Die Nacht der Erkenntnis
Saturday May 12th 2007, 19:47
Filed under: Arne erklärt die Welt, beobachtet, das Leben und so

Ich muss zugeben, dass ich heimlich von der Schwere des Existentialismus’ angezogen bin. Ich muss dabei oft an den Tonfall des Buches Kohelet denken. Als ein entfernter Bekannter sich von seiner Freundin trennte schrieb ich das Folgende:

Jedes Lachen wird verstummen.

Jede noch so gut eingeübte Pose wird zertrümmert.

Jedes Grinsen erfrieren.

Jedes Lächeln wird in sich zusammenfallen.

Und wenn der Lärm verstummt und man in diesen

dunklen Raum geworfen wird, liegt man noch wach und versucht

sich gegen diese erdrückende Klarheit zu wehren;

Die Nacht der Erkenntnis.

Die Erkenntnis, dass trotz all der Begegnungen,

trotz mancher Berührungen, trotz Heiterkeit,

vielleicht sogar Zärtlichkeit, ja, das

trotzdem

eine existientielle Einsamkeit bleibt.

Das sind kurze Zugeständnisse,

Gedankenfragmente,

kurz bevor man einschläft um die Wahrheit für Jahrzehnte

in sein Unterbewusstsein zu verdrängen.

Doch sie kommt zurück und wird sich rächen,

wird zurückschlagen,

in einer Trennung oder einer Enttäuschung.,

und die Nacht wird umso größer sein.

Wie groß muss diese Erkenntnis sein,

wie schwer muss sie auf dir liegen,

wenn du erst am Ende deines Lebens hier

von ihr eingeholt wirst?

Lauter Nacht.

Die Stoßrichtung ist klar: du musst dich zuerst mit der Dunkelheit in dir beschäftigen; du musst zuerst bitteren Wahrheiten in Auge schauen, sonst sind alle Beziehungen reine Verzweiflungstaten, Eskapismus.


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