Title: What Would Jesus Deconstruct?: The Good News of Postmodernism for the Church (Church and Postmodern Culture, The)
Author: John D. Caputo

über Gefühle bloggen
Saturday January 27th 2007, 15:52
Filed under: belanglos wie die Neon, beobachtet, der müde Versuch, witzig zu sein

Es gibt ja diesen grässlichen Satz: “Ich bin ein Mann, der auch gern mal Gefühle zeigt”.

Ein schauerlicher Satz, auch wenn es sicher Sätze gäbe, die weniger auf mich zutreffen. Nun ist es ja so, dass wir Teil einer Generation voll pseudopoetischer Romantiker sind, bei denen der Film “Fabelhafte Welt der Ameilie” auf breiten Konsens trifft. Da ist natürlich die Versuchung groß, in der Nachfolge des jungen Werthers, des Fängers im Roggen oder Bernd des Brotes seine ewigen Emogeschichten in die glubschende Internetöffentlichkeit zu werfen. Es geht ja gar nicht darum, dass das ja so selbstzentriert ist und man sich zu wichtig nimmt und sowas. Nene, das alles gehört zu einem normalen Aufwachsen unter Hormoneinfluss dazu. Aber das Problem ist: wer liest denn das alles? Man braucht einfach mal so ein Schockerlebnis um zu merken, dass Blogs einfach zu gut gefunden werden (im Gegensatz zu einem Beitrag im Forum) und laut Murphys Gesetz nicht etwa ein zukünftiger Partner das liest, sondern ein fieser, sabbernder Bösewicht ohne Gewissen aus dem weiteren Bekanntenkreis, der die ganze Zeit Leute ergoogelt um gegen sie was in der Hand zu haben.

Will man das? Was ist, wenn der Bewährungshelfer das liest? Oder man stelle sich das vor: man wird von einer kleinen Bande halbstarker Ghettogangster gezielt überfallen. Man versucht sie fauchend zu vertreiben. Aber die haben sich vorbereitet. Und anstatt eines Messers holen sie ein Ausdruck deines Blogs raus und lesen:
“rosa farbener Flieder im Frühlingswind

sengende Herzen
unendliche Schmerzen
ausgeblasene Kerzen
die Ideen des Märzn’s”

Wie steht man dann da? Da kann man schon mal sein letztes Hemd ausziehen. Es ist ein Dilemma. Denn auf der anderen Seite will man auch nicht so wirken, als hätte man kein Leben. Für mich bleibt es dabei: ich blogge nichts, was ich mir nicht auch auf die Stirn tätowieren würde; naja oder so ähnlich. Und wenn, dann chiffirere und codiere ich alles.

Denn das Internet ist ein Bumerang.


3 Comments so far
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Applaus. Einfach nur Applaus.

Comment by Dave 02.05.07 @ 15:24

Wieso sollte man nicht über Gefühle bloggen Arne?
Du hast Angst davor, die angreifbar und verletzlich zu machen?
Und wenn schon…beziehst du deine Identität aus der Meinung von anderen Menschen oder aus dem was Gott über dich denkt?
Sollen sich die Leute doch über mich lustig machen, solange andere durch meine Posts gestärkt werden.

Comment by Patrick 02.09.07 @ 10:47

Hey Patrick,
ich weiß, was du meinst. Ich glaube, ich werde die Antwort splitten. Also erstmal auf genau das Thema bezogen antworte ich hier, dann etwas allgemeiner, werde ich einen extra Post machen.
Also erst mal: es geht ja nicht darum, dass MAN nicht über Gefühle bloggen posten DARF. Man darf von mir aus alles. Erstmal ging es mir ja darum, zu fragen, ob es immer so weise ist, ein Blog wie ein Tagebuch zu nutzen. Also ich hab das miterlebt bei einigen Blogs, die sehr offen über Beziehungsprobleme gebloggt haben. Das würde ich eindeutig nicht machen. Man kann immer sehr drückende Sachen, bei denen man hofft, dass andere sich damit identifizieren können und man vielleicht ins Gespräch kommt, immer noch chiffrieren; also zwischen den Zeilen erwähnen. Ich bin schon der Meinung, dass man auch Verletzlichkeit zeigen muss- siehe mein Blogtitel inkl. Erklärung. Aber man sollte sich von der vermeintlichen Anonymität des Internets nicht dazu verleiten lassen, Dinge in eine unkontrollierte Öffentlichkeit zu werfen, die man nichtmal seinem besten Freund erzählen würde.

Comment by Arnachie 02.09.07 @ 14:58



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