neue Ausgabe
Sunday December 17th 2006, 22:10
Filed under:
Szenekram
möchte euch noch schnell auf die neue Ausgabe von Bunchofnerds aufmerksam machen, die gerade gelauncht wurde.
Hier.
Es ist mir klar, dass das ganze irgendwie nicht so rund läuft. Man findet keine Leute, die Zeit haben zum Schreiben und außerdem sind die Texte von der Länge eher fürn printzine geeignet. Einige Artikel sind für diese Ausgabe auch gecancelt worden; zB auch der Artikel über Wort und Geist; das war mir am Ende aus einigen Gründen doch zu heikel. Ich finde trotzdem, dass da manchmal ganz gute Sachen kommen. Mal gucken, was man aus den ganz guten Beziehungen, die man mit BON geknüpft hat und den nicht so tollen Strukturen so machen kann.
Wenn DU Bock hast mitzuschreiben, sag Bescheid.
ein Wort zu Russland
Mir kommt es so vor, als wäre Russland zur Zeit vergleichbar mit dem Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik.
Es ist gerade dabei den Verlust eines großen Imperiums zu verarbeiten. Weltpolitisch sitzt es in der zweiten Reihe und die Demokratie findet auch nicht so recht Anklang. In dieser Situation sehnen sich die Bürger nach alten Zeiten zurück; sie wollen alte Größe zurückerlangen und einige sind vielleicht auch bereit dafür ein Stück ihrer Freiheit zu opfern (was nutzt schon Freiheit, wenn man kein Geld hat, sie auszukosten?). Der Ruf nach den Starken Mann ist da; und anscheinend
ist Putin noch ein recht gemäßigter Vertreter (Kommentar heute auf Phönix: er ist liberaler als die meisten Russen; ich hoffe dieser Kommentar ist falsch). Seit einigen Jahren grassiert auch ein großer Antisemintismus. Und vor allem: all das passiert abseits der Weltöffentlichkeit.
Gegen Bush geht halb Deutschland auf die Straße aber zu Putins Machenschaften schweigt man doch lieber. Die Weltgemeinschaft lässt Russland auch sich ein wenig in Tschetschenien austoben (so wie sich Deutschland damals auch im Rheinland, Saarland, Östereich etc. austoben durfte). Ich will jetzt Putin nicht mit Hitler verlgeichen (siehe Goodwins Gesetz) und ich denke auch nicht, dass uns ein Krieg bevorsteht, aber dennoch finde ich, sollte man im Friedens-verwöhnten Europa auch öfter mal in diese Richtung schielen und vor allem unsere bisher recht stabile Lage nicht für selbstverständlich nehmen. Man sollte keine Zugeständnisse an Russland machen, was diverse Verbrechen angeht und vor allem nicht wie in den 30ern gegenüber Deutschland (Appeasement) nicht der Meinung sein, dass dies alles notwendige Übel sind, die zum Erwachsenwerden eines Staates dazugehören. Die Geschichte zeigt: wenn ein Staat erstmal in zentralistischen, autoritären Strukturen drin ist, kommt er auch so schnell nicht mehr heraus.
der Melancholiker

Bei diesen Diskussionen um den angeblich Kranken Amokläufer von Emsdetten (oh mein Gott, hätte fast Eschede geschrieben…) musste ich die letzten Tage an ein Zitat denken. Irgendwie kommt es mir so vor, als ob der Typ definitv recht intelligent war und auch die richtigen Fragen gestellt hatte. Schade das niemand da war, der ihn abgeholt hat und ihn gute Fragen zurückstellte…
Aber ganz allgemein wollte ich einen Thread im alten Bunch of Nerds Forum zitieren, wo der gute Jens (ein eher existentialistisch geprägter Zeitgenosse; mit dem ich oft nicht so übereinstimmte) eigentlich gut den Melancholiker und sein Anliegen skizziert. In diesem Licht wird auch deutlich, warum bei der Berichterstattung so penetrant an der Oberfläche der Probleme geblieben wird; weil der Melancholiker vielleicht wunde Punkte der sogenannten Normalen anspricht, auf die viele lieber nicht in der Tiefe eingehen möchten. Alsogut hier der Text:
“Die Schwarzseeligen oder -galligen, empfinden an sich die Welt als gewalttätig und dadurch unerträglich. Und am Ende wartet die sichere Tatsache des Todes. Darum wird alles vergeblich sein, darum kommt am Ende bei aller Anstrengung doch nur die blanke Null heraus. So empfinden die an der Welt Leidenden.
Wie nun aber, wenn die “Melancholie” darin völlig Recht hätte? Wie, wenn man denken könnte, es seien gerade die Menschen der Melancholie dazu berufen, den so genannten „Normalen“, sagen wir den „Euphoriekern“, den „rheinischen Naturells“, etwas zu sagen, auf das diese von allein niemals kämen? Ihre Botschaft würde ganz im Sinn der Bergpredigt aus Matthäus 5,4 dahin laufen, dass sie, die Trauernden und Weinenden, allen anderen, dem Rest der Welt, von Gott etwas mitzuteilen hätten, das nur sie selbst so intensiv zu sagen vermöchten? Diesen anderen mag die Erde vorkommen wie eine große Rampe, über die man geradewegs zur Himmelspforte aufsteigt. Diesen Melancholikern aber erscheint die Welt wie ein Abgrund, den man die Leiter abwärts bis zum Tiefpunkt hinunterklettern müsste, wenn nicht ein Engel käme oder Gott selber, um daraus zu retten. Aber eben dies, dass es etwas völlig anderes geben muss als das, was man sieht, und dass es dieses andere ganz sicher geben muss, weil sonst überhaupt kein Leben möglich wäre, dies wissen Menschen, die wir so einfach hin als Melancholiker bezeichnen, buchstäblich von Natur aus. All den anderen ist Gott gewissermaßen im Brot und Wein. Sie essen und trinken und werden dabei glücklich und selig. Das hat auch seinen Wert. Schwarz-weiß lässt sich das nicht aufspalten. Wie bereits schon einmal gethreadet: Um mit Sören Kierkegaard den Melancholiker zu charakterisieren: Solche Menschen vermögen nicht eine einzige Schwimmbewegung im Meer des Endlichen zu vollziehen ohne die Kraft des Unendlichen. Sie wüssten nicht über diese Erde zu gehen, ohne dass mitten in der Nacht am Horizont ein Stern stünde, der ihnen so etwas gäbe wie eine Richtung. Auch sie werden niemals beweisen können, dass ein solcher Stern wirklich existiert – vielleicht ist er ja nur ein optischer Trug, aber sie werden darauf beharren, dass es diesen Stern geben muss, weil sonst gar kein Hoffnungsschimmer mehr über dieser Erde läge.”
typisch deutsch
Ich hasse Leute, die – kosmopolitisches Weltbürgertum andeutend- dauernd mit Sätzen um sich werfen, die mit “Das ist ja wieder mal typisch deutsch…” beginnen.
Typisch deutsch ist Pünktlichkeit…soso, ein Besuch am Heidelberger Bahnhof sollte jeden eines besseren belehren. Korrekt müsste es heißen: typisch deutsch ist sich aufregen über wiederrum typisch deutsche Verspätungen. Es gibt ja bekannterweise auch in ganz Deutschland keinen Gottesdienst, der pünktlich anfängt. Und wenn man regelmässig Konzerte besucht, wird einen schnell auffallen, wie pünktlich Deutschland wirklich ist.
Ich bezweifle immernoch, dass ein Deutscher geeignet dafür ist, zu sagen, was typisch deutsch ist. Und die meisten Klischees über Deutsche, sind in Wirklichkeit Klischees über Preußen. Mittlerweile ist Deutschland vielzu fragmentiert um hier wirklich allzuviel Gemeinsames herausarbeiten zu können.
In der Zeit fand man dabei Folgendes Bild:
[bitte hier lang]
Der sehr geniale Max Goldt kommt übrigens auf Lesetour. In Karlsruhe ist er am 11.1 und ich versuch auf jedenfall da zu sein.
(more…)
Kunstblog
Freund Johnny und Freund Daniel haben zusammen einen “ArtBlog” angeefangen. We shout out our art.
Johnny macht mehr diesen Photoshop Sytyle, Daniel malt eher. Ich bin beeindruckt, was die da so machen.
Kostprobe:

Bereit zur Rechenschaft
Die Band Underoath ist ganz groß in der Emocore Szene. Sie singt hin und wieder von ihrem christlichen Glauben, aber ist keine der Bands, die predigen würden (soweit ich das seh). Vor allem gehören einige Bandmitglieder zu dieser Generation von Christen, die zwar genug hat von George Bush, aber auch nicht wirklich Bock haben, sie mit ihrem Glauben, ihrer Tradition, Theologie und Politik auseinanderzusetzen. Ein Interview mit dem Drumer in einem säkuleren EZine zeigt sehr deutlich warum die Aussage: ach ich bin einfach nur Christ; zwar auf naive Weise irgendwie charmant ist, aber letztlich in Ignoranz mündet.
GETADDICTED: Eine der berühmtesten deutschen Figuren, die besonders religiös war, hat einen blutigen Krieg ausgelöst, nämlich Martin Luther.
Aaron: Sage ich sofort: Egal, was kommt, da kann ich nicht viel zu sagen. Da weiß ich zu wenig drüber.
GETADDICTED: Aber ihr seid doch eigentlich Protestanten, oder?
Aaron (zu mir): Bin ich das? (zu einem vorbeilaufenden Roadie) Bin ich Protestant?
Roadie: Ähm, ja. Ich denke schon. Wenn überhaupt, dann Protestant. Auf jeden Fall nicht Katholik.
Aaron: Also ich bin nicht organisiert religiös, aber wenn, dann eher Protestant und auf keinen Fall Katholik.
Roadie: Sind die Iren nicht katholisch? Da herrscht auch Separatismus. Die Katholiken und die Protestanten hauen sich da die Köpfe ein.
Aaron: Ist Dublin im protestantischen Teil? Und U2 auch?
Roadie: Ja, beides! An den Küsten ist Irland vor allem protestantisch, und im Hinterland sitzen die Katholiken.
(An dieser Stelle erspare ich mir und den beiden die Richtigstellung, dass Irland in einen protestantischen, pro-britischen Norden und eine katholisch geprägte Republik mit Dublin als Hauptstadt geteilt ist und denke innerlich schmunzelnd an einen Satz von Dieter Nuhr.)
Aaron: Das sind aber theologische Fragen, und ich bin kein Theologe. I’m a man who plays music and loves Jesus.
GETADDICTED: Bush besetzt die religiöse Rechte in den USA und hat ihr auch einen Teil seiner Wahlerfolge zu verdanken. Heute haben die Demokraten bei den Kongresswahlen beide Parlamentskammern zurückerobert. Was sagt das über Religion in den USA heute aus?
Aaron: Das ist eine sehr politische Frage, und ich bin kein Politiker.
Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Respekt (1.Petrus 3:15)
Sind wir noch bereit zur Rechenschaft? Haben wir einen so reflektierten Glauben, der auch guten und berechtigten Fragen standhält oder flüchten wir uns in “ich bin halt so” Argumente? Sind wir auch bereit neben Apologetik (vernunftige Argumente für den Glauben zu finden) Apologie (Entschuldigungen für Irrwege des Glaubens) zu betreiben?