Lust- bug oder feature? investiver Lebensstil
Saturday May 12th 2007, 20:41
Filed under: Gottkram, das Leben und so

[Dies ist der 3. Teil einer Reihe über das Thema meiner Hausarbeit; bzw. was ich durch die Beschäftigung mit zwei Theologen: John Piper und Paul Tillich gelernt hab:

Teil II, Teil I]

Ich beobachte mich selbst dabei, wie bestimmt Konzepte und Ideen- am ehesten das, was man im Englischen “notion”, also ein Mischung Gedanke und Gefühl, nennt- sich in mir formen. Über Jahre hinweg entwickeln sich Anschauungen, die eigentlcih noch nicht in dem Bereich sind, dass sie komplett durchdacht und ausformuliert wären. Aber genau dafür ist ja ein Blog auch gut; um Halbfertiges in die Diskussion zu werfen.
Genauso hat sich bei mir eine bestimmte Erfahrung wiederholt: Auf der einen Seite erfährt man, wie schrecklich das Leben sein kann: ich habe einige Tragödien aus zweiter Reihe mitgekriegt (miterlebt wäre oft zu viel gesagt): einen Selbstmord, eine Familientragödie, verschiedene vergleichsweise kleine Sachen und irgendwie wird einem die Krankheit bewusst, unter der die Welt leidet. Auf der anderen Seite gibt es diese kostbaren, seltenen Momente, in der einen ein irrationaler Mut befällt; die unsinnige, peinliche Aufassung, man könnte etwas zur Heilung beitragen. Was diese Betroffenheit auslösen soll, benenne ich seit Kurzem “investiver Lebensstil”.

Ich denke, ein investiver Lebensstil fängt dabei an, Aufmerksamkeit und Interesse für Menschen “zu investieren”. Gib den grauesten Mäusen, den norwegerpullover-tragenden Hornbrillen Nerds einfach regelmässig Aufmerksamkeit und du kannst dabei zusehen, wie sie aufblühen; Humor entwickeln etc.

Aber bei diesem Lebensstil geht es nicht darum, völlig selbstlos zu sein; jedes Eigeninteresse zu eliminieren.

Jesus sagt: “Es ist seliger zu geben als zu nehmen”. Selig; Selig bedeutet doch glücklich, zufrieden.

Er sagt damit also: ein Lebensstil des Konsums kann einfach nicht so viel Freude bereiten, wie einer der Investition. Der Lebensstil, den Jesus hier vorsieht, zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man kein Eigeninteresse, keine Bedürfnisse hat, sondern dadurch das man das, was man braucht gibt.
Das bedeutet auch: nicht nur Mitleid, sondern auch Mitfreude ist wichtig. Nicht nur das Spüren des Schmerzes der Welt, sondern auch eine grundlegende Lebensfreude, Grundzufriedenheit oder Gütlichkeit gegenüber dem Leben (wenn auch nur schemenhaft; wenn auch nur als eine Ahnung oder eine Erinnerung) ist die Basis für dieses Lebensstil, weil man ja andere Menschen auch dahin führen will. Wäre man nur voller Mitleid oder voller Sorge und Schmerz könnte man ja die Menschen nirgendswo hinführen.
In diesem Sinne ist Lust kein Bug, sondern ein Feature der Investiven Liebe.


No Comments so far
Leave a comment



Leave a comment
Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

(required)

(required)