Individualität 4- “I don’t care what you think of me”
Friday February 09th 2007, 15:55
Filed under: Arne erklärt die Welt, beobachtet

(die anderen Posts dieser Blogreihe kannst du unter dieser Übersicht finden)

Da sieht man mal wieder, wie interwoven dieser Blog ist. Eben noch an einer Blogreihe über Arbeit dran gewesen, jetzt nehm ich schon wieder ein Comment auf, dass mich wieder aufs Thema Individualität/Identität bringt. Ich bin halt ein reiner Fuchs….

Also Kumpel Patrick meinte: “beziehst du deine Identität aus der Meinung von anderen Menschen oder aus dem was Gott über dich denkt?”

Darüber musste ich auf dem Weg zur Sparkasse, wo ich meine Studiengebühren überwies, nachdenken. Ich muss immer wieder an den Satz denken: “I don’t care what you think of me!”. Dieser Satz ist natürlich derbe Punkrock und deshalb schonmal nicht unsympathisch. Es ist fast logisch, wenn man ein unkonventionelles Leben lebt, so einen Satz zu sagen. Denn er ist der Versuch, sich aus den Konventionen der Gesellschaft zu befreien. Das kann prinzipiell aus christlichen Überlegungen geschehen; das Ding mit Gottesfurcht gegen Menschenfurcht. Oder eben mit allen möglichen anderen ungewöhnlichen Hintergründen: den Satz können Homosexuelle sagen, Punkrocker, so genannte Spiesser, NPD Wähler etc. Und er ist eben auch wichtig; in dem Sinne, in dem er dem Einzelnen eine gewiße Souvereinität gibt gegenüber Gerede, Leuten, die einen schnell verurteilen oder einen nicht verstehen möchten. Aber steht dieser Satz alleine ohne eine Erklärung ist er falsch. Auch der Satz mit “Identität aus Gott nicht aus Menschen beziehen”. Auf eine gewiße Weise stimmt das ja; man soll zum Beispiel auch gegen Widerstände seinen Glauben leben. Aber in der Bibel findet man nicht die Aussage, dass der Mensch abseits von anderen Menschen allein in Gott seine Identität findet. Im Gegenteil: Gott schafft den Menschen so, dass er nur in einen Netz aus Beziehungen sich findet: “es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei”. Der Mensch ist unvollständig, wenn er nicht eingebettet in Beziehungen ist oder sich aus Beziehungen rausnimmt. Es gibt hier kein entweder Gott oder Menschen. Die Beziehung mit Gott zeigt sich in der Logik der Bibel in der Beziehung mit Menschen. Es ist natürlich richtig, dass man nicht die Meinung von allen Menschen gleich gewichtet. Es gibt significant others, deren Meinung man sehr hoch schätzt. Wenn man das nicht tut und allein nach dem Grundsatz lebt: “ach die Hauptsache ist doch, was Gott denkt”, würde das eigene soziale Leben wohl in einer Katastrophe enden. Aber wie gesagt: ich glaube, so wirklich lebt niemand nach diesem Prinzip. Ich muss auch an den Punkrocker denken, der in der S Bahn neulich saß. Mit einem alten Kassettenrecorder beschallte er den ganzen Zug mit Wizo: “Und so bin ich froh, dass ich nicht bin, wie all die anderen sind.”. Ich habe mir gedacht: würde er wirklich auf die Meinung der anderen “scheissen”, wieso will er dann provozieren? Wieso laut Musik hören anstatt Kopfhörer zu benutzen? An sich sind viele Punker ja Konformisteen mit umgekehrten Vorzeichen.


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