Arbeit: (Nachtrag Schöpfung) Sabbat
Tuesday February 06th 2007, 21:40
Filed under: Arne erklärt die Welt, Gottkram

So, ich hatte heute meine Orientierungsprüfung in Geschichte und damit jetzt erstmal ein bisschen Zeit, meine Blogreihe weiterzuführen.

Wenn man über die Schöpfung in Bezug auf Arbeit redet, MUSS man natürlich auch über den Sabbat reden.

Ich hatte nie Probleme, den Sabbat zu verstehen; das war mir als manchmal phlegmatische Person immer eine sehr sympathische Sache so ein Sabbat. Ich versteh gar nicht, wie man daraus etwas verkrampftes machen kann. Aber anscheinend ist es auch heute so, bei einigen Orthodoxen Juden, dass sie nichtmal die Kaffeemaschiene am Sabbat anschalten dürfen.

“Der Sabbat ist für den Menschen da.” ist ja eine große Betonung von Jesus (die glaube ich oft nicht wirklich ernst genommen wird).

Sabbat oder eben Sonntag ist,  wenn wir überhaupt ihm eine Bedeutung zumessen, oft so ein armseeliger Tag. Sonntag ist der Tag, wo man gammelt, sich langweilt, vielleicht Hausaufgaben macht, abends Tatort guckt und dann früh ins Bett geht, weil man die Christiansen nicht mehr ertragen kann. Oder eben religiös: man darf nicht arbeiten; ja keine Freude haben etc.

Für mich ist der Sabbat das Element des Spiels und der Freizeit in der Schöpfung. Ich versteh den Sabbat vor allem als ausgleich. Er soll reichhaltig sein, nicht asketisch. Man soll nicht besonders wenig machen, sondern mal was anderes.

“Switch brain sides a bit” sagte mal eine Pfarrerin. Ich denke, was man am Sabbat machen (soll) hängt vor allem davon ab, wie man so seine Woche verbringt. Wenn man Banankisten am Hafen schleppt, wäre ne Hängematte sehr angebracht. Wenn man viel Kopfarbeit macht, wäre vielleicht Sport oder eben Musse angebracht. Es ist doch vollkommen egal (glaub ich; wenn jetzt natürlich einer mit Untersuchungen über Biorhytmen ankommt, überleg ichs mir nochmal) ob das jetzt 24 Stunden sind und zwar von Samstag abend bis Sonntag abend oder wie auch immer. Wurscht. Das wichtige: dass man sich wöchentlich irgendwie Zeiten des Ausgleiches nimmt. Besonders wichtig ist eben auch, die Ruhe und Reflexion. Was wäre es für eine Welt, wenn jeder 1 Stunde in der Woche mit Distanz (vielleicht auch Selbstironie!!!) über sein Leben nachdenken würde? Man kann hier seine Wahrnehmung schärfen und auch versuchen, das Leben zu geniessen. Ich glaube solche Zeiten bringen einen fast automatisch auch Gott näher (interessant ist ja, dass der biblische Rhytmus der Beziehung mit Gott eher ein 7-Tage als ein allmorgendlicher zu sein scheint; aber jeder, wie er mag)
Die biblischen Verbote wollen ja gerade einen Freiraum gegenüber den Verpflichtungen der Gesellschaft schaffen und dem Einzelnen sagen: heute musst du nicht. Das macht eine Gesellschaft natürlich unproduktiver, aber ist auch ein gesellschaftliches Zeichen, dass man sagt: Arbeit ist nicht unser Gott; unsere Gesellschaft dreht sich nicht allein um Konjunktur, Wirtschaftszyklen, Effizenz und Leistung, sondern all diese Dinge sind dazu da, den Menschen zu dienen und Gott zu ehren. Eine Gesellschaft die sich nicht aus der Distanz des Sabbats speist, wird automatisch in der Selbstversklavung enden.


1 Comment so far
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Gute Post mit guter Perspektive. Ich mag das thema und finde, du hast das gut aufgerollt.

Comment by Marlin 02.11.07 @ 10:30



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