Der Freakstock 2005 ist vorbei, die Zelte sind inzwischen einigermaßen getrocknet und es wird allerhöchste Zeit für den längst überfälligen Freakstock Bericht inklusive Bilder.
Dieses Jahr wurde das Freakstock auf der Promikon zum Veranstalter des Jahres gewählt, nun fragt sich, ob das Freakstock diesen Anspruch auch wieder gerecht wurde.
Wir wollen deshalb mit den Freakstock ein großen Festivalcheck einläuten, bei dem wir nach und nach die großen christlichen Festivals in Deutschland soweit es uns möglich ist, testen und vergleichen. Zur besseren Übersicht unterteilen wir den Test in verschiedene Kategorien.

Line-Up

In einigen Zirkeln gab es ein großes Geschrei was das Line Up anging. Irgendwie fehlte die überzeugende Band, der "Hinfahrgrund". Natürlich, der Hinfahrgrund ist natürlich Jesus und all diejenigen, die das so sahen kamen letztendlich auch trotzdem zum Freakstock. Aber was ist mit seinen nichtchristlichen Freunden, die man gerne mal so etwas erleben lassen will? Die gucken natürlich aufs Line Up und es ist nicht so, dass die christliche Szene keine bekannten Bands hervorgebracht hätte. Man denke an Blindside oder die ein oder andere Band, die es im härteren Bereich zu Anerkennung gebracht hat. Diese obligatorische eine Band vermisste man auf dem Freakstock dieses Jahr.
Dennoch, als man dann da war und alles live erlebte, merkte man, dass das Ganze gar nicht soo schlimm war. Im Gegenteil: irgendwie war das Line Up gebündelter. Ein Beispiel hierfür war der Samstag an dem man -wenn man denn wollte- ohne Unterbrechung im Marqueezelt bleiben konnte, da die Bands in der Zusammenstellung auch ohne Highlightband überzeugen konnten. Es schien mir, dass versucht wurde, viele europäische Bands zu unterstützen, was dafür sorgte, dass viele sehr unbekannte Bands spielten. Man holte einige Bands aus dem Umfeld des wunderbaren Sally Forth Labels aber leider eben nicht die bekannteren wie The Spirit that guides us oder this beautiful mess. Dafür holte man die durchaus hörenswerte Band Anderson in Coffeezelt, die ich leider verpasste. Auch Lampshade waren wieder zugegen, allerdings trübten Tonprobleme ein wenig das Hörvergnügen. Wenig überraschend war der Auftritt der allgegenwärtigen Seekersplanet, die aufgrund ihrer Musik, mit der fast jeder über Genregrenzen hinweg etwas anfangen kann, so eine Art Ass im Ärmel sind. Aufpassen müssen die Kroaten jedoch, dass sie nicht eines Tages zum Inventar eines jeden christlichen Festivals werden.
(Man sagt, echte Stars verstehen es, sich rar zu machen.)
Genregrenzen ist ein gutes Stichwort: denn letztendlich ist das Freastock natürlich eine derbe Gratwanderung zwischen den verschiedenen Interessengruppen - so rein genremässig gesehen. Ich finde das eigentlich größtenteils recht gut gelungen, auch wenn natürlich viele das nicht so sehen werden ("Wo bleibt Reggae?" Allerdings: Wie viele chrstl. Reggaebands gibt es denn schon?). Auffällig ist auch, dass das Freakstock mehr als andere Festivals offen ist für Experimente. Man denke an Reverend Vince Anderson oder den Slampoeten Bradley Hathaway, der vor der Band Taking Names mit seinem Gedicht über die Hardcoreszene aufgetreten ist.(Review des Buches ist in Planung).
Jedoch, wenn das Freakstock wirklich mit den Anspruch auftritt, das größte alternative Heartcore Festival Europas (was für eine Anhäufung an Attributen!) zu werden oder gar zu sein, muss in dem Bereich noch einiges geschehen. Das ist nicht unbedingt eine Kritik an der Arbeit des Bookers; ich weiß ja nicht um den finanziellen Spielraum, der da zur Verfügung steht und wie bereitwillig amerikanische Bands auf's Freakstock kommen, aber guckt man allein die christlichen Festivals in Europa an- das Peacedog, Flevo, die Christmasrocknight (bei der sich -wie man dank den Kollegen von Sound7 sieht- wohl ein ganz großartiges Line Up andeutet), sieht man schnell, dass hier das Freakstock ausbaufähig ist.
2/5

Atmosphäre

Doch im Gegensatz zur CRN sagt ein Blick auf das Line Up tatsächlich erstmal wenig aus. Bei der Christmasrocknight schaut man auf's Line Up und man weiß sofort, was einen erwartet. Das Freakstock ist um einiges subjektiver. Ein Line Up, das einen nicht zusagt, muss einen noch nicht das ganze Freakstock verderben.
Man kann ruhigen Gewissens sagen, dass das Freakstock das unpeinlichste Festival ist, was die Christen zu bieten haben. Hier tummeln sich ganz normale Menschen und die wenigstens davon haben kitschige christliche T-Shirts an oder so. Was immer wieder -zumindest für mein Empfinden- auffällig ist, ist das neben- oder gar miteinander der verschiedensten Jugendszenen und Kulturen. Kein albernes "ihh, die hören ja Hip Hop", sondern Toleranz und Vielfalt prägen das Freakstock. Man kommt mit vielen wildfremden Menschen ins Gespräch- großes Familientreffen eben. Ganz toll ist auch, wenn man nach einen Jahr wieder Freunde aus ganz Deutschland trifft, wie zum Beispiel die www.german-warriors.de .
Nicht unerwähnt lassen darf man auch die vielen freiwilligen Helfer, die -auch wenn man das im Jahr der Mitarbeiter schon oft genug gehört hat- das ganze erst ermöglichen. Ganz großartig.
Alles ist wahnsinnig entspannt und cool. Die Freakstockmacher taten gut daran, dass sie einen Großteil der Energie in die Atmosphäre fließen lassen. Nur das Wetter blies einen dieses Jahr ein wenig die Schaumkrone von der Festivalstimmung herunter.
4/5

Angebote

Eigentlich ist das eng mit dem Punkt Atmosphäre verbunden. Die Angebote können vielfältiger nicht sein. Von der Skaterampe, dem Dixieland, dem (in diesem Jahr besondern gutem) Kunstzelt, der Shopping Meile, dem Open Air Kino, dem Teezelt, dem Chilloutzelt usw. usf.
Man hat wirklich einige Möglichkeiten sich zu beschäftigen, Leute kennen zu lernen, zu shoppen, zu chillen, zu tanzen.
Ganz klar:
5/5

Geistlich

Das Motto dieses Jahr war "Verknallt in Jesus". Zum Beweis, wie sehr man Jesus liebte kriegte man dieses Jahr auch ungewöhnlich viele Möglichkeiten für das, was man gerne Lobpreis nennt. Wer denkt, dass Morning Praise, Evening Praise, Lobpreis beim Hauptseminar und vielleicht sogar noch Lobpreis bei den Konzerten Abends zu wenig ist, darf dann auch getrost noch zwischen Morning Praise und Hauptseminar so genannten Modul Lobpreis mitnehmen. Auf 4 Bühnen traten Bands unterschiedlichster Stilrichtung und Qualität auf, die den gotthungrigen Menschen Nahrung versprachen. Voll der Overkill, aber jedem das Seine...
Indes wurde von irgendeinem freundlichen Menschen das Hauptseminar nach hinten verlegt, anstatt halbausgeschlafen in der -normalerweise heftigen- Mittagssonne zu schmoren, konnte man dieses Jahr schön ausschlafen, wenn einem das Zelt nicht zu heiß und der Lobpreis zu laut wurde, und dann in aller Ruhe zum all you can eat trotten. Das Hauptseminar war dann erst nachmittags und drehte sich auch lose um das oben genannte Motto. Vermutlich lag es an einem selber, wenn man von den Predigten nicht so viel mitnahm, aber für den Fall gab es ja noch die Seminare. Man hat hier komischerweise viele Themen, die man auch auf normalen christlichen Jugendkongressen hat: Sex und Evolution und so. Ich konnte mich nur von einem Seminar von 24-7 Deutschland Chef, Markus Lägel begeistern, welches zeigte, was wir vom Mönchstum über Spiritualität und Gemeinschaft lernen können.
Im 24-7 Zelt konnte man dann ganz individuell Gott begegnen und im Gebetsturm für das Freakstock und die Leute dort beten und wenn man alte Traditionen wiederentdecken wollte, konnte man auch wieder den nächtlichen Liturgiegottesdienst miterleben.
3/5

Preise

Im Vorverkauf kostete das Freakstock 60€, Abendkasse 80€. Das scheint zuerst sehr teuer, aber ein Campingausflug irgendwohin inklusive abends weggehen wird wohl nur unwesentlich billiger ausfallen. Und dann hat man immer noch keine 6000 netten Leute und 60 Bands. Das Essen war ok. Döner für 3€, Frikadellen mit Brötchen 2€.
Bier war 4€ für 0,5l. Das All-you-can-eat kostete 3€ (hatte das nicht mal sogar 4€ gekostet?).
Die Merch Sachen waren ok. Preise im Freakstyle waren zwischen 15 und 30€ für Shirts. Man konnte einige CD Schnäppchen für zwischen 10€ und 13€ ergattern.
Sehr positiv, war das Sozialticket für Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger und spezielle Preise für die Leute aus Gotha.
Trotz Festivalpreisen schien das Freakstock dieses Jahr Verlust zu machen.
Also alles in allem waren die Preise wohl doch anwenderfreundlich und –wie betont wurde- keinesfalls auf Profit hin kalkuliert.
3/5

Gesamt

Das Freakstock ist mE. das coolste europäische chrstl. Festival, dass sein ganz eigenen Stil und sein ganz eigenen Charme hat. Verbesserungsbedarf gibt es beim Line up.

17/25




 
 

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