Marc Salomon - Simplicity
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Relevant Books

240

2005

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0976035766

Mit Simplicity meldet sich die bis dato eher schreibfaule christliche Rockszene zum ersten Mal ernsthaft zu Wort. Marc Salomon, der theatralische Frontmann der Band Stavesacre berichtet über sein bewegtes Leben. Das Buch springt dabei immer zwischen zwei Erzählsträngen hin und her.
Der Autor schildert zunächst aus der jüngeren Vergangenheit seiner jetzigen Band Stavesacre und parallel dazu erzählt er wie es dazu kam, dass er mit the Crucified einer der ersten christlichen Hardcorebands in den Neunzigern gründete. Er skizziert den Weg von seiner nicht ganz glücklichen Kindheit bis zu dem Zeitpunkt, an denen er über U2 und dann Minor Threat dazu kam, eine Hardcoreband zu gründen.
Bsonders interessant ist die Schilderung seiner Zeit bei the crucified- eine Band die platt, provokativ und "radikal" - im Chictraktate Stil (will heißen: mit viel Hölle und Drohungen und so)- ihre Glaubensüberzeugungen rausbrüllten. Umso interessanter ist es, dass Marc in dem Buch gesteht, dass sein Glaube in dieser Zeit besonders in der Krise steckte und er selbst das nicht lebte, was er von seinem Publikum lautstark verlangte. Diese bis dahin nicht sehr verbreitetenden Enthüllungen, lassen vieles aus seiner späteren Stavesacre Zeit in einem neuen Licht erscheinen. Seine radikale Abneigung gegen jegliches Predigen von der Bühne zum Beispiel. In diesem zweiten Erzählstrang des Buches legt er dar, wie er, durch seine Erfahrungen gedemütigt aber auch besonders sensibilisiert gegen jegliche Heuchelei, sich plötzlich in einer christlichen Musikszene wiederfindet, die voll zu sein scheint von Leuten wie ihm. Ständig wird er darauf angesprochen, warum er denn nicht predigt und ständig fühlt er sich von sogenannten Fans bedrängt, die sich "Sorgen" um seinen geistlichen Zustand machen, weil mal eine Aussage in einem Interview nicht ganz so ausgefallen ist, wie sie wollten.
Auch wenn Marc zunächst nur die christliche Musikindustrie kritisiert wird schnell klar, dass es hier um ein die gesamte christliche Subkultur geht.
Das Buch spiegelt in vielen Punkten das Lebensgefühl einer ganzen Generation wieder, die große Teile der christlichen Subkultur wegen ihrer Doppelmoral und ihrer weltfremden Abgehobenheit ablehnen und die trotz ihres Frustes die Sehnsucht nach einer neuen Aufrichtigkeit nicht aufgeben. Es ist also wahrscheinlich, dass dem Leser eine große Identifikation überkommt. Er legt den Finger in offene Wunden. Beispielsweise die albernen Vorstellungen, von dem, was die Amerikaner "witnessing" also "Zeugnis geben" nennen. Er fühlt sich unter Druck gesetzt von Fans und Pastoren, die von ihm fordern, dass er von der Bühne aus predigt, obwohl für ihn das respektlos wäre und er lieber natürlich und zwanglos seinen Glauben in seiner Heimat und seiner dortigen Clique auslebt.
Das Buch scheint eine Art therapeutischen Zweck zu haben, wie Tagebücher ihn öfters haben. Marc Salomon versucht die Ereignisse für sich zu ordnen. Dabei ist es klar, dass das Buch vor allem beschreibt und dokumentiert. Ja klar, es handelt sich um teilweise sehr skurille Geschichten, die Marc Salomon zu erzählen hat, aber dennoch vermisst man eben jene Poesie, die in seinen Lieder zum Ausdruck kommt. Vom künstlerischen Anspruch her ist das Buch trivial und brav. Nur einmal schimmert ein bisschen poetischer Trotz durch, nämlich im ersten Kapitel, als er seinen Abschiedbrief an die christliche Musikindustrie schreibt:
"Das ist ein Brief voller Resignation. Ich sage Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen all jene, die diesen Raum mögen, die hier immer noch leben können und denken, es wär ok hier drin. Die hier leben können und nicht das überwältigende Gefühl spüren, zu gehen. Dieser Raum ist kein Ort, der die Dinge, die wir für wertvoll und heilig erachten sollten, fördert oder auch nur gutheißt. Du solltest diesen Raum nun verlassen, nimm die Sachen, die es verdienen zu überdauern, so es sie geben sollte, mit und verschwinde. Verschwinde und hol Benzin und Streichhölzer."
Dennoch hat man das Gefühl, dass dieses Buch mehr ein ausgedehntes Interview bei Beckmann oder Kerner gleichkommt, als einen ernsthaften autobiografischen Roman. Hin und wieder hat das Buch etwas Rock and Rolliges, Wildes. Besonders die Schilderung der Zeit, wo im christlichen Underground jeder jeden kannte, ist sehr spannend. Doch meistens versucht er seinen Lesern lieber jede allzu romantische Vorstellung vom wilden Tourleben zu nehmen. Vielleicht ist Marc Salomon - im Gegensatz zu beispielsweise Andrew Schwab von Project 86- auch nur zu respektvoll, um einen nörglerischen Tonfall wie oben, durch sein Buch durchzuziehen. Er ist sogar noch so herzensgut, dass er im Anhang jungen Bands Tipps gibt, wie man sich besser verhalten sollte bei Konzerten und ansonst. Dennoch: das Buch ist eine bessere Dokumentation, Kunst ist es nicht. Was nicht heißen soll, dass es nicht sehr wertvoll und vielleicht sogar bitter nötig ist.

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(Buch, keine CD! Eigene Buch Sektion ist in Planung)
 
 

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