Eugene Peterson und die Weisheitsliteratur
Thursday May 24th 2007, 00:33
Filed under: Bücher, Gottkram

Es gibt da diese nette englischsprachige Paraphrasierung der Bibel, die Message Bible, mit Sätzen wir “The Word became flesh and moved into the neighborhood”. Tobi postete neulich eine sehr treffende deutsche Paraphrase eines Abschnitts der Messagebible; sehr empfehlenswert.

Aber fast noch besser als die Bibelabschnitte selbst, finde ich die Vorworte zu den einzelnen Büchern oder den Abschnitten der Bibel. Sehr aufgefallen ist mir dabei das Konzept,wie Eugene Peterson- der Autor der Message Bible- die Weisheitsliteratur versuchte einzuordnen.

Mir gefällt überhaupt das hebräische Konzept von Weisheit, dass tief im Leben verwurzelt ist. Weisheit erlangt man nicht am Schreibtisch, sondern “dort draußen”; genauer: in Beziehungen. Denn das hebräische Denken ist-und das ist wohl schon Allgemeingut geworden- relational.

Was macht Eugene Peterson, also mit den Büchern der Bibel, die man Weisheitsliteratur nennt? Das geht so:

Er bildet zwei Gegensatzpaare:

auf der einen Seite habenwir das Hohelied was ein echtes Liebeslied darstellt; keine Allegorie für Gottes Liebe, wie im Mittelalter ausgelegt wurde. Das steht sinnbildlich für die Zeiten der Ekstase, der Zufriedenheit, Euphorie, Romantik, Sex im Leben.

Auf der anderen Seite:das Buch Kohelet- eines meiner Lieblingsbücher- es beschreibt die zynischen Beobachtungen eines Mannes, der das Leben durchschaut hat und an ihm verzweifelt. Es steht für die Zeiten der Langeweile, der Resignation, Frustration und Sinnlosigkeit.

Die nächsten Gegensatzpaare:

Auf der einen Seite das Buch Sprüche: in ihm werden praktische Tipps und Entscheidungshilfen gegeben, wie man in seinem Leben gut vorran kommt. Es steht sinnbildlich für das Alltägliche, wenn die Welt so funktioniert, wie sie sollte; wenn wir gefordert sind, ohne überfordert zu sein; wenn es Entscheidungen zu treffen gibt, aber nichts weltbewegendes passiert.

Auf der anderen Seite das Buch Hiob: Die Geschichte von jemandes, dessen Leben zusammenbricht. Es symbolisiert die großen Katastrophen, die Verluste und Krisen in unserem Leben.

In der Mitte der beiden Gegensatzpaare: die Psalmen. Hier wird versucht, alle menschliche Erfahrung vor Gott zu bringen.

Schade, dass man davon wenig erlebt. Drücken wir wirklich alle unsere Erfahrungen Gott gegenüber aus? Beten wir nicht durch einen Filter? Ist es vielleicht nicht ratsam, alle Gebete in ein Muster “Anbetung-Dank-Bitte-Fürbitte-Amen” zu preßen? Wo sind die Gebete und Lieder der Enttäuschung? Des Zweifels, des Ärgers über Gott?



Vineyard Kontakt/ “Steh auf und wandle’!”
Thursday May 17th 2007, 18:30
Filed under: Allgemein, Emerging Church

Letzten Sonntag war ich zum ersten Mal beim “emergenten Gottesdienstprojekt” der Vineyard Heidelberg, Vineyard Kontakt.

Jeden 3. Sonntag trifft man sich in Hasuskreisgröße, um ein wenig mit neuen Formen zu experimentieren.

Letzten Sonntag ging es um “Freiheit”; verschiedene Stationen wurde aufgebaut, um darüber nachzudenken, was die Bibel unter Freiheit versteht, was einen selbst unfrei macht oder um loszuwerden, was einen von der Freiheit abhällt. Sehr cool.

Ich hab einen Text geschrieben, der zu meinem letzten Post ganz gut passt:

Wie muss es wohl sein, gelähmt zu sein?

Immer anderen zur Last fallen, immer unflexibel, immer mit dem konfrontiert, was man nicht kann.

Oder ist es vielleicht bequemer so? Hat man sich vielleicht eingerichtet in seinem Rollstuhl?

Ist einem die Zuwendung der anderen Menschen nicht ganz lieb? Ist es nicht gut, immer eine Ausrede zu haben? Wer nicht laufen kann, kann sich auch nicht verlaufen?

Wie ist es, wenn Jesus kommt und sagt: „Steh auf und wandle’ umher!“? Was spüre ich? Freunde, Erleichterung? Oder Beklemmung, die Last der Freiheit? Die Verantwortung?

Bin ich bereit, Fehler zu machen? Oder will ich zurück „zu den Fleischtöpfen Ägyptens“?

Steh auf und wandle’ umher!



die zwei Sünden
Thursday May 17th 2007, 18:20
Filed under: Arne erklärt die Welt, Gottkram, das Leben und so

Oft hieß es: die “Ursünde” ist Stolz. Das bedeutet, dass man unabhängig sein will; wie Gott sein will.Man stellt sich in die Mitte des Univesums und versucht, auf eigene Faust seine Türme aufzubauen. Die eigene Arbeit, die vielen Projekte, das, was die eigene Hand oder der eigene Kopf hervorbringt ist die Hauptsache. Manche sagen, dass ist eine klassisch männliche Sünde (oder zumindest wurde das lange so konstruiert).

Aber ich beobachte, dass es heute ein viel verbreitetere Einstellung gibt: nämlich nicht die Verantwortung für seine Existenz übernehmen zu wollen. Vor 50 Jahren wäre das wohl eine typisch weibliche Sünde gewesen. Man lässt sich einfach treiben, will auf nichts hinaus mit seinem Leben, lebt nur zur Maximierung des Glücks und der Minimierung des Leides. Man will, im Gegensatz zum Stolz, der das eigene Handeln und Entscheiden unabhägig setzt, gar nicht entscheiden, gar nicht handeln. Man denke an Moses, der sich nicht wollte rufen lassen.

Das meiste, was wir in der Kirche hören, geht doch sehr gegen den Stolz, aber was ist mit der anderen Form: Passivität, Angst, Lähmung, Indifferenz? Haben wir auf dem Radarschirm, das gerade eine Generation von Menschen heranwächst, die gar nichts so richtig wollen, deren Leben ohne Pointe vergeht, deren Gedanken sich um das “wie?” kreisen, ohne ein “was?” oder “wohin?”?

Anders gesagt: Ist es vielleicht kontraproduktiv zu viel zu betonen: “Frag doch Gott und er wird dir sagen, wohin du gehen sollst!”? Ist die Sicherheit, die oft religiös angeboten wird (“Ich hatte plötzlich ‘Frieden über der Entscheidung’”) nicht vielleicht nur ein Mittel, um die Leute vor der Unbequemlichkeit zu befreien, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu müssen und IN diesen Entscheidungen, abhängig von Gott zu sein?



Roundhouse Kick II
Monday May 14th 2007, 00:34
Filed under: Freunde und Bekannte, Szenekram

Ok ein paar nette Links:

Imgriff ist eine Seite für alle Knowledgeworker; Studenten, Kreative Leute, Blogger, Leute, die Pläne schmieden etc. Es geht um Ideenmanagement, Effizienz, wie man endlich mal “die Dinge geregelt kriegt”. Höchst nützlich dsa Ganze, das übrigens von Johannes Kleske mitbetrieben wird. Es geht dann um so Sachen, wie “Rss Newsreade ausmisten“, oder ob man “Ideen besser digital oder mitStift und Papier” festhällt.

Ganz frisch ist der Blog von “DJ”, einem netten Zeitgenossen aus Adelshofen (und früher DJ in Berlin), der über christliche Mystik bloggt. Bisher hat er vor allem Texte abgetippt (vor allem solche, auf die man selbst so schnell nicht stößt). Gute Idee; gibts meines Wissens nach im deutschen Bloguniversum noch nicht.

Und wenn wir gerad bei Mystik sind: Pray as you go ist eine Initiative von englischen Jesuiten, die täglich Meditationen/Andachten ins Netz stellen und die ich gerne und für meine Verhältnisse sehr regelmässig auf dem Handy im Bus höre.



Lust- bug oder feature? investiver Lebensstil
Saturday May 12th 2007, 20:41
Filed under: Gottkram, das Leben und so

[Dies ist der 3. Teil einer Reihe über das Thema meiner Hausarbeit; bzw. was ich durch die Beschäftigung mit zwei Theologen: John Piper und Paul Tillich gelernt hab:

Teil II, Teil I]

Ich beobachte mich selbst dabei, wie bestimmt Konzepte und Ideen- am ehesten das, was man im Englischen “notion”, also ein Mischung Gedanke und Gefühl, nennt- sich in mir formen. Über Jahre hinweg entwickeln sich Anschauungen, die eigentlcih noch nicht in dem Bereich sind, dass sie komplett durchdacht und ausformuliert wären. Aber genau dafür ist ja ein Blog auch gut; um Halbfertiges in die Diskussion zu werfen.
Genauso hat sich bei mir eine bestimmte Erfahrung wiederholt: Auf der einen Seite erfährt man, wie schrecklich das Leben sein kann: ich habe einige Tragödien aus zweiter Reihe mitgekriegt (miterlebt wäre oft zu viel gesagt): einen Selbstmord, eine Familientragödie, verschiedene vergleichsweise kleine Sachen und irgendwie wird einem die Krankheit bewusst, unter der die Welt leidet. Auf der anderen Seite gibt es diese kostbaren, seltenen Momente, in der einen ein irrationaler Mut befällt; die unsinnige, peinliche Aufassung, man könnte etwas zur Heilung beitragen. Was diese Betroffenheit auslösen soll, benenne ich seit Kurzem “investiver Lebensstil”.

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Die Nacht der Erkenntnis
Saturday May 12th 2007, 19:47
Filed under: Arne erklärt die Welt, beobachtet, das Leben und so

Ich muss zugeben, dass ich heimlich von der Schwere des Existentialismus’ angezogen bin. Ich muss dabei oft an den Tonfall des Buches Kohelet denken. Als ein entfernter Bekannter sich von seiner Freundin trennte schrieb ich das Folgende:

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Wikipedia: Emerging Church
Sunday May 06th 2007, 21:25
Filed under: Allgemein

Hm vielleicht nicht gut, aber besser als der Alte Wikipedia Artikel. Ist nur ein Vorschlag (und dazu einer mit vielen Rechtschreibfehlern…).

Wikipedia: Emerging Church 



Das Gefühl alles zu haben
Friday May 04th 2007, 13:29
Filed under: Politik, belanglos wie die Neon, das Leben und so

Kurz vor meinem Umzug ist ja mein PC durchgeraucht und ich muss mich jetzt hier in HD erstmal mit einem -nett gesagt- Klappterkasten begnügen. Gestern üb erlegte ich dann, ob ich mir den Aldi Laptop kaufe. Ich hab dann lang rumüberlegt, ob mir der reicht (weil: so Grafiksachen könnte man natürlich darauf vergessen) oder ob ich mir für den gleichen Preis ein Desktop PC hole, mit dem ich vielleicht sogar hin und wieder mal zocken könnte. Aber dann hab ich beschlossen, dass ich alles lasse. Ok, mit meiner 8 MB Grafikkarte kann ich Youtube Filme nur als Diashow angucken, aber irgendwie: ich hab meine Computerkarriere mit nem C64 begonnen; ich bin’s gewohnt zu warten. Irgendwie überkam mich das Gefühl, dass ich doch alles Wesentliche hier schon hab.

Irgendwie ungewohntes Gefühl: man wird in einem beständigen Zustand der Unzufriedenheit gehalten, zufriedene Menschen sind Konjunkturkiller. Wer besitzt, soll seinen Besitz nicht geniessen, sondern darüber nachdenken, was er noch besitzen könnt (sollte ich nicht schließlich viel lieber n Mac kaufen?). Übrigens: genau deshalb weigere ich mich, komerzielle Werbung als Kunst anzusehen, Werbung kann Lebensgefühl vermitteln aber viel zu oft ist es eins der Unzufriedenheit.

Es ist wie gesagt ungewohnt: man sitzt mit einem Kaffe, der nicht aus einer Senseo Maschiene kommt in einer Wohnung, wo nicht mal das Fenster richtig zugeht, vor einem PC bei dem man beobachten kann wie zwischen der Tastatureingabe und der Auzsführung auf dem Bildschirm eine Sekunde vergeht und ist irgendwie zufrieden mit allem.

Wenn alle das kennen würden, könnte Apple dicht machen.