die zwei Sünden
Thursday May 17th 2007, 18:20
Filed under: Arne erklärt die Welt, Gottkram, das Leben und so

Oft hieß es: die “Ursünde” ist Stolz. Das bedeutet, dass man unabhängig sein will; wie Gott sein will.Man stellt sich in die Mitte des Univesums und versucht, auf eigene Faust seine Türme aufzubauen. Die eigene Arbeit, die vielen Projekte, das, was die eigene Hand oder der eigene Kopf hervorbringt ist die Hauptsache. Manche sagen, dass ist eine klassisch männliche Sünde (oder zumindest wurde das lange so konstruiert).

Aber ich beobachte, dass es heute ein viel verbreitetere Einstellung gibt: nämlich nicht die Verantwortung für seine Existenz übernehmen zu wollen. Vor 50 Jahren wäre das wohl eine typisch weibliche Sünde gewesen. Man lässt sich einfach treiben, will auf nichts hinaus mit seinem Leben, lebt nur zur Maximierung des Glücks und der Minimierung des Leides. Man will, im Gegensatz zum Stolz, der das eigene Handeln und Entscheiden unabhägig setzt, gar nicht entscheiden, gar nicht handeln. Man denke an Moses, der sich nicht wollte rufen lassen.

Das meiste, was wir in der Kirche hören, geht doch sehr gegen den Stolz, aber was ist mit der anderen Form: Passivität, Angst, Lähmung, Indifferenz? Haben wir auf dem Radarschirm, das gerade eine Generation von Menschen heranwächst, die gar nichts so richtig wollen, deren Leben ohne Pointe vergeht, deren Gedanken sich um das “wie?” kreisen, ohne ein “was?” oder “wohin?”?

Anders gesagt: Ist es vielleicht kontraproduktiv zu viel zu betonen: “Frag doch Gott und er wird dir sagen, wohin du gehen sollst!”? Ist die Sicherheit, die oft religiös angeboten wird (“Ich hatte plötzlich ‘Frieden über der Entscheidung’”) nicht vielleicht nur ein Mittel, um die Leute vor der Unbequemlichkeit zu befreien, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu müssen und IN diesen Entscheidungen, abhängig von Gott zu sein?


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