutscher Literatur, die ich kenne. Gern würde ich ein bisschen dazu schreiben, zum Beispiel warum ich es so geil finde, dass die Ewigkeit nur “obdachlos nächtigt”. Aber niemand hat mehr Lust und Zeit noch längere Text zu lesen. Jedensfalls sieht man hier einen typischen Gedanken der Romantik: durch die Vergänglichkeit, die uns umgibt und in uns ist, schimmert die Ewigkeit.

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Roundhouse Kick IV
Thursday June 07th 2007, 18:00
Filed under: Freunde und Bekannte

Wieder einmal ein paar Links:

Bei Mixotic kann man sich ein nettes Ambien-nebenbeihör Elektro Mix (1Stunde) downloaden. (via DJ).

Marlin empfiehlt Bücher von Malcolm Gladwell und lässt sich über seinen Stil aus. Ich glaub, ich lass mir ein Buch von ihm zum, Geburtstag schenken.

Schöne Indiemusik machen Josh Ottum. Zu der anstehenden Europatour sitzt Micha aus meinem Hauskreis hinter den Drums. Ich werd am Samstag zu dem Konzert in Karlsruhe gehen und danach in mein Geburtstag reinfeiern.